Mitte der Siebziger wütet zwischen der katholischen IRA und der protestantischen, England treuen UVF (Ulster Volunteer Force) der Bürgerkrieg in Nordirland, der den Alltag jedes Bürgers bestimmt. Mit seinen Freunden will sich der 16-jährige Alistair Little der UVF anschließen. Um sich zu bewähren, nimmt er den Auftrag an, den katholischen Aussteiger James Griffin als Warnung zu erschießen. Als der Jugendliche mit seiner Bande den kaltblütigen Mord ausführt, beobachtet ihn James jüngeren Bruder Joe, der auf der Straße vor dem Haus spielt. Kurz nach der Tat wird Alistair verhaftet und zu einer 12-jährigen Haftstrafe verurteilt.
Dreißig Jahre später soll Ex-Aktivist Alistair (Liam Neeson) dem labilen Joe (James Nesbitt) für eine TV-Auszeichnung in einem irischen Schloss begegnen, bei der sich im Zuge des brüchigen irischen Friedensprozesses Täter und Opfer von Gewalttaten vor der Kamera versöhnen sollen. Doch Joe kann die einstige Tat nicht vergessen und sinnt nun auf Rache am Mörder seines Bruders.
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| FILMKRITIK
Nach seinem verunglückten Hollywood-Debüt “Invasion” kehrt Oliver Hirschbiegel mit einem Zwei-Personen-Duell zu seinen Anfängen als Spezialist von Kammerspielen und Psychodramen zurück. Sowohl „Das Urteil“, „Mein letzter Film“ „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ als auch seine Erfolge „Das Experiment“ und „Der Untergang“ konzentrieren sich auf wenige, abgegrenzte Schauplätze, in denen sich die Protagonisten eigenen sowie fremden Lebensentwürfen stellen müssen und mit existenziellen, mitunter lebensbedrohlichen Fragen konfrontiert werden. „Invasion“ sollte gleichfalls ein intimeres Projekt werden, was den US-Produzenten allerdings nicht zusagte.
Auf den ersten Blick mag das Politdrama rund um zwei wahrhaftige Schicksale des Nordirlandkonflikts als ungewöhnliche Wahl für einen deutschen Regisseur erscheinen, aber als psychologische Studie von gezeichneten Gegnern passt das sezierende Stück durchaus in Hischbiegels Gesamtwerk. Dabei liefert er eine dichte Studie über den schmerzhaften Prozess der Vergangenheitsbewältigung, die aber die Intensität des fesselnden Prologs nicht ganz aufrecht erhalten kann. Durchaus glaubwürdig legt das erste Viertel die unüberwindbaren Gräben zwischen den verfeindeten Parteien dar, ihren bedingungslosen Fanatismus und den Glauben, durch ein Attentat innerhalb der eigenen Gruppierung zu Ansehen zu gelangen.
Der Einstieg um den völlig sinnlosen Mord am Katholiken James Little, der auf Tatsachen basiert, arbeitet glaubwürdig die fatale, kompromisslose Stimmung im Nordirland der Siebzigern heraus. Vielleicht liegt es an der fiktiven weiteren Handlung, dass in Folge nie ganz der Beigeschmack einer konstruierten Versuchsanordnung verloren geht. Denn in der Realität begegneten sich die beiden verfeindeten Charaktere Alistair Little und Joe Griffin nie. In der Kinoaufarbeitung sollen beide während der TV-Konfrontation „Wahrheit und Aussöhnung“ aufeinander treffen – der vorbestrafte Mörder, der den lange zurück liegenden Mord verarbeiten will, und der traumatisierte Bruder seines Opfers, der die lange zurück liegende Tat nicht vergessen kann und auf Sühne sinnt.
Es ist wohl Zufall, dass Liam Neeson innerhalb kurzer Zeit in zwei Rachdramen bei uns zu sehen ist, denn beide Werke, die Koch Media jetzt startet, sind nicht mehr ganz neu. Im Gegensatz zu „Der Andere“ besitzt „Five Minutes of Heaven“, womit die Zeit der privaten Vergeltung gemeint ist, die eindringlichere Thematik, während die Bernhard Schlink-Adaption immerhin mit Kino wirksamen Bildern aufwarten kann. Optisch wirkt „Five Minutes“ eher wie ein (anspruchsvolles) Fernsehspiel, wobei die BBC in der Tat das Werk mitfinanzierte. Jenseits bemühter dramaturgischer Kniffe bekommt man jedoch ein durchaus intensives Psychodrama über Schuld und Vergebung, Rache und dem Umgang mit Gewalt geboten, das den versierten Darstellern genug Raum lässt, ihre verbitterten, aber nicht hoffnungslosen Charaktere mit Leben zu erfüllen.
| FAZIT
Überzeugend gespieltes, mitunter konstruiertes Drama über Schuld und Sühne im Irlandkonflikt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung