FILM REVIEW | The Crazies - Fürchte deinen Nächsten
The Crazies - Fürchte deinen Nächsten
Thriller,
Horror
| USA 2010
| INHALTSANGABE
In der idyllischen Kleinstadt Ogden Marsh häufen sich seltsame Ereignisse: Mit einer Schrotflinte läuft ein bislang unbescholtener Bürger auf ein Baseballfeld und wird dort von Sheriff David Dutten in Notwehr erschossen. Danach löscht ein weiterer Farmer plötzlich seine ganze Familie aus. Dutten und seine schwangere Frau Judy sind ratlos, als solche Vorfälle überhand nehmen. Überall sorgen offenbar Infizierte, die "Crazies", für Terror und blutige Anschläge. Kurzerhand greift die Nationalgarde mit ebenso unerbittlicher Härte ein und verfrachtet sowohl kranke als auch unbescholtene Bürger in Internierungslager. Duttens Recherchen ergeben, dass ein in den Sümpfen abgestürztes Flugzeug im örtlichen Trinkwasser für die Vorgänge verantwortlich ist. In letzter Minute gelingt es ihm, mit seiner Frau Judy, Deputy Russel sowie Judys Mitarbeiterin Becca zu fliehen, verfolgt sowohl von Regierungsagenten, marodierenden Schlägern sowie den wahnsinnigen Infizierten.
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| FILMKRITIK
Momentan erscheint es fast, als würde Horror-Altmeister George A. Romero von seinen Schülern überholt. Während dessen letzten Zombie-Schlachtplatten bestenfalls durchschnittlich ausfielen, überzeugten sowohl Zack Snyder mit "Dawn of the Dead" als auch Breck Eisners "The Crazies", zwei Remakes, die durchaus eindringlich das soziale Unbehagen der Sechziger und Siebziger in die Gegenwart übertragen. Staat und Militär werden hier als natürliche Feinde des US-Bürgers dargestellt, die im Ernstfall nicht zu Hilfe eilen, sondern die Opfer gnadenlos jagen und in eine Art Konzentrationslager stecken. Im Ausnahmezustand sind amerikanische Bürgerrechte nichts mehr wert und der Einzelne der Willkür des Staates ausgesetzt. Die soziale Ordnung erweist sich als brüchig und nur oberflächlich intakt.
Im Grunde stellte Romeros Original nur eine Variante seines gefeierten „Night of the Living Dead“-Kultfilms dar, allerdings ohne das fantastische Element und die kunstvolle Schwarzweiß-Fotografie. „The Crazies“ gilt als eines der Paradebeispiele des US-Paranoia-Kinos der Siebziger, das trotz effektvoller Dramaturgie an seiner Low-Budget-Machart, der rohen Inszenierung, den hölzernen Darstellerleistungen (und bei uns zudem an einer schwachen Synchronisation) krankt. Natürlich wartet das Indie-Remake mit zwei halbwegs populären Stars (Rhada Mitchell. Timothy Olyphant) und einer weitaus professionelleren Handhabung der technischen Details wie Lichtsetzung, Produktionsdesign und Kameraführung auf.
Eisner und seine Autoren, darunter Scott Kosar, der schon das überzeugende „Texas Chainsaw Massacre“- und das weniger gelungene „Amityville Horror“-Remake verfasste, variieren die Flucht einer kleinen, verschworenen Gruppe vor dem mörderischen Virus namens „Trixie“ mit bewährten Standardsituationen wie eine losgelöste Knochensäge, die hier ein Eigenleben entwickelt wie sonst nur Gegenstände in Disney-Cartoons, oder die nur scheinbar menschenleere Tankstelle, welche bald ihre tückischen Überraschungen offenbart. Diese Odyssee der beiden Pärchen durch eine feindselige Umgebung erweist sich als wahres Minenfeld, was Eisner zwar ohne wirklich überraschende Wendungen, aber mit Gespür für Tempo und Spannungsaufbau in Szene setzt. Dabei hält er geschickt die Balance aus Horror- und Actioneinlagen, so dass die in düsteren Farben fotografierte Schreckensvision sich nicht zu einseitig auf Splattermomente verlässt. Gleichsam zeigt man sich bemüht, trotz aller Stereotypen die Charaktere mit glaubwürdigen Eigenschaften auszustatten.
Angesichts Eisners überproduziertem, lärmenden Hollywood-Flop „Sahara“ überrascht das Ergebnis doch positiv. Inzwischen wird der Autor und Regisseur, Sohn des Ex-Disney-Chefs Michael Eisner, als Hollywoods Topspezialist für Remakes gehandelt. Bleibt zu hoffen, dass seine künftigen Arbeiten diesen Anspruch einzulösen vermögen. „The Crazies“ stellt hierfür schon einmal eine viel versprechende Prämisse dar.
| FAZIT
Effektvolles, sozialkritisches Horror-Remake um einen mörderischen Virus – zwar kaum originell, aber packend umgesetzt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung