Montag | 28. Mai 2012 | 19:13 Uhr
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  • FILM REVIEW | Coco Chanel & Igor Stravinsky
  • Coco Chanel & Igor Stravinsky

    Drama, Biografie, Romanze | Frankreich 2009
  • | INHALTSANGABE

  • 1913 wird die Uraufführung von Igor Stravinskys modernem Ballett „Le Sacre du Printemps“ in Paris zum Desaster, bei dem der Komponist für seine radikale Musik ausgepfiffen wird. Zu den wenigen Menschen im Auditorium, die vom ungewöhnlichen Ansatz begeistert sind, gehört Modeschöpferin Coco Chanel. Sieben Jahre später lebt der mittellose Stravinsky mit seiner lungenkranken Frau und den Kindern in ärmlichen Verhältnissen. Die wohlhabende Designerin bietet dem Exilrussen an, in ihre luxuriöse Villa in Garche zu ziehen, wo er seiner Arbeit in Ruhe nachgehen kann. Während des Aufenthalts wächst die Anziehung zwischen den beiden eigenwilligen Künstlern, was sich zu einer leidenschaftlichen Affäre entwickelt.
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      • | FILMKRITIK

      • Im Grunde setzt Jan Kounens Chronologie der Affäre zwischen zwei bedeutenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts dort ein, wo Anne Fontaines „Coco Chanel“ aufhört - nämlich mit dem Tod von Boy Chapel, der ersten großen Liebe der Modeschöpferin. Um den verarmten, umstrittenen Komponisten Igor Stravinsky zu unterstützen, lädt Coco ihn mit seiner Familie in ihre Pariser Villa ein, wo sich eine heimliche Beziehung zwischen den exzentrischen Ikonen entspinnt. Die auf einer wahren Begebenheit basierende Liebesgeschichte verknüpft zwei entscheidende Momente im Leben der berühmten Protagonisten: Igor Stravinskys Überarbeitung seines Balletts „Le Sacre du Printemps“ und Coco Chanels Kreation von Chanel No. 5, dem ersten synthetischen Parfüm.

        Mit dem stilisierten Porträt in oft symmetrischen Bildkompositionen kommt Kounen dem wahren Charakter der mondänen, mitunter herrischen Designerin sicher näher als Fontaine, die im Vergleich das glättere, eingängigere Porträt schuf. Bei ihren Angestellten besteht die Leiterin des Chanel-Modeimperiums stets auf Disziplin und Gehorsam. Forderungen nach Lohnerhöhungen werden sofort abgeschmettert. Wie bei ihrer Mode, die Komfort und Eleganz kombiniert, kleidet sich Coco stets in Schwarz. Mit der brünetten Anna Mouglalis, hier einmal mehr in einer freizügigen Rolle besetzt, fand Kounen die ideale Darstellerin für die kettenrauchende, dominante Modezarin. Mads Mikkelsen als russischer Exilant erscheint dagegen stärker zurück haltend und beherrscht.

        Die verborgene Beziehung verändert kurzfristig ihr Verhalten: Seine Gattin spürt in Igors Musik mehr Leidenschaft, während Coco plötzlich weiße Farben bevorzugt. Über kurz oder lang können zwischen den unterschiedlichen Charakteren jedoch Konflikte nicht ausbleiben. Der Komponist wirft seiner unterkühlten Geliebten vor, keine Künstlerin, sondern eine Menschensammlerin zu sein. Von seiner kranken Frau Catherine, die stilschweigend das Gebaren ihrer Gönnerin erträgt, kommt der russische Klaviervirtuose letztlich doch nicht los, zumal sie ihn bei den Kompositionen unterstützt.

        Mit der dramatischen, revolutionären Premiere des legendären Balletts „Le Sacre du Printemps“ am Théatre des Champs-Elysées, in Szene gesetzt mit furios-schwebender Kamera und einem sich steigernden Schnitt, bietet Jan Kounen den dramaturgischen Höhepunkt schon in der Exposition. Dagegen drosselt das folgende Geschehen, bei dem die Ausstattung ganz wie die Protagonistin auf eine Verbindung von schwarzen und weißen Komponenten setzt, das Tempo weitgehend, bis das kammerspielartige Liebesdrama im letzten Akt zunehmend auf der Stelle tritt. Obwohl die erotische Amour Fou hier längst ihre Brisanz einbüßte, sollte man trotzdem auf die finale Sequenz nach dem surreal angelegten Nachspann warten.
      • | FAZIT

      • Stilvolle, etwas elegische Studie über das Wesen der Kunst und ihre Schöpfer.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

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