Montag | 28. Mai 2012 | 19:25 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Kick-Ass
  • Kick-Ass

    Action, Komödie | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Dave Lizewski steckt mitten in der Pubertät, und er hat kein Ventil, um seine Hormone zu bändigen. Also sucht er sich seinen Kick, indem er als maskierter Superheld Kick-Ass auftritt, wie im Comic, aber eben im richtigen Leben. Das bekommt er auch bald zu spüren, denn er wird bei seinen Einsätzen fürs Gute regelmäßig brutal zusammengeschlagen. Doch zugleich wird er als Held gefeiert: endlich einer, der gegen das Verbrechen aufsteht! Als er wieder mal in höchster Gefahr schwebt, von ein paar Junkies abgestochen zu werden, erhält er unverhofft Hilfe: Hit-Girl und Big Daddy greifen ein, tatsächliche Superhelden mit entsprechender Ausrüstung und der körperlichen Konstitution. Auch wenn Hit-Girl gerade mal elf Jahre alt ist. Die beiden haben es besonders auf den Drogenbaron Frank D’Amico abgesehen – und der kommt schnell auf den Trichter, dass Kick-Ass ihm gefährlich werden könnte. Und Hit-Girl. Und Big Daddy. Er will sie in eine Falle locken, und Kick-Ass tappt rein – obwohl er sein Superheldendasein schon wieder aufgeben wollte, weil er nun doch eine Freundin abbekommen hat…
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Sam Raimis erster „Spider-Man“-Film war im Grunde ein Coming-of-Age-Drama um Peter, der in der Pubertät steckt und damit klarkommen muss, dass sich sein Körper und sein Denken verändert – durch einen Spinnenbiss forciert auf ganz überdimensionale Weise. Dave Lizewski wurde nicht von einer Spinne gebissen, radioaktiv verseucht, von seinem Heimatplaneten vertrieben oder sonst was. Nein: Sein Superheldendasein entspringt einzig und allein aus Einsamkeit und Verzweiflung – aus dem, was jeder halbwüchsige Junge verspürt, der an sich selbst nur eine einzige Superkraft entdecken kann, nämlich für Mädchen unsichtbar zu sein.

        Genau darum geht es ihm, als er beschließt, zu Kick-Ass zu werden: er will sichtbar werden, will Freunde haben – Daves MySpace-Freunde liegen irgendwo im zweistelligen Bereich, das Profil von Kick-Ass bricht alle Rekorde. Freunde haben wollen: das ist der Urgrund seiner Superhelden-Versuche, die freilich allesamt scheitern, weil unter dem lächerlichen Neoprenanzug eben nach wie vor ein verunsicherter Teenager steckt.

        Einsam ist auch Chris D’Amico – denn sein Vater Frank ist reich, nee: er ist der Drogenboss von ganz New York. Der Sohn buhlt um seine Aufmerksamkeit, will auch mal ins Geschäft hineinschnuppern, der Papa aber regelt alles alleine. Auch Chris wird sich im Superheldenkostüm gut finden, freilich auf andere Art als Dave: Als Red Mist will Chris nämlich Dave/Kick-Ass in die Falle locken, dem Papa zeigen, was in ihm steckt.

        Vater-Kind-Beziehung ganz anders: Mindy wurde von ihrem Vater von klein an auf Superheldin getrimmt, ihr war nie eine Kindheit vergönnt – jetzt ist als Hit-Girl zusammen mit Big Daddy hinter Frank D’Amico her, er ist an der schlimmen Familiengeschichte schuld, das zeigt eine als wirklicher Comic gestaltete Rückblende. Big Daddy: Das ist Nicolas Cage, nach Werner Herzogs „Bad Lieutenant“ wieder in einer Glanzrolle – seit er hoch verschuldet ist und eine Menge Geld braucht, sucht er sich großartige Rollen aus, in denen er brilliert – was ein Paradox.

        Das sind die Eckpunkte in „Kick-Ass“, einer ungewöhnlichen Comicverfilmung: Der Comic entstand gleichzeitig mit dem Film, entwickelte sich dann in eine etwas andere Richtung als das Drehbuch… Autor der Vorlage ist Mark Millar, von dem zuvor etwa „Wanted“ stammte – verfilmt u.a. mit Angelina Jolie, darin wird James McAvoy in seine übernatürlichen Fähigkeiten eingeweiht – also auch eine Initiationsgeschichte, sehr brutal, sehr bleihaltig… „Kick-Ass“ ist an sich etwas bodenständiger, Übernatürliches gibt es nicht, es ist eben ein Teenagerfilm, ja: eine Teenagerkomödie. Ach ja, und außerdem: ultrabrutale Action, genau wie „Wanted“: da wird einer in der Mikrowelle gekocht, ein anderer in der Schrottpresse zerquetscht, das Finale ist eine unglaubliche Schießerei. Und noch einiges mehr.

        Der Adrenalinkick der Balleraction verbindet sich mit der Komik des Teenagerfilms, das eine verstärkt das andere: Vor allem Hit-Girl sticht heraus, die Elfjährige, die sich zum Geburtstag ein Hündchen und eine Ausziehpuppe wünscht – ach was, verarscht: sie will natürlich eigentlich ein 42er Butterfly-Messer. Kriegt sie! Ohne Hemmungen killt sie die Bösewichter, unter der Anleitung von Big Daddy, sie ist eine perfekte Killermaschine; für das Gute, versteht sich. Allein diese Umkehrung des Erwartbaren – das Killer-Mädchen, das eigentlich total süß aussieht und abends noch einen Kaba trinkt, mit ihrem Papa, der so spießig aussieht, ein schnappendes Lachen hat und im Kostüm zum gnadenlosen Rächer wird – macht den Film überaus reizvoll. Dazu die Nöte der Pubertierenden, der Oberschurke mit seiner Mafiagang, der sich mit Superhelden konfrontiert sieht – und die Metaebene, in der der Film exzessiv wühlt, die Comic-Anspielungen, die Filmzitate, die Selbstreflexionen des Möchtegern-Superhelden.

        Nicht zuletzt die Musik – eine Auswahl von Klassik über Pop bis zu Morricones „Für ein paar Dollars mehr“-Musik – macht den Film höchst unterhaltsam und lässt ihn frischer wirken als viele der „ernsthaften“ Superheldencomicverfilmungen, denen ja gewöhnlich ab dem zweiten, dritten Sequel die Puste ausgeht. Auch bei „Kick-Ass“ wird auf eine mögliche Fortsetzung hingedeutet – die hoffentlich ebenso überraschend, witzig und rasant werden wird.
      • | FAZIT

      • Der Film hält, was der Titel verspricht: it kicks ass!
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 9.2/10 (5 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN