Zusammen mit Kollegen arbeitet der Arzt Max (Olivier Gourmet) in einer Klinik in den Hochanden. Als sie seltsame Todesfälle innerhalb der Bevölkerung untersuchen wollen, wird Max durch aufgebrachte Einheimische nach einem weiteren Unglück getötet. Darauf hin beschließt dessen Frau, die desillusionierte Kriegsfotografin Grace (Jasmin Tabatabai), an seine Wirkungsstätte im Dorf Turubamba zu reisen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Gleichzeitig leidet die junge Saturnina (Magaly Solier) unter dem Tod ihres Verlobten Ignacio kurz der geplanten Hochzeit. Offenbar sind Minenarbeiten für das Erblinden mit Todesfolge verantwortlich, doch die abergläubische Dorfgemeinschaft glaubt eher an schicksalhafte Ereignisse.
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| FILMKRITIK
Mit einer missglückten Hochzeitszeremonie in einem peruanischen Dorf, bei der eine Madonnenstatur zerbricht, beginnt der zweite Spielfilm des Regieduos Jessica Woodworth und Peter Brosens („Khadak“), was nicht nur zum Abbruch der Feierlichkeiten führt. Zuerst sieht die streng gläubige Bevölkerung darin den Auslöser für zahlreiche Erkrankungen mit Todesfolge, doch gleichzeitig entdecken spielende Kinder eine silbern glitzernde Pfütze als Vorbote unheilvoller Ereignisse. Pausenlos donnern Lastwagen über die staubigen Bergstraßen als bedrohlicher Zivilisationseinbruch ins archaische Refugium der Peruaner. Später stellt sich heraus, dass Minensprengungen für die Freisetzung von Quecksilber verantwortlich waren. Die atemberaubenden Naturschönheit birgt unsichtbare Gefahren, deren Ursachen für die Dorfbewohner unbegreiflich sind und denen sie ohnmächtig gegenüber stehen.
Zwischen Ausbeutung von Bodenschätzen, kultureller Differenzen und der Spiegelung weiblicher Traumata birgt die Handlung durchaus einige Brisanz, die sich im Mittelteil allmählich heraus schält. Hier stellen Woodworth und Brosens ihre beiden leidenden Protagonistinnen gegenüber, die auf ähnliche Schicksalsschläge mit unterschiedlichen Mitteln reagieren und Verantwortung beweisen. Kameramann Francisco Gózon hält es in wunderbaren, lyrischen Bildkompositionen fest, die durch Farben und Formen sowie einem meditativen, tradionell geprägten Score eine entrückte Stimmung erzeugen.
Allerdings wird nach all den poetischen Impressionen bald deutlich, dass die Handlungsfäden des verschlungenen Plots letztlich ins Nichts laufen und die Autoren an keiner entgültigen Resolution interessiert sind. Gerade in den letzten Momenten will die spirituelle Geschichte kein Ende nehmen, so dass der Betrachter den stilisieren Einstellungen irgendwann reserviert gegenüber steht.
Ein Wort noch zur Synchronisation: Abgesehen davon, dass Woodworth & Brosens stärker auf die Kraft der Bilder setzen, sollte man multilinguale Filme eigentlich gar nicht synchronisieren, doch da hier Fernsehgelder involviert sind, benötigte man wohl eine sendefähige Fassung. Jetzt redet die Bevölkerung teilweise deutsch, teilweise in untertitelter Originalsprache. Ein klares Konzept ist nicht erkennbar. Daher kann am Ende sogar die Belgierin die entdeckte Videobotschaft der Peruanerin auf der Kamera ihres Mannes problemlos verstehen: Man spricht deutsch, auch global.
| FAZIT
Bildgewaltige, zu symbolhaft-überladene Parabel über Lateinamerikas Ausbeutung und die Verantwortung Einzelner.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung