Die Zwillinge Hanni und Nanni sind im Kaufhaus mit einem gestohlenen T-Shirt erwischt worden. Das hat ihnen heimlich Oktavia in die Tasche gesteckt, weil Hanni im Hockey besser war. Der Direktor der Privatschule legt den Eltern ans Herz, Hanni und Nanni anderswo hinzubringen, wo sie weniger sozialen Neid empfinden müssen auf Kinder reicher Eltern. Also beschließen die Eltern, die Zwillinge ins Internat Lindenhof zu bringen, wo schon die Mutter glückliche Schuljahre verbrachte.
Hanni und Nanni sind empört und wild entschlossen, das Internat so schnell wie möglich wieder zu verlassen. In der Schule, einem Schloss am Rande eines kleinen Städtchens, empfängt sie Frau Mägerlein, die Mathelehrerin und stellvertretende Direktorin, kühl. Doch im Zimmer, das sie mit anderen Mädchen teilen, gibt es sofort eine wilde Kissenschlacht. Und allmählich gewöhnen sich die Zwillinge ein, während sie ihrer Freundin Kathrin helfen, ihr Pferd in der Schule zu verstecken und nächtliche Abenteuer bestehen. Doch dann naht ein Hockeymatch gegen die JoCats, das Team aus der früheren Schule der Zwillinge. Hanni möchte nicht gegen die JoCats antreten, obwohl Lindenhof große Hoffnungen auf sie setzt.
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| FILMKRITIK
In den sechziger Jahren kamen Enid Blytons „Hanni und Nanni“-Geschichten auf den deutschen Buchmarkt, 50 Jahre später folgt nun der Kinofilm über die Zwillingsmädchen, die auf das Internat Lindenhof geschickt werden. Die deutsche Produktion unter der Regie von Christine Hartmann verwendet ein Drehbuch, das viel moderner wirkt als die Buchvorlage und die Abenteuer der Mädchen recht frei verändert oder gar neu erfindet. Trotzdem bleibt der Film der positiven Darstellung der Gemeinschaft im Internat treu und schildert, wie Hanni und Nanni eine charakterliche Bildung erfahren. Weil der Tonfall humorvoll ist, die Lehrerinnen lustige Macken haben und es den sympathischen Zwillingen vor lauter kleinen Abenteuern nicht langweilig wird, ist diese Verfilmung ganz gelungen.
Die zwölfjährigen Zwillinge Sophia und Jana Münster, die in ihrer ersten Filmrolle Hanni und Nanni spielen, haben zwar nicht „dunkelbraunes lockiges Haar“, wie es in der deutschen Buchvorlage heißt, sondern sie sind blond und haben jeweils ein neckisches Zöpfchen in ihr glattes Haar geflochten. Aber Sophia und Jana Münster machen sich dennoch außerordentlich gut in den Hauptrollen, denn sie sind charmant, mädchenhaft aber keine Gören, lebhaft aber nicht überdreht. Damit schaffen sie den Spagat, die Buchfiguren, die sich viel mit moralischen Problemen herumschlagen müssen um Ehrlichkeit, Mitgefühl, Verantwortung und Frustrationstoleranz einzuüben, in die Gegenwart zu bringen und ihnen ein natürliches, frisches Image zu verleihen.
Die Lehrerinnen treten manchmal arg tollpatschig auf, nur um die Buchvorlage aufzupeppen. Suzanne von Borsody spielt als Frau Mägerlein die strenge Buhtante der Schule, die Hanni und Nanni nicht besonders verständnisvoll behandelt. Sie eilt in einem schwarzen, frackähnlichen Mantel zum Sporttraining auf dem Rasen und relativiert ihre Strenge durch die Neigung, unvorteilhaft auszurutschen. Hannelore Elsner spielt die Direktorin, Frau Theobald, mit liebevoller Güte, wenn auch ein wenig zu weich, denn sie hat es nicht so mit den Finanzen. Lindenhof steckt im Film nämlich in den roten Zahlen. Geldsorgen gelten anscheinend als aktuell, denn Mitschülerin Kathrin droht nach dem Tod ihrer Eltern der Verlust des Pferdes: „Ihre Eltern waren nicht versichert“, sagt jemand. Schlimm, so etwas!
Katharina Thalbach als schrullige Französisch- und Musiklehrerin ist eine wirklich komische Person, der in der Szene mit Badewanne und Pferd auch die meisten Lacher gehören. Oliver Pocher sorgt für Abwechslung vom Internatsalltag, weil es hier auch noch kleine Handlungsstränge in der Außenwelt gibt – mit ihm als eingebildetem Kaufhaus-Wachmann und mit den Eltern der Zwillinge, die sich am Schluss aber zu stark als die Guten, Liebevollen und Hilfreichen in die Handlung drängen. Lindenhof selbst erinnert als stilvolles Schloss mit urigen Steinmauern und dem großem Speisesaal an Hogwarts aus den „Harry Potter“-Filmen.
Hier haben Hanni und Nanni mehr Differenzen als im Buch, und Nanni emanzipiert sich von ihrer tonangebenden Schwester, die immer gerne für beide entscheidet. Es ist zwar hübsch, wie sich Nanni heimlich an der Schule das Cellospielen beibringt, aber dass sie dabei gleich so stilsicher den Arm bewegt, wirkt übertrieben. Insgesamt aber dürfte das nette Internatsabenteuer, das ja streckenweise wie eine große Übernachtungsparty wirkt, sein junges Zielpublikum erreichen.
| FAZIT
Aufgefrischte und kurzweilige Internatsabenteuer von Hanni und Nanni mit natürlichen Hauptdarstellerinnen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung