FILM REVIEW | Die ewigen Momente der Maria Larsson
Die ewigen Momente der Maria Larsson
Drama
| Schweden 2008
| INHALTSANGABE
Als die schwedische Arbeiterfrau Maria Larsson zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei einer Lotterie eine Fotokamera gewinnt, will sie den Apparat zunächst an den Fotograf Sebastian Pedersen verkaufen. Stattdessen überredet sie der Ladeninhaber, das Gerät erst einmal probeweise für einige Aufnahmen zu nutzen. Bald entwickelt die talentierte Amateurin einen speziellen Blick auf ihre Umwelt, was ihrem Mann, dem Gelegenheitskommunisten und Hilfsarbeiter Sigfrid, sofort missfällt. Trotz eigener Affären will er das Hobby seiner attraktiven Frau sofort untersagen und wittert eine heimliche Beziehung zum ledigen Fotospezialisten Pedersen.
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| FILMKRITIK
In den Siebzigern zählte Jan Troell zusammen mit seinem Lehrmeister Bo Widerberg und Ingmar Bergmann zu den Aushängeschildern des schwedischen Kinos, wobei ihm erfolgreiche Sozialdramen wie „Die Emigranten“ sogar eine kurze Karriere im US-Kino ermöglichten. Daran knüpft sein Alterswerk inhaltlich an, eine einfühlsame Studie der Fotografin Maria Larsson nach einer Biografie seiner Frau Agneta, die mit der ältesten Tochter der Protagonistin verwandt war. Ohne die Mitwirkung deutscher Koproduzenten (Ute Schneider und Christof Groos, einst bei Wim Wenders „Road Movies“) wäre Troells schon 2008 gedrehtes Werk wohl nie in unsere Kinos gekommen.
Erneut zeigt sich der Altmeister am kargen Arbeitermilieu Anfang des vergangenen Jahrhunderts interessiert, wo die Bevölkerung zwischen mühsamer Jobsuche und Streikkonflikten oft nur seltene Glücksmomente fand. Diese verkörpern für die junge Mutter Maria Larsson eine bei der Lotterie gewonnene Fotokamera, mit der sie ihrer Umgebung manchen sinnlich-hintergründigen Schnappschuss entlockt. Schnell erkennt der freundliche Fotograf Sebastian Pedersen, genannt „Piff Paff Puff“ nach den damals verwendeten Magnesiumsblitzen beim Belichtungsvorgang, die Fähigkeiten seiner Kundin und ermutigt sie trotz fehlender Zahlungsmöglichkeiten, ihr dokumentarisches Talent weiter zu entwickeln. Über kurz oder lang bleiben Konflikte mit ihrem jähzornigen, aggressiven Mann nicht aus, der auf die finanzielle Einnahmemöglichkeit seiner Frau mit Misstrauen und bald unverhohlener Eifersucht reagiert.
Trotz des düsteren Hintergrunds um die Unterdrückung zaghafter Emanzipationsversuche und Alkohol geschwängerter häuslicher Zwiste erzählt Jan Troell sein präzise entwickeltes Drama nie ohne Humor und poetische Momente. Den nuancenreichen Darstellerleistungen und seiner Inszenierungskunst ist es zu verdanken, dass etwa Familienoberhaupt Sigrid, verkörpert von Mikael Perbrandt aus der „Kommissar Beck“-Serie, zwischen Ausschweifungen und Versagensängsten nicht zum eindimensionalen Schlägertyp verkommt. Ebenso widmet Troell den drei Kindern (von insgesamt sieben) und ihrer Entwicklung über Jahre hinweg eine breite Aufmerksamkeit, was zur Charakterisierung sämtlicher Figuren und ihrer Biografie beiträgt. Der in einem Arbeitervorort von Malmö aufgewachsene Filmemacher kennt das Milieu aus eigener Erfahrung, weshalb er oft nur kurze Andeutungen benötigt, um soziale Konflikte und Hintergründe wie die langsame Industrialisierung glaubwürdig anklingen zu lassen. Allerdings kommt in Deutschland nicht die originale 130 Minuten-Fassung, sondern nur die gekürzte internationale Version zum Einsatz. Doch angesichts der bedächtigen Erzählweise mag diese Konzentration auf wichtige Stationen des Werdegangs vielleicht sogar von Vorteil sein. Jedenfalls wirkt das Ergebnis nie sprunghaft und gehetzt, wie es bei manchen Bearbeitungen für den Weltmarkt der Fall ist.
| FAZIT
Meisterliche Epochenskizze um die künstlerische Karriere einer talentierten Hausfrau mit stimmiger Kameraarbeit und glaubwürdigen Darstellern.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung