Vor acht Jahren wurde Jan dafür verurteilt, gemeinsam mit einem Freund den Tod eines Kindes verantwortet zu haben. Nach seiner Entlassung erhält er eine Anstellung als Kirchenorganist in Oslo, wobei der junge Mann vorsichtshalber stets seinen zweiten Vornamen Thomas angibt. Allmählich freundet er sich mit der allein erziehenden Pastorin Anna an, die wie viele Gottesdienstbesucher von Jans Orgelspiel begeistert ist. Unter den Besuchern befindet sich allerdings auch Agnes, die Mutter des toten Kindes, die trotz Adoption zweier vietnamesischer Mädchen nie über den schweren Verlust hinweg kam. Als sie den vermeintlichen Täter erkennt, beginnt sie, ihm nachzustellen.
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| FILMKRITIK
Wo der norwegische Regisseur Erik Poppe mit seinem vorletzten, Oscar nominierten Werk „Hawaii, Oslo“ ein verzweigtes Ensemblestück bot, führt er bei „Troubled Water“ in die Innenperspektive zweier gegensätzlicher Charaktere. Schon die ersten Szenen des Breitwanddramas geben den Tonfall vor, wenn Poppe mit kurzen, schnellen Schnitten zwar ein hohes Tempo anschlägt, gleichzeitig aber durch eine die Protagonisten umkreisende Kamera und leichte Unschärfen eine elegische, fast verzweifelte Stimmung aufbaut. Immer wieder verbinden sich Bilder der Gegenwart mit kurzen Einschüben der Vergangenheit, um den Bewusstseinsstrom der Charaktere zu verdeutlichen, wobei zunächst nur Bruchstücke preis gegeben werden.
Hinter Gittern erweist sich Jan als talentierter Organist, dem es gelingt, die Anerkennung seines Vorgesetzten zu gewinnen und eine vorzeitige Entlassung zu erreichen. Doch diesen Umstand nehmen ihm seine Mitgefangenen reichlich übel, besonders sein des gleichen Verbrechens angeklagter Freund, weshalb dem schlaksigen jungen Mann als „Andenken“ die rechte Hand verletzt wird. Rückblenden enthüllen, dass die beiden kriminellen Jugendlichen auf Beutejagd unbeabsichtigt ein Kind entführten und den unliebsamen Zeugen los werden wollten. Ob Jan allerdings den blonden Isak im Fluss ertränkte, oder was mit dem Knaben tatsächlich geschah, bleibt lange ungeklärt.
Trotz seines Handicaps und anfänglicher Bedenken des Kirchenpersonals gegenüber dem Entlassenen gelingt es ihm, einen Job als Organist zu erhalten, wobei Jan zum Schutz seinen mittleren Vornamen Thomas annimmt. Dieser gehetzt wirkende „Thomas, der Zweifler“ führt mit der allein erziehenden Pastorin Anna manche Diskussion, ob aus etwas Bösem überhaupt Gutes entstehen kann, wobei die mitfühlende Priesterin längst nicht dessen ganze Vorgeschichte kennt. Jedoch kennt dies die Mutter des toten Kindes, die ihn auf der Empore erblickt und nun endlich Antworten über das wahre Schicksal ihres Kindes fordert. Entsetzt stellt Agnes fest, dass der vorbestrafte Jan mit einem weiteren blonden Jungen in Kontakt steht, dessen Leben sie in Gefahr wähnt. Trotz ihrer ständigen Gegenwart tritt die Mutter des toten Kindes zunächst nicht in Erscheinung, was daran liegt, dass Poppe im Mittelteil die Perspektive wechselt und das Geschehen rückblickend aus ihrem Blickwinkel erzählt. Wenn die von der überragenden, Dogma-erfahrenen Trine Dyrholm verkörperte Agnes erstmals Jans Orgelspiel lauscht und ihre Ergriffenheit allmählichem Entsetzen weicht, stellt das ein starker Moment in einem von großen Momenten reichen Psychodrama um Schuld, Sühne und Vergebung dar.
Beginnend mit der Anfangssequenz spielt Wasser als gefährliches Element eine wichtige Rolle. Simon & Garfunkels Hit „Bridge Over Troubled Water“ dient sowohl als internationaler Titel wie als Leitmotiv, das der Protagonist auf seinem Instrument eindrucksvoll interpretiert. Wie bei der Taufe kann Wasser Leben verleihen und reinigen, aber ebenso den Tod bringen. Etwas aufgesetzt wirkt es, wenn das dramatische Ende dann am Ausgangspunkt kulminiert, doch damit gelingt Erik Poppe immerhin ein spannendes Thrillerfinale, bei dem einmal mehr die nuancenreichen Darstellerleistungen mitreißen.
| FAZIT
Ein fesselndes moralisches Drama um die Schuld und Vergangenheitsbewältigung mit vielschichtigen Charakteren und präzise-intensiver Kameraarbeit.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung