Montag | 28. Mai 2012 | 19:09 Uhr
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  • FILM REVIEW | Zeit des Zorns
  • Zeit des Zorns

    Drama | Deutschland / Iran 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Nach seiner Gefängnisentlassung arbeitet Ali Alavi in einer Teheraner Fabrik, wobei er sich als Ex-Häftling mit der Nachschicht begnügen muss. Daher kann er nur wenig Zeit mit seiner Frau und der sechsjährigen Tochter verbringen. Von Zeit zu Zeit geht der Einzelgänger in abgelegenen Wäldern allein auf die Jagd. Von den schwellenden Aggressionen und Protesten in der iranischen Hauptstadt bleibt sein geregelter Tagesablauf jedoch nicht verschont. Als er eines Tages nach Hause kommt, sind Frau und Tochter verschwunden. Von den abweisenden Behörden erfährt Ali, dass seine Frau bei einer Demonstration erschossen wurde, und auch sein Kind wird später tot aufgefunden. Kurzerhand greift der wütende Vater zu seiner Waffe und richtet sie an einer Autobahn auf einen heran nahenden Polizeiwagen.
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      • | FILMKRITIK

      • Im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale zählte Rafi Pitts vierter Spielfilm „The Hunter“ zu den Kritikerfavoriten, aber ähnlich wie der deutsche Beitrag „Der Räuber“ erwies sich die ruhige, symbolhafte Erzählhaltung als zu distanziert-enigmatisch, um bei der Preisvergabe eine Rolle spielen zu können. Ohne die deutsche Cofinanzierung wäre die Produktion des düsteren Dramas vermutlich kaum zustande und der Film nicht so rasch nach Festivalende in unsere Kinos gekommen. Ob dies ebenfalls im Herstellungsland Iran geschehen wird, bleibt angesichts von Pitts sezierender Haltung zur dortigen Politik eher zweifelhaft. Nach eigenen Angaben war es allerdings Zufall (oder Voraussicht), dass in die Handlung eingeflochtene Zeitbeobachtungen wie Straßenkonflikte ebenfalls in der Realität eintraten.

        Schon ein Foto mit der aggressiven Revolutionsgarde auf Motorrädern während der Eingangscredits verweist auf die angespannte Situation im Land. Allerdings fließen die politischen Hintergründe eher beiläufig ein, wenn sie als Radiomeldungen/-ansprachen in die Handlung integriert werden und sie bitter-ironisch kommentieren. Dagegen erfährt man kaum etwas über die Vorgeschichte des vorbestraften Protagonisten, der sich mit einem Fabrik-Nachtwächterjob zufrieden geben muss und zu den Kollegen wenig Kontakt pflegt. Immerhin dient dem schweigsamen Einzelgänger die Familie als Halt und Stütze in einer unwirtlichen Welt aus Stahl und Beton. Als man sie ihm nimmt, fehlt Ali jeder Orientierungspunkt. Sein Zorn richtet sich gegen eine entmenschlichte Bürokratie und einen Polizeistaat, in dem der Einzelne dauerhaften Verdächtigungen, Bespitzelungen und Willkür ausgesetzt wird. Als einziger Weg erscheint der Griff zur Waffe, doch nach seiner mörderischen Tat reagiert Ali, als habe er längst mit dem Leben abgeschlossen.

        Schon in den ersten Minuten baut Pitts diese Entwicklung auf, wenn er den mürrisch blickenden Protagonisten mit Jagdgewehr in von Menschen entleerten Wäldern zeigt. Der Vorgängerfilm des Exilanten Pitts hieß „Zemestan – It’s Winter“, und hier wurden auch die ruhigen Jagdszenen angesiedelt. Bewusst wählte er die kalte Jahreszeit, um bunte Farben zu vermeiden. Die tote Landschaft wird zu Symbol für die Befindlichkeit einer ganzen Nation. Das schildert Pitts in langen starren Einstellungen, mit Zeitsprüngen, wenigen Dialogen, einer Laienbesetzung und seltener Hintergrundmusik, wobei die in drei Abschnitte zerfallende Geschichte allmählich eine untergründige Spannung entwickelt. Wenn das Finale jedoch absurden Humor einsetzt, verliert das Rachedrama etwas an Stringenz. Zudem wirkt Rafi Pitts, der am ersten Drehtag aufgrund eines unzuverlässigen Akteurs kurzerhand selbst den Titelpart übernahm, als Hauptdarsteller reichlich ausdruckslos, wobei seine stoische Mine dem distanzierten Stil durchaus zuträglich erscheint.
      • | FAZIT

      • Nüchternes Porträt eines sinnlosen Widerstands, der die Erwartungen an ein Rachedrama unterläuft und sich stärker auf die Schilderung der desolaten iranischen Gesellschaftssituation konzentriert.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (2 votes)

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