In der Zukunft verschwört sich eine übermächtige Maschine zusammen mit den anderen elektronischen Geräten gegen die Menschheit und vernichtet sämtliches Leben auf der Erde. Um zu verhindert, dass die menschliche Existenz völlig ausgelöscht wird, erschafft ein Wissenschaftler eine Gruppe kleiner Sackpuppen. Seine letzte Kreation, Nummer 9, erwacht gleichzeitig, als der Schöpfer und somit letzte Mensch stirbt. Fortan muss der ahnungslose Kleine in einer apokalyptischen Welt um seine Existenz kämpfen. Als er Seinesgleichen in ihrem Versteck findet, wirft das neue Probleme auf, denn durch Unwissenheit und einer in seinem Leib verborgenen runden Kappe erweckt 9 ein schier unzerstörbares mechanisches Monster.
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| FILMKRITIK
2005 erregte Animationsregisseur Shane Acker mit dem elfminütigen Kurzfilm „9“ Aufsehen, was mit mehreren Auszeichnungen, darunter einer Oscar-Nominierung, gekrönt wurde. Der hierzulande auf dem Wiesbadener Trickfilm-Wochenende uraufgeführte 3D-Computertrick schildert in einer zerstörten Welt den Widerstand zweier lebender Stoffpuppen gegen ein roboterhaftes Ungetüm. Hier blieben die Hintergründe des Existenzkampfes von Nummer 9 und 5 noch der Zuschauerfantasie überlassen. Angesichts der optischen Brillanz und des Spannungspotentials war auch Tim Burton begeistert: „Dieser Kurzfilm gehört mit zu den ungewöhnlichsten zehn Minuten an Film, die wir bislang sahen.“ Gemeinsam mit „Wächter der Nacht/des Tages“-Regisseur Timur Bekmambetov produzierte er eine Langversion des dunklen Stoffes, die allerdings aufgrund ihrer apokalyptischen Thematik und der Anlehnung an den Trickstil von Jan Svankmajer oder den Quay-Brothers international wenig Aufmerksamkeit fand. Entsprechend beiläufig präsentiert der deutsche Verleih jetzt das ungewöhnliche Werk. das wie eine Mischung aus „Pinocchio“ und „Krieg der Welten“, wie die schwarze Version von „Wall-E“ wirkt.
Sicherlich kommen Story und besonders Figurenzeichnung nicht ohne Stereotypen aus. Da gibt es zunächst den wissbegierigen Neuankömmling 9 (im Original gesprochen von Elijah Wood), seinen einäugigen besten Kumpel 5 (John C. Reilly), die mutige Kämpferin 7 (Jennifer Connelly), der schräge Visionär 6 (Crispin Clover) sowie der feige Anführer 1 (Christopher Plummer). Zur Entwicklung ihres Charakters bleibt wenig Platz, da Shane Acker kaum Ruhepunkte und stattdessen auf pausenlose Actionsequenzen setzt. Permanent machen immer gigantischer mutierende elektronische Ungetüme Jagd auf die nun sprechenden Sackpuppen. Diese Verfolgungseinlagen sind allerdings mitreißend inszeniert und perfekt getimet, so dass sie mitsamt einiger Horrormomente das Ergebnis für kleine Zuschauer wenig geeignet erscheinen lassen. Angesichts der fatalistischen Atmosphäre bleibt ohnehin kaum Raum für Humor, für den höchstens die neugierigen Stoffzwillinge sorgen.
In der (Weiter-)Entwicklung der Computergrafik kann Acker aber durchaus überzeugen, wobei die Jutezwerge mit ihren großen mechanischen Augen und Reißverschlüssen realistischer wirken als die Menschen bei ihren seltenen Auftritten. Letztlich erwies sich die Wissenschaft als verantwortlich für die Katastrophe, da man im Technologiewahn gewissermaßen den Teufel aus der Box ließ und den ersten Schritt zur eigenen Zerstörung ging. Als Warnung vor dem Rüstungswahn plädiert die Science Fiction-Parabel mit spiritueller Botschaft für ein friedliches Gemeinschaftsleben. Somit spricht „9“ eher ein älteres Publikum an, das Trickfilm leider immer noch als reine Kinderunterhaltung betrachtet. Neben „Coraline“ und der bei uns nur auf DVD veröffentlichten Horror-Hommage „Igor“ belegt Shane Ackers Langfilmdebüt, dass eine eigenwillige Handschrift und düstere Stimmung für (CGI-)Animation nicht gerade verkaufsfördernd sind.
| FAZIT
Eine visionäre Fabel über den Überlebenskampf von Stoffpuppen, angesiedelt in einem so faszinierenden wie beängstigenden Universum.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung