Thriller,
Drama
| Großbritannien / Neuseeland / USA 2009
| INHALTSANGABE
Anfang der Siebziger wächst die 14-jährige Susie Salomon wohl behütet in einer amerikanischen Kleinstadt von Pennsylvania auf. Gerade am Tag, als sie mit ihrem Schwarm Ray Singh ein erstes Rendezvous verabredet, wird das Mädchen auf dem Nachhauseweg in einem abgelegenen Feld Opfer eines Gewaltverbrechens. Ihre Leiche wird nie gefunden, lediglich ihre Strickmütze taucht auf. Deshalb geben ihre Eltern die Hoffnung nicht auf, doch über die fanatischen Suche von Vater Jack nach den Hintergründen zerbricht die Ehe. Derweil verharrt Susie in einer sich ständig verändernden Zwischenwelt zum Jenseits, von dem aus sie ihre Familie beobachtet. Umso entsetzter reagiert sie, als der Killer es ebenfalls auf ihre jüngere Schwester abgesehen hat.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Merkwürdigerweise sind es immer wieder Filmemacher, die ihre Karriere mit Werken voller Witz, Satire und schwarzem Humor begannen, welche später geradewegs in die Melo-/Kitschfalle tappen: Dazu gehört neben Gary Marshall oder Jerry Zucker auch Ex-(Fun-)Splattermeister Peter Jackson, der sich längst aus der Horrorecke befreite und Filme mit Blockbuster-Appeal oder Kunstanspruch dreht. Gewissermaßen schweben über seiner Adaption von Alice Sebolds Roman „The Lovely Bones“ die Worte „Oscar-Nominierung“ und „Filmkunst“, was aber nicht ganz aufging.
Streckenweise erfüllt die Literaturverfilmung sogar diese Prämisse. Gewissermaßen knüpft Jackson dort an, wo er 1994 mit dem dichten Psychodrama „Heavenly Creatures“ aufhörte. Dort verknüpfte er ebenfalls einen Kriminalfall mit der ausufernden Gedankenwelt zweier Teenager, womit ihm die Balance aus sensiblem „Coming-of-Age“-Porträt und düsterem Morddrama weitaus perfekter gelang. Makabere Details spart der Australier dagegen in seinem jüngsten Werk weitgehend aus, wobei es ihm immerhin stellenweise gelingt, Suspense aufzubauen.
Als Off-Erzählerin fungiert das pubertierende Mädchen Susie, das ihr furchtbares Ende rückblickend aus dem Jenseits berichtet. Zu Beginn gelingt es Jackson, einen stimmigen Einblick in die Siebziger-Jahre-Kleinstadtatmopshäre zu kreieren, deren heiles Familienleben durch den Mord nachträglich erschüttert wird. Während der Beginn noch ein Geheimnis um die Identität des Täters aufbaut, wird relativ schnell deutlich, dass sich hinter dem stillen Auftreten des netten Nachbarn Mr. Harvey Abgründe auftun. Stanley Tucci mit biederer Frisur, Kassenbrillengestell und gestutztem Schnauzbart gehört neben der jungen Saoirse Ronan, die wie Silvie Testuds jüngere Schwester wirkt, zu den Entdeckungen, der seine vordergründige Klischeerolle mit Zwischentönen aufzuwerten vermag. Dagegen wirkt Susan Sarandon als sarkastische, kettenrauchende, trinkende Großmutter, als „Comic Relief“ gedacht, wie im falschen Film.
Allerdings verschwindet das tote Mädchen, Opfer des unscheinbaren Psychopathen von Nebenan, nicht völlig aus der Gegenwart. Weiterhin spüren Vater Jack und Schwester Lindsey ihre Präsenz, während Susie in einer Zwischenwelt als Verkörperung ihres Unterbewusstseins strandet. Dieses Zauberreich sieht Peter Jackson als vitale Energie an, die jeweils im Zusammenhang mit der Gefühlswelt des blonden Teenagers steht. Sobald sie sich wohl fühlt, wandert sie durch eine Art Paradies, doch als dunkle Wolken in einer Periode aus Angst und Depression aufziehen (wenn Harvey ihre Schwester bedroht), verwandelt sich der Zufluchtsort in eine düstere Hölle, der alle Farben entzogen wurden.
Verstärkt arbeitet Jackson mit Doppelungen (etwa die Modellbauobsessionen von Vater und Killer), Verweisen („Lord of the Rings“-Plakat), Überblendungen, (religiösen) Symbolen und Anspielungen. So taucht zu Beginn ein Buch von Albert Camus auf, der sich wiederholt mit der Absurdität und Ungerechtigkeit des Todes auseinander setzte. Dazu wirken die Zauberwelten, in denen Momente aus Susies Erinnerung auftreten, wie einem Capar David Friedrich-Gemälde entnommen. Dies verknüpften Jackson sowie seine bewährten Autoren Fran Walsh und Philippa Boyens mit Reflexionen zur Macht des Schicksals und Zufalls, die unser Leben bestimmen. Doch trotz aller formaler und inhaltlicher Qualitäten kann das surreale Drama nicht über die gesamte Laufzeit überzeugen. Dafür tritt die Story mitunter zu stark auf der Stelle, und der Kitsch behält die Oberhand. Das dramatische Finale mündet dann in einer schon lächerlichen Schlusssequenz, wo ein weiteres Mal der Zufall regiert.
| FAZIT
Spiritueller Fantasy-Thriller, der zunächst weitgehend einfühlsam Themen wie Verlust, Trauer und Schicksalsfügung anschneidet, bevor CGI-Schmalz das Ruder übernimmt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung