Montag | 28. Mai 2012 | 13:19 Uhr
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  • FILM REVIEW | Prall im Leben
  • Prall im Leben

    Drama, Komödie | Spanien 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Abel bietet Gruppentherapien für dicke Menschen an, die hier über die Gründe ihres Übergewichts diskutieren und somit zu einem besseren Körperverhältnis geführt werden sollen. Doch der unbequeme Therapeut stellt seinen Kunden manche extreme Aufgabe, wie das Entkleiden in der ersten Sitzung, der nicht jeder Teilnehmer zu folgen bereit ist. Selbst hat Abel mit eigenen Phobien zu kämpfen, als er sich vor seiner schwangeren Freundin Paula aufgrund ihres veränderten Aussehens abgestoßen fühlt.

    In der aktuellen Gruppe befindet sich zudem Enrique, ein populärer Moderator, der einst für Diätpillen warb und seine Homosexualität verheimlicht, indem er nun mit der Frau seines einstigen Partners zusammen lebt. Bevor ihr Freund aus Amerika zurück kehrt, will die attraktive Geschäftsfrau Leonor ihre überflüssigen Pfunde verlieren. Im Gegensatz dazu sorgen sich Familienvater Andrés und seine Frau keineswegs um ihre Essgewohnheiten. Währenddessen bekriegen sich ihre Kinder ständig, wobei bald die Frage aufkommt, ob die korpulente Nuria und der schmale Luis wirklich Zwillinge sind. Aus der Gruppe stiegen der Katholik Alex und seine pummelige Freundin Sofia sofort wieder aus, doch Alex übertriebene Gläubigkeit und Sofias neu erwachtes Interesse am Sex führen auf Dauer zu Differenzen.
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      • | FILMKRITIK

      • Besonders das spanische Kino setzte sich in der Vergangenheit wiederholt mit Schönheitswahn und Köperkult, mitunter in Form von Horrorstreifen, auseinander. Einen Film über korpulente Menschen mag nicht gerade das Sujet sein, das Kinogänger auf der Leinwand suchen. Regisseur Daniel Sánchez Arévalo schreckt nicht davor zurück, seine Protagonisten häufiger unbekleidet zu zeigen, manchmal sogar beim Geschlechtsakt. Doch das Nachfolgewerk seines hervorragenden Generationsdramas „DunkelblauFastSchwarz“ ist weit entfernt von einer Freakshow. Vielmehr kehrt die flott erzählte Tragikomödie Freud und Leid der Charaktere heraus und lässt sie sowohl auf schmerz- als auch lustvolle Weise ihre wahre Bestimmung erkennen. Mancher lernte über Jahre hinweg, mit einer Lüge zu leben, doch hinter dem Eigenbetrug kommen verdrängte Ängste über kurz oder lang doch zum Vorschein.

        Dies findet sich etwa bei dem von Arévalos Stammschauspieler Antonio de la Torre verkörperten Entertainer Enrique, der längst nicht mehr dem Bild des schlanken, smarten Typen entspricht, welcher in eingeschnittenen Spots eines Shopping Chanels Diätkapseln anpreist. Jeder der vier Abschnitte, die gleichzeitig vier Schritte zur Selbsterkenntnis und –akzeptanz zeigen sollen, wird mit einem solchen Clip eingeleitet, wobei die folgenden Passagen diese Botschaften als falsch entlarven. Rasch entpuppt sich Enriques Leben als arger Schwindel, angefangen von seiner versteckten Homosexualität über den von ihm verursachten Komazustand seines Partners, den der eloquente TV-Routinier einem Überfall anlastet. Hierbei reckt de la Torre stets demonstrativ seinen behaarten nackten Bauch in die Kamera, um den eigenen Ekel zu demonstrieren. Andere suchen ihr Heil in Sex oder der Fresssucht, womit sie ihre Probleme zu vergessen suchen.

        Somit legt Arévalo weniger ein Werk über Fettleibigkeit vor als über menschliche Schwächen wie steten Zweifel, Geltungssucht, Egoismus, Eifersucht, Fanatismus, Abhängigkeit oder Hass, die sich hinter den Pfunden verbergen. Dazu greift er zu vertrauten Ingredienzien des spanischen Kinos, wo sich menschliche Dramen mit bösem, mitunter geschmacklosem Humor, freizügigen Einlagen, Kirchenkritik und überhöhten Momenten verbinden, was nicht allein Pedro Almodóvars Handschrift ausmacht. Arévalo beweist, dass er die Versatzstücke filmischen Erzählens perfekt beherrscht, wenn er sein Ensemblestück mit Parallelmontagen, Überblendungen, Splitscreen-Einsatz und fließenden szenischen Übergängen voran treibt sowie oft die Scope-Einstellungen symmetrisch aufbaut. Teils unterstreicht, teils kontrastiert die Musik zwischen flottem Mambo und melancholischem Jazz das Geschehen.

        Den einzigen Vorwurf könnte man Arévalo bei der gut zweistündigen Laufzeit machen, denn obwohl der Tonfall vom anfänglich sarkastischem Witz in der zweiten Hälfte gelegentlich ins Sentimentale umkippt, hält er das Tempo aufrecht, was „Gordos“ mitunter etwas anstrengend wirken lässt. Doch an allzu einfacher Unterhaltung war der spanische Regisseur auch nicht interessiert.
      • | FAZIT

      • Virtuose Tragikomödie nicht allein um ausufernde Essgewohnheiten zwischen Satire und Charakterstudie.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 3.0/10 (1 vote)

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