Nach der beinahe tödlichen Konfrontation mit ihren Feinden wird Hackerin Lisbeth Salander mit einer Kugel im Kopf in die Notaufnahme eingeliefert. Ebenso überlebt ihr Gegenspieler Zala schwer verletzt. Während Salander - trotzig im Punker-Outfit - wegen angeblichen Mordes und Körperverletzung vor Gericht steht, versucht Reporter Mikael Blomkvist die Verschwörung gegen sie aufzudecken, wobei er in ein Wespennest aus Korruption und Intrigen sticht. Denn die alten Kämpfer des schwedischen Geheimdienstes waren ebenfalls in Zalas krumme Geschäfte von Prostitution bis zum Schmuggel verwickelt und sind keineswegs daran interessiert, längst vergessen geglaubte Affären ans Licht kommen zu lassen. Zudem befindet sich der blonde, emotionslose Killer Ronald Niedermann weiterhin auf freiem Fuß, der eine Blutspur hinter sich her zieht.
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| FILMKRITIK
Der (vorläufige) Abschluss von Stieg Larssons „Millenium“-Trilogie (es existiert ein unvollendetes viertes Buch, das eventuell doch noch erscheint) setzt genau dort ein, wo „Verdammnis“ endet, weshalb man zum besseren Verständnis den Vorgänger kennen sollte. Wie beim zweiten Teil nahm TV-Routinier Daniel Alfredson auf dem Regiestuhl Platz, was bedeutet, dass man einen zwar durchaus fesselnden, aber konventionellen Thriller geboten bekommt, der erneut nicht an die Stärken des packenden ersten Teils „Verblendung“ anknüpfen kann und will.
Es liegt wohl mehr am ausufernden Plot der 800-Seiten-Vorlage mit unzähligen Nebensträngen, dass sich der Politthriller in seinen miteinander verwobenen Erzählsträngen und zahlreichen Nebencharakteren, die teilweise in den Vorgängerbänden eingeführt wurden, etwas verzettelt und unübersichtlich wirkt. Zu den Schwächen der (gekürzten) Kinofassung gehört es, dass manche Nebencharaktere schlicht vergessen werden, wie der Zeuge Gunnar Björk, von dessen Ermordung man in einem Nebensatz erfährt, oder Lisbeths lesbische, verwundete Freundin Vivian Wu. Vielleicht begegnet man ihnen in der längeren TV-Fassung wieder, denn von jeder Kinoadaption existiert zusätzlich eine zweiteilige, je 90-minüigte Fernsehversion, die bei uns voraussichtlich nächstes Jahr ausgestrahlt wird.
Man kennt das Erzählprinzip aus den ersten Teilen: Hackerin Lisbeth Salander und Starjournalist Mikael Blomkvist ermitteln beide parallel gegen ihre Widersacher, wobei sie (hier notgedrungen) erst gegen Ende erneut aufeinander treffen. Direkt und indirekt unterstützen sie sich jedoch bei den Nachforschungen und setzen geheime Mails sowie verborgene Dateien als Waffe ein, was die unterschwellige Spannung zwischen beiden Protagonisten aufrecht erhält, so dass stets offen bleibt, ob das Duo doch noch ein Paar werden kann. Selbst wenn Autor Larsson inhaltliche Schwächen offenbart, muss man doch zur Kenntnis nehmen, dass jeder seiner sozialkritischen Krimis einem anderen Sujet folgt: „Verblendung“ dreht sich um eine Serienkillerjagd, „Verdammnis“ um den Kampf gegen organisierte Kriminalität mit mafiaähnlichen Strukturen, während „Vergebung“ einen Justiz- und Verschwörungsthriller liefert.
Kritisiert wurde besonders die Figur des blonden, Schmerz unempfindlichen Killers Ronald Niedermann - natürlich ein deutscher Ex-Boxer, eine Figur wie aus einem James Bond-Reißer, der allerdings in dieser Form schon in der Romanvorlage angelegt ist, wo er dank einer ausführlicheren Charakterisierung nicht ganz so eindimensional erscheint. Aufgrund der etwas atemlosen Umsetzung bleiben soziale Hintergründe zur schwedischen Politik, besonders die Verfehlungen der Siebziger, stark an der Oberfläche, und ausländische Zuschauer müssen sich hier erst einmal zurecht finden. Ansonsten gilt ähnliches wie beim Vorgänger: Eher orientiert sich die Inszenierung am TV-Standard, so dass der Wunsch nach echten Kinothriller-Flair nur halbwegs erfüllt wird. Wer eine ausgeprägtere Figurenzeichnung wünscht, muss entweder auf die TV-Fassung warten oder gleich zur Romanvorlage greifen.
| FAZIT
Solider, sozialkritischer Politkrimi mit gelegentlichen Schwächen in der Erzählstruktur.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung