Skurile Charaktere vor realistischer Kulisse. Coppola`s Meisterwerk lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Mit genialen Schauspielern und der siedenden Hitze Vietnams stellt er den Krieg als angsteinflößende Angelegenheit, mit unberuhigender Stille, dar.
Dass Apocalypse Now der Film mit den wohl meisten Film- und Anschlussfehlern ist, ist durch den nervenaufreibenden und endlos langen Dreh gerechtfertigt. Diese stehlen dem Film nicht den Eindruck, den er bei uns hinterlässt. Übrigens, wer es noch nicht wusste: Coppola kam auf die Idee, einen Kriegsfilm zu drehen, als ihm sein Kumpel George Lucas von der Story einer Kriegskomödie erzählte, zu der er und ein Kollege von Zoetrope ein drehbuch schreiben. Witzig: Besagtes Drehbuch wurde nie verfilmt und der Titel war "Apocalypse Now"...
Captain Willard (Martin Sheen) erhält die Order, den durchgedrehten Oberst Kurtz (Marlon Brando) zu suchen und zu eliminieren. Seine Suche wird zu einem gewaltigen Albtraum-Trip durch den Vietnamkrieg...
Francis Ford Coppolas gigantisch-düsteres Meisterwerk setzte neue Maßstäbe und ist ein grandioser Meilenstein des Antikriegsfilms. Er trifft in seiner niederschmetternden Machart bis ins Mark und führt einem die Sinnlosigkeit des (Vietnam)Krieges drastisch-depressiv vor Augen. 14monatige Aussenaufnahmen und Produktionskosten von rund 31 Millionen Dollar waren notwendig, um den opulenten Bilderrausch in Szene zu setzen, der mit brillanten Kamerafahrten, viel tiefschwarzem Humor und Zynismus aufwartet. George Hickenlooper drehte während der Dreharbeiten eine sehr gute Dokumentation mit dem Titel: HEARTS OF DARKNESS - A FILMMAKER'S APOCALYPSE. Joseph Conrads Romanvorlage wurde allerdings von einem US-Kabelsender als HEART OF DARKNESS wesentlich originalgetreuer umgesetzt.
Ein durch und durch eindrücklicher Vietnamfilm, den Francis Ford Coppola hier erschaffen hat. Die Geschichte ist keineswegs komplex. Darauf nimmt der Film auch nicht acht. Die Atmosphäre ist es, die den Film zu einem wahren Erlebnis werden lässt. Was für Bilder einem da eingebrannt werden, ist teilweise wirklich schockierend, aber faszinierend und spannend zugleich. Obwohl es ein Kriegsfilm ist, wird man so gut wie nie Zeuge einer Schiesserei im Jungle. Mehr spielt der Film mit der Psyche und vorallem mit den Bildern, die wirklich grandios sind. Man erfährt ungemein viel über den Vietnamkrieg. Wer zum Beispiel in dem Kriegsgebiet lebte und vorallem wie. Dann auch wie das in den Lagern so ablief, wie man die Soldaten bei Stange hielt und schaute, dass sie nicht völlig durchdrehten. Mal wird man auch Zeuge eines verrückt gewordenen Stützpunkt etc. Dieser Film gehört wirklich in die Sparte der Filme: Einmalig in seiner Atmosphäre! Ich habe die um 50 Minuten längere Redux-Fassung gesehen. Kann keinen Vergleich mit der normalen Version ziehen, da ich die nicht gesehen habe. Mir kamen einige Szenen bei der Redux-Version etwas zu lang vor. Vorallem gegen Ende nimmt der Spannungsbogen etwas ab, auch wenn es keineswegs schlecht geraten ist. Vermutlich liegt das ebenfalls an der drei stündigen Version, die ich gesehen habe.
Die Schauspieler können durchwegs überzeugen. Marlon Brando spielt gut, auch wenn er nur in ca. 1/6 des Filmes zu sehen ist. Mit seinem kahlgeschorenen Kopf, fast schon legendär. Die Rolle des Captain Willards, gespielt von Martin Sheen, hätte man nicht besser besetzen können. Auch wenn er eher den ruhigen Charakter spielt, hat er eine ausgezeichnete Gesichtsmimik und ist der perfekte Captain. Auch die restlichen Schauspieler der Bootscrew gefallen! Beispielsweise Laurence Fishburne in seinen jungen Jahren. Einen im Gedächtnis bleibenden Soundtrack hat der Film jedoch nicht...Braucht er aber auch in keinster Weise. Das hätte die Atmosphäre sowieso etwas mehr in den Hintergrund gestellt.
Einen Film über den Vietnamkrieg und vorallem über die Bedeutung und die Auswirkung des Vietnamkrieges, kann man kaum besser machen. In der heutigen Zeit, wäre aus diesem Film wohl eher eine Actiongranate geworden. Die Action bleibt einem aber nicht so lange im Gedächtnis, eine beklemmende und grandiose Atmosphäre jedoch schon. Und genau in dieser Beziehung ist der Film eine Wucht! Schade fällt die Spannung in den letzten 30 Minuten nach rund zweieinhalb Stunden Creme de la Creme ein wenig ab. Ansonsten aber DER Vietnam-Kriegsfilm!