Die junge Türkin Umay verlässt Istanbul mit ihrem kleinen Sohn Cem. Sie flieht vor ihrem gewalttätigen Ehemann zurück nach Berlin, wo ihre Eltern leben. Diese aber finden, dass eine Frau zu ihrem Mann gehört. Umay stößt mit ihrem Wunsch, sich in Berlin ein eigenes Leben aufzubauen, auf taube Ohren. Die Familie beschließt, Cem zu seinem Vater in die Türkei bringen zu lassen, gegen den Willen seiner Mutter. Umay ruft die Polizei und zieht mit Cem in ein Frauenhaus. Doch weder ihre Eltern und Geschwister, noch Umay selbst wollen sich mit diesem Bruch abfinden. Hin- und hergerissen zwischen Sehnsucht nacheinander und hasserfüllter Entfremdung, geraten die abtrünnige Tochter und ihre Familie immer tiefer in eine Sackgasse.
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| FILMKRITIK
„Die Fremde“ ist das Kinodebüt von Regisseurin Feo Aladag, die auch das Drehbuch schrieb und produzierte. Die in Wien geborene Schauspielerin, die in Berlin lebt, befasst sich in diesem Drama mit den Konflikten in einer türkischen Familie in Deutschland, die die eigene Tochter zur Todfeindin erklärt. Sibel Kekilli spielt die selbstbewusste junge Mutter Umay, die unbeirrt ihren Weg geht, aber den Kontakt zu ihren geliebten Eltern und Geschwistern nicht abbrechen will. Der Film widmet sich ausführlich diesem Konflikt der Figuren zwischen Liebe und strengen sittlichen Normen. Er hatte seine Premiere auf der Berlinale 2010 im Panorama Special.
Ob zunächst bei ihrem Mann und den Schwiegereltern in Istanbul, oder später zuhause bei den Eltern in Berlin: Umay hat als junge Frau stets demütig und dienend aufzutreten, vor allem dem männlichen Familienoberhaupt gegenüber. Ihrem Vater will sie, auch als der Konflikt längst eskaliert, eine gute Tochter sein. Die Regisseurin geht das Thema als Familientragödie an, indem sie die starke Zusammengehörigkeit zeigt, die alle Beteiligten empfinden. Der Hass wegen Ehrverletzung und Unterdrückung schafft es nie, die Liebe zueinander vollständig auszulöschen, der Konflikt eskaliert, obwohl die Emotionen im Fluss bleiben.
Schon als Umay mit ihrem kleinen Sohn vor der elterlichen Wohnung steht, weiß sie, wie ihr Weg als alleinerziehende, getrennt lebende Frau in Berlin aussehen wird. Weder ihre schockierten Eltern, noch die Geschwister können sie davon abbringen, den Weg zum Studium und zum eigenen Geld selbst über den Umweg eines Frauenhauses zu verfolgen. Sibel Kekilli spielt die entschlossene, aber auch die weiche Seite ihrer Figur engagiert, wobei die kurzen Momente der Freude, etwa wenn Umay in der Großküche mit dem von Florian Lukas gespielten Kollegen flirtet, besonders charmant sind.
Die Gespräche in Umays Elternhaus werden oft zweisprachig geführt, die Geschwister zum Beispiel reden Deutsch miteinander, die Eltern mit den Kindern Türkisch, oder ein und derselbe Dialog wechselt je nach Thema plötzlich die Sprache. Diese Art der Kommunikation kommt vermutlich der Realität in vielen deutschtürkischen Familien nahe und spiegelt auch den kulturellen Zwiespalt, der vor allem von den Kindern geschultert werden muss. Umays Verhalten bringt ihre Familie in Berlin ins Abseits, Eltern und Geschwister werden von ihrem konservativen türkischen Umfeld geschnitten.
Der Film appelliert vor allem an seine türkischen Zuschauer, den Konflikt zwischen Ehre und Emanzipation doch auch aus der Perspektive der jungen Frau zu betrachten und sie nicht zu verteufeln. Deshalb erscheint Aladags Ansatz wichtig. Aber ihr Erstlingswerk trägt Emotionen oftmals zu dick auf, zeichnet die Hauptfigur zu madonnenhaft rein und leistet sich bei einer Länge von 119 Minuten hin und wieder, auf wichtige Erklärungen des Gezeigten zu verzichten.
| FAZIT
Die Debütregisseurin Feo Aladag skizziert die Spirale der Gewalt in einer türkischen Familie in Berlin, die die eigene Tochter zur Todfeindin erklärt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung