Ende des 19. Jahrhunderts trifft der naive Dorian Gray in London ein, um das Erbe seines reichen Großvaters anzutreten. Dort begegnet er dem einflussreichen Lord Wotton, der ihn sowohl in die High Society einführt als auch mit den verlockenden Schattenseiten der Großstadt bekannt macht. Schnell erkennt der attraktive junge Mann, dass sein Aussehen ihn sowohl für die weibliche wie männliche Gesellschaft begehrenswert erscheinen lässt. Als er dem Maler Basil Hallward Modell für ein Gemälde steht, weckt dieses perfekte Kunstwerk in ihm den Wunsch, dass nicht er selbst, sondern das Bild altern solle. Durch einen dämonischen Pakt wird Dorians Wunsch Wirklichkeit. Künftig kann sich der Lebemann bedenkenlos jeder Sünde hingeben. Da stattdessen sein Abbild ein zunehmend hässliches Antlitz erhält, verbannt Dorian es kurzerhand auf den Speicher. Um sein Geheimnis zu wahren, geht er skrupellos über Leichen. Menschliche Gefühle zählen für den emotionslosen Jüngling nicht mehr, was sich erst ändert, als er Lord Wottons selbstbewusste Tochter kennen und lieben lernt.
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| FILMKRITIK
Oskar Wildes Klassiker um einen jungen Dandy, der seine Seele für den Preis ewiger Schönheit verpfändet, verknüpft Motive von Selbstsucht, Egoismus und dem Narzismus der Menschen mit einer ironischen Gruselgeschichte. Im Zeitalter der Schönheitsoperationen, Castingwahn und Werbeästhetik erweist sich die Parabel über den Fluch des vordergründigen Scheins als aktueller denn je, weshalb eine Kino-Neufassung schon im Hinblick auf die Remake-Flut nicht ausbleiben konnte.
Doch einmal mehr wiederholt sich der Umstand, dass die Erstverfilmung eines Werkes der Weltliteratur selbst nach Jahrzehnten als die Gelungenste und Gültigste erscheint. Nach wie vor überzeugt Albert Lewins "Das Bildnis des Dorian Gray" von 1945 dank George Sanders auftrumpfender Leistung als Lord Wotton, der stilvollen Inszenierung und einer farbigen Endsequenz. Daran können sich weder die zahlreichen TV-Versionen noch Massimo Dallamanos Softsex-Variante mit Helmut Berger und erst Recht nicht Oliver Parkers aktuelle Adaption messen. Damit versucht der Ex-Schauspieler, zuletzt mit "St. Trinians"-Klamauk in England erfolgreich, offenbar an seine zwei besten Regiearbeiten anzuknüpfen, die spritzigen, prominent besetzten Oscar Wilde-Umsetzungen "Ernst sein ist alles" und "Ein perfekter Ehemann". Bei dieser Gelegenheit kehrt sein Team in die legendären Ealing-Studios zurück, wo britische Filmgeschichte geschrieben wurde.
Oscar Wildes bissige, Drehbuch gerechte Dialoge bestimmen nur den Beginn des Schauerdramas. Parker und sein Autor Toby Finlay folgen zwar dem tragischen Werdegang des nur anfangs naiven Beaus Dorian, der seine Seele für ewige Schönheit verpfändet, verwässern die tragische Schauermär aber mit plakativen Computereffekte, mit denen das Gemälde buchstäblich das Böse verströmt. Finlay streicht nun die unterschwellige homosexuelle Tendenz der Vorlage deutlicher heraus. Offenbar fand er es jedoch notwendig, eine zusätzliche Liebesgeschichte zu integrieren, damit der skrupellose Dorian sein rücksichtsloses Handeln bereuen und erstmals aufrichtige Gefühle beweisen darf.
So gerne man die charmante Rebecca Hall auf der Leinwand bewundert, wirkt sie als Lord Wottons selbst bewusste, emanzipierte Tochter wie aus einer anderen Zeit und einem anderen Stück entsprungen. Als sarkastischer Lebemann Lord Wotton zieht immerhin Colin Firth alle Register seines Könnens, was auf Dauer nicht über den blassen Titelstar Ben Barnes sowie eine Mischung aus vordergründigem Horror und verschämter Erotik hinweg trösten kann. Im Gegensatz zum vergleichbaren "Wolfman" halten sich die abgeschmackten Horroreinlagen insgesamt in Grenzen, aber das schleppende Tempo der zweiten Hälfe lässt die Schwächen nur umso deutlicher hervor treten.
| FAZIT
Stilvolle, aber plakative Moritat um den Preis ewiger Schönheit, die bei aller Freizügigkeit dem vertrauten Stoff kaum neue Aspekte abgewinnt
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung