FILM REVIEW | Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt!
Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt!
Familie,
Komödie
| USA 2010
| INHALTSANGABE
Greg Heffley kommt auf die amerikanische Middle School, also ist er fortan kein Kind mehr und verabredet sich nicht mehr zum Spielen, sondern zum Abhängen. Schade nur, dass sein einziger Freund Rowley diese feinen sprachlichen Unterschiede nicht beherrscht und Greg vor den Mitschülern lächerlich macht. Greg versucht alles Mögliche, um auf der Beliebtheitsskala nach oben zu kommen, aber weder beim Wrestling noch als Schulweghelfer erzielt er positive Ergebnisse.
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| FILMKRITIK
Der Film basiert auf Jeff Kinneys gleichnamigem Cartoon-Roman über die Nöte eines Heranwachsenden, der dank seines bissigen Humors weltweit zum Bestseller wurde. Die Jugendkomödie von Regisseur Thor Freudenthal aber verknetet den frechen Witz des Buchs zu einer augenzwinkernden, pädagogisch unbedenklichen Handlung, in der der junge Ich-Erzähler auf den Pfad der Tugend finden muss und seinen Freund nicht länger verachten darf.
Vielleicht ist Jeff Kinneys Buch einfach nicht für einen Realfilm geeignet: Zum einen ist der Antiheld Greg Heffley gerade auf die Middle School gekommen, die Schüler im Alter von elf bis 14 Jahren vereint. Wenn man aber die Comiczeichnungen, die den Text reichlich garnieren, auf sich wirken lässt, stellt man sich den schlaksigen Jungen und die Idioten, von denen er sich in der Schule umzingelt sieht, dem Jugendalter schon etwas näher vor. Zum anderen ist Gregs Sprache sehr ironisch, versteht es ausgezeichnet, die Fettnäpfchen, die im Alltag eines aufstrebenden jungen Menschen herumlauern, nüchtern und in ihrer ganzen Situationskomik zu benennen.
Im Realfilm aber, zumindest in diesem, gelingt dieser demaskierende Monolog des Jugendlichen nicht: Zum einen ist der Hauptdarsteller Zachary Gordon erstaunlich klein und wirkt nicht so schlaksig wie das leicht gekrümmte Strichmännchen Greg im Buch. Diesem Filmcomedian in Miniatur, so nett er auch aussieht, nimmt man das Streben nach Coolsein und die generelle Unzufriedenheit Gregs nicht ab. Zum anderen spricht er gut gelaunt direkt die Zuschauer an, und das in einer augenzwinkernden Art, die besagt: Unter uns, wir wissen doch, wie der Hase läuft... Selbstzweifel und peinliche Berührtheit gehen ihm völlig ab.
Regisseur Thor Freudenthal streut zwar einige sehr hübsche Animationen in die Handlung ein, die einzelne Zeichnungen nach Art des Buches auf die Leinwand kritzeln und sie in Bewegung setzen. Diese Beigaben sind die weitaus lustigsten Momente des Films. Denn die Zeichnungen sind auch Karikaturen, die die Personen zugespitzt doof aussehen lassen. Gregs Freund Rowley zum Beispiel hat in Kinneys Cartoons dauernd seinen großen Mund offen. Im Realfilm ist Rowley natürlich weniger auffällig geraten.
Der bissige Witz der Cartoongeschichten, etwa, wenn Rowleys Vater die Videospiele der beiden Jungen auf ihren Gewaltfaktor untersucht und damit aus der Sicht Gregs die Misere der unfreien Jugend wie auch die lächerliche Einfalt des Erwachsenen offenbart, ist im Film auf pädagogische Korrektheit hin geglättet. Diese Szene kommt gar nicht erst vor und die ausgewählten Anekdoten, wie der Cartoonwettbewerb oder das Abenteuer als Schulweghelfer, werden verändert. So kommen die Erwachsenen niemals ins Zwielicht, eignen sich folglich aber auch nicht als komische Figuren, und Greg macht den typischen Reifeprozess eines fehlgeleiteten Filmmenschen durch, der erkennen muss, wie unfein er sich benommen hat. Tröstlich bleibt immerhin, dass dieser Film die hübsche Geschichte in Papierform nicht aus der Welt schafft.
| FAZIT
Die entlarvend komischen, scharfsichtigen Erkenntnisse eines Heranwachsenden aus der Feder Jeff Kinneys gehen im gleichnamigen Realfilm unter.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung