In einer Welt, in der alle Menschen gnadenlos die Wahrheit sagen, hat es Drehbuchautor Mark Bellison nicht einfach. Zunächst erteilt ihm die attraktive Anna McDouglas bei einem Blind Date sofort eine Abfuhr. Am nächsten Tag feuert man ihn in der Filmfirma, weil sein Drehbuch über die Pest weder bei Chef Anthony noch bei den hämischen Kollegen auf Zustimmung stößt. Als dem verzweifelten Ex-Angestellten aufgrund längst fälliger Nachzahlungen zudem der Mietsvertrag gekündigt werden soll, erkennt er am Bankschalter plötzlich die Vorzüge des Schwindelns. Indem er sich die Naivität seiner Umwelt zunutze macht, kommt Mark in kürzester Zeit zu Reichtum, Ansehen und Annas Anerkennung. Sogar die Filmindustrie nimmt ihn dank abenteuerlich erfundener Skripts mit offenen Armen wieder auf. Nachdem Mark aber noch die Religion mitsamt zehn Geboten erfindet, scheint die Sache aus dem Ruder zu laufen.
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| FILMKRITIK
Einmal mehr erweist sich der Umstand als folgerichtig, dass beliebte und talentierte TV-Komiker häufig ihr Talent nicht ohne Reibungs- und Qualitätsverluste auf die Leinwand zu bannen vermögen. Im Kino glänzte der britische Komödiant Ricky Gervais („Extras“, „The Office“) schon häufiger mit Gastauftritten, etwa im wunderbaren Fantasyspaß „Der Sternwanderer“. Neben der Hauptrolle zeigt er sich jetzt bei „Lügen macht erfinderisch“ gleich noch für Co-Regie, -Produktion und -Drehbuch verantwortlich, wobei ihm Matthew Robinson als Mitstreiter zur Seite stand. Doch die Ausgangssituation einer Welt ohne Lügen, wo sich Menschen schonungslos ihre wahren Gedanken und Gefühle an den Kopf werfen, reicht nicht aus, um eine komplette Spielfilmlänge mit Gags und Emotionen zu füllen.
Der Beginn liefert manche bissige Pointe, als die Charaktere, meistens unaufgefordert, unangenehme Dinge und rücksichtslose Gemeinheiten von sich geben. Schnell wird deutlich, dass es gelegentlich sinnvoller ist, mit kleinen Schwindel- und Schönfärbereien eine Situation zu retten sowie seinem Gegenüber zu schmeicheln, selbst wenn dies nicht völlig den Tatsachen entspricht. Mit Marks Erfindung der Lüge können die beiden Regiedebütanten bald das anfängliche Tempo nicht aufrecht erhalten, obwohl ihnen zahlreiche komische Sequenzen glücken. Hierzu gehört etwa Marks teils erzwungene Erfindung der Religion mitsamt richtungsweisender zehn Gebote, wobei der bedrängte Heilsbringer mit dem speziellen Draht zu Gott vor lauter Zwischenfragen seiner Anhänger fast nicht zur Verkündung kommt.
Auf lange Sicht mangelt es „Lügen macht erfinderisch“ vor allem am Timing, und in der zweiten Hälfte wollte man zudem nicht auf manche sentimentale Einlage verzichten. Dies können zahlreiche prominent besetzte Nebenrollen mit Komikern wie Tina Fey, Jonah Hill oder dem bei uns kaum bekannten Louis C.K. als Marks phlegmatischer Freund sowie Gastauftritte von Stars wie Philip Seymour Hoffman, Edward Norton oder Jason Bateman („Juno“) kaum ausgleichen. Zunächst erscheint es denkbar, dass Marks eingebildeter Kollege und Nebenbuhler Brad Kessler (Rob Lowe) angesichts eigener dauerhafter Lobeshymnen selbst die Kunst des Flunkerns beherrscht, doch diese (Konflikt-)Möglichkeit ziehen die Autoren nie wirklich in Bedacht. Trotz vergleichbarer Gewichtung der romantischen Elemente bewies der erfahrene Autor und Regisseur David Koepp mit Gervais erster Hauptrolle „Ghost Town“, ebenfalls eine witzige Fantasystory, wie man dank liebenswerter Charaktere und schräger Verwicklungen das Interesse bis zum Ende aufrecht erhält.
| FAZIT
Mild humorige Selbstfindungskomödie, nicht frei von Sentimentalitäten und Längen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung