Montag | 28. Mai 2012 | 09:06 Uhr
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  • FILM REVIEW | Vertraute Fremde
  • Vertraute Fremde

    Drama | Belgien / Deutschland / Frankreich / Luxemburg 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Der Comic-Autor Thomas lebt mit Frau und Kindern in Paris. Nach einem Termin in der Provinz steigt er in den falschen Zug und findet sich in einem Ort in den Alpen wieder – es ist das Dorf seiner Kindheit. Thomas geht zum Grab seiner Mutter, wo er einem Schmetterling nachschaut und sich plötzlich in den 14-jährigen Jungen verwandelt, der er war, bevor sein Vater die Familie für immer verließ. Teenager Thomas trifft seine Eltern, seine kleine Schwester und die Schulfreunde, aber er denkt und spricht als der Erwachsene, der er innerlich auch nach der Verwandlung geblieben ist. Thomas will unbedingt verhindern, dass sein Vater am Abend seines Geburtstags spurlos verschwindet.
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      • | FILMKRITIK

      • Regisseur Sam Garbarski hat den Manga „Quartier Lointain“ von Jiro Taniguchi zur Vorlage für diese verträumte Zeitreise in eine französische Kindheit in den sechziger Jahren genommen. Thomas landet wie von einer unsichtbaren Hand geführt in seinem Heimatdorf wieder, wo er in den Körper seines 14-jährigen Selbst schlüpft und die ahnungslosen Eltern mit seinem Erwachsenenwissen verwirrt. Thomas versucht, das Schicksal seiner Familie zu verändern und den Vater am Weggehen zu hindern.

        Wenn Thomas mit den Personen seiner Kindheit in Kontakt kommt und als einziger weiß, dass inzwischen Jahrzehnte vergangen sind, gibt es jede Menge komischer Dialoge. Als er sein Elternhaus betritt wie einst nach dem Schulbesuch und sich wundert, dass der Vater noch da ist, sind alle nachsichtig mit dem Jungen in der Pubertät. Anders als früher ist dieser Thomas sehr liebevoll zu seiner kleinen Schwester und zu seiner hübschen Mutter, was diese durchaus genießen. Alexandra Maria Lara spielt Anna, die Mutter, als naive, leicht melancholische Person, die ihre schlimme Zukunft nicht ahnt.

        Thomas sucht auch intensiv das Gespräch mit seinem Vater Bruno, versucht, die Eltern einander näherzubringen. Dabei lernt Thomas die Vorgeschichte seiner Familie kennen und das Geheimnis hinter der Tat des Vaters, die sein ganzes Leben überschattete. Zum poetisch verträumten Stil des Films passt es wunderbar, dass Thomas nicht so umwälzend in die Vergangenheit eingreifen kann, wie er das möchte, dass er also stets auch Zuschauer in dem Geschehen bleibt. Léo Legrand spielt den jungen Thomas in seiner Doppelidentität glaubwürdig, Pascal Greggory stellt seine erwachsene Ausgabe dar. Ein paar Veränderungen gelingen dem Jugendlichen in seiner Umgebung durchaus – etwa dass sein reiferes Auftreten die attraktive Mitschülerin Sylvie auf ihn aufmerksam macht. In seiner ersten Jugend war diese Sylvie für Thomas vollkommen unerreichbar.

        Garbarski kleidet die bittersüße Zeitreise, die schlafwandlerisch wirkt, in nostalgische Bilder der sechziger Jahre. Das malerische Bergdorf, die alten Autos, der Lateinlehrer, der im Klassenzimmer raucht – in dieser Vergangenheit findet Thomas viele Details, die er vergessen hatte, die seine Neugier aber stimulieren. Der Film setzt sich intelligent mit der Frage auseinander, was wäre, wenn man seine Kindheit tatsächlich wieder durchstreifen könnte, ausgestattet mit dem Wissen des Erwachsenen: Einen Supermenschen, einen Schicksalsveränderer macht die Zeitreise aus Thomas nicht, im Gegenteil, die magische Kraft gehört der Vergangenheit.
      • | FAZIT

      • Poetische, bittersüße Zeitreise eines Erwachsenen in seine Jugend, in die er verändernd eingreifen will.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

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