Howard Robard Hughes (1905-1976) war Erfinder, Flugpionier und Filmproduzent. Auf der einen Seite ein Genie und Frauenheld. Auf der anderen Seite ein von Zwangsneurosen heimgesuchter und größenwahnsinniger Exzentriker. Er konstruierte das schnellste Flugzeug seiner Zeit und das größte. Er machte die Fluggesellschaft TWA groß. Er produzierte einige der bekanntesten Filme der Vorkriegszeit, wie etwa „Hell´s Angels“ (1930) oder „Scarface“ (1932). Mit Katharine Hepburn und Ava Gardner verbanden ihn lange Beziehungen. Zu seinen zahlreichen Affären gehörten unter anderem Bette Davis, Ginger Rogers und Rita Hayworth. Howard Hughes war durchaus das, was man eine schillernde Persönlichkeit nennen kann. Und ihm wurde nun mit „The Aviator“ ein eigener Film gewidmet.
Erzählt werden Auszüge aus seinem Leben zwischen 1930 und 1947. Wir lernen ihn kennen bei den Dreharbeiten zu „Hell´s Angels“ und verlassen ihn beim Probeflug seiner „Hercules“. Dazwischen stehen einige seiner Erfindungen, seiner Frauen, seiner Höhenflüge und Abstürze. Besonders hervorgehoben wird im zweiten Teil des Films sein Kampf gegen die Monopolstellung des Riesen PanAm. Und sein Kampf gegen sich selbst – seine Zwangsneurosen, in die er sich immer weiter verstrickt, bis er aus dem eigens geschaffenen geistigen Labyrinth nicht mehr herauszufinden droht.
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| FILMKRITIK
Mit jungenhaftem Charme und schlackerndem Anzug brüllt er Regieanweisungen. Ehrgeizig und besessen stürzt er sich in die Arbeit an „Hell´s Angels“. Mit 26 Kameras dreht er, wartet monatelang auf die richtigen Wolken – solche, die wie riesige Brüste aussehen – und kaum ist der Film fertig, wird er noch einmal gedreht. Diesmal mit Ton.
Mit demselben Ehrgeiz und Größenwahn, mit dem er Filme produziert, die Rekordsummen verschlingen oder die Zensurbehörden auf den Plan rufen, wirft sich Howard Hughes in die Konzeption von Flugzeugen. Größer, schneller, höher, weiter. Kaum hat er ein Etappenziel erreicht, sichtet er schon ein Neues. Eines, das es sich erst recht lohnt zu erreichen.
Howard Robard Hughes wurde am 24. Dezember 1905 in Houston geboren und das – wie der Film uns erzählt – als Kind einer übervorsichtigen Mutter, die große Angst davor hatte, er könne sich eine ansteckende Krankheit holen. Solcherart vorgeprägt verschlimmern sich seine Zwangsneurosen stetig, was letzten Endes auch sein Scheitern verursachen wird. Im Film verlassen wir ihn im Jahr 1947. Aus seiner Biographie wissen wir, dass er seit 1954 völlig zurückgezogen lebte, bis er 1976 starb – in einem Flugzeug.
Biopics haben es an sich, dass man in den meisten Fällen schon einige wichtige Eckdaten, etwa Geburts- und Todestag der Person, deren Leben verfilmt wird, kennt. Die Geschichte ist also schon vorgegeben und folgt keinem fiktiven Muster. Vielmehr besteht die Kunst nun darin, das gelebte Leben so darzustellen, dass der Zuschauer am Ende wirklich glaubt, die Person gekannt und deren Leben in einer Wiederholung miterlebt zu haben.
Im Falle von Howard Hughes ist ein Biopic ein schwieriges und besonders interessantes Unterfangen. Denn sein Leben war nicht nur spektakulär, scheinbar besaß er auch einen ausgesprochen komplizierten Charakter und eine zerbrechliche Psyche. Alles was er in Angriff nahm war nur ein Schritt in Richtung eines noch höheren Ziels. Obsessiv folgte er einem unendlichen Weg, den er niemals hätte zuende führen können.
Mit leidenschaftlichem Ehrgeiz und Pedanterie versucht er immer, Perfektes zu erschaffen. Perfekte Filme, perfekte Flugzeuge und sogar perfekte Publicity. Solange ihm alles makellos erscheint, ist er auf der Höhe seiner Möglichkeiten. Doch immer gibt es den Dreck der Welt, der diese Makellosigkeit zerstören will. Seien es Reporter mit ihren Kameras, die Insekten gleich auf ihn zuströmen oder korrupte Politiker, die gnadenlos gegen ihn und seine Firma TWA antreten.
Der Weg den er geht ist einsam, denn nur er hat Zugang zu seiner Welt. Die, die versuchen zu ihm zu dringen, müssen unweigerlich daran scheitern. Dabei gehören seelische Qualen und gesellschaftlicher Erfolg in gewisser Weise zusammen. Man ist versucht zu behaupten, ohne seine Zwangsneurosen und seinen Größenwahn, sei er kaum in der Lage gewesen, derartiges zu leisten.
Sein Leben war eine stetige Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn. Immer steht die Frage im Raum, ob er noch einmal aus dem Labyrinth seiner Neurosen herausfinden oder für immer darin gefangen bleiben wird. Hin und wieder triumphiert Hughes noch über sich selbst, doch es sind kurze Siege. Es gelingt ihm immer weniger, die gewünschte Makellosigkeit aufrecht zu erhalten.
„The Aviator“ ist genaugenommen in drei Teile untergliedert. Geburt, Wiedergeburt, Tod. Zunächst lernen wir ihn kennen. Seine Leidenschaften und seine ersten Erfolge. Doch einem rasanten Aufstieg folgt der rasante Fall. Mit einem seiner Flugzeuge stürzt er ab und schnell ist nicht nur sein Körper zertrümmert, sondern auch sein Leben.
Dieses Leben wird allerdings nicht seziert. Im Film werden viele Dinge ausgelassen. Am Ende wird „Der Weg in die Zukunft“ zur Sackgasse in die eigene Persönlichkeit. Wie sein endgültiges Scheitern aussieht wird allerdings nur angedeutet – nicht gezeigt. Hier steht nur das Verbergen vor der Öffentlichkeit – im Film vor den Reportern, und damit eigentlich auch vor den Zuschauern.
„The Aviator“ ist die Geschichte von David, der gegen Goliath kämpft. Ein einzelner Mann tritt gegen ein System an, gegen das er eigentlich verlieren müsste, doch er gewinnt mit Leidenschaft und wehenden Fahnen. Interessant ist eine solche Geschichte tatsächlich erst dann, wenn am Ende doch noch die Möglichkeit des absoluten Scheiterns steht.
Sehr genau begleiten die Farben den Werdegang und zunehmenden Verfall Howard Hughes. Sind es zunächst klare und frische blau-silberne Farbtöne, die der Atmosphäre um Hughes etwas steriles und sauberes geben, werden sie zunehmend durchsetzt mit kränklichen Gelbtönen. Ebenso wichtig die Rolle der Musik. Die Stimmung der Zeiten wird durch entsprechende Musik idealisiert. Immer ist sie in gewisser Weise spektakulär und mitreißend – ebenso wie die Bilder.
Beeindruckend sind die schauspielerischen Leistungen, die sich im Film bieten. Allen voran Leonardo DiCaprio und Cate Blanchett als Howard Hughes und Katharine Hepburn. Leonardo DiCaprio, der gleichzeitig jung und alt auszusehen vermag gelingt es hervorragend, das hier präsentierte Gefühlschaos einer großen Persönlichkeit glaubhaft zu machen.
Cate Blanchett genügt es vollkommen die Image-gerechten Stilmerkmale Katharine Hepburns zu übernehmen, um sich tatsächlich in sie zu verwandeln. Dabei ist physiognomische Ähnlichkeit nicht mehr wichtig. Zu sehen ist eine Katharine Hepburn, wie man sie aus den Medien in Erinnerung behalten hat, nicht unbedingt die, die sie in Wirklichkeit war.
Der Film ist mehr als nur ein Biopic. Er ist Epos und Tragödie. Opulent und bildgewaltig kommt er daher, mit beeindruckenden Effekten, einem wahren Aufmarsch an Stars und einem Quentchen Gesellschaftskritik. Man kann behaupten, hier feiert Hollywood sich und seine Träume – allerdings mit einem Augenzwinkern. Und es sieht so aus, als wolle Martin Scorsese damit eindeutig beweisen, dass er liefern kann, was Hollywood von ihm haben will. Vielleicht wird er ja mit einem Oscar dafür belohnt.
| FAZIT
Ein bildgewaltiges Epos über eine faszinierende Persönlichkeit, wie nur der amerikanische Traum sie hervorbringen kann
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung