Montag | 28. Mai 2012 | 18:03 Uhr
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  • FILM REVIEW | London Nights
  • London Nights

    Komödie, Romanze | Großbritannien 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Axl ist ein junger Spanier, der in London seinen Vater sucht. Er findet diesen Mann, der ihn verließ, als er drei Jahre alt war: Er ist Wohnungsmakler und hat eine neue Familie. Axl gibt sich als Wohnungssuchender aus, um dem Vater auf den Zahn zu fühlen. Abends betrinkt er sich auf Partys und wacht am Morgen in fremden Betten auf, ohne sich an den Weg dorthin erinnern zu können. So lernt er auch Mike kennen, der mit anderen Künstlern in einem besetzten alten Lagerhaus wohnt.

    Auch die Belgierin Vera hat es dorthin verschlagen. Axl aber wird sie erst viel später in einer Kneipe kennen lernen. Vera arbeitet in einem Buchladen und versucht, eine unglückliche Liebe zu vergessen. Sie lernt einen jungen Mann kennen, mit dem sie sich einige Male verabredet, ohne dass die beiden ihre Anonymität abstreifen.
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      • | FILMKRITIK

      • Der argentinische Regisseur Alexis Dos Santos hat nach „Glue“ seinen zweiten Film vorgelegt, in welchem er dem jugendlichen Lebensgefühl und dem Londoner East End mit seiner Musikszene gleichermaßen ein Denkmal setzt. Es geht um zwei junge Leute aus Spanien und Belgien, die in London ins Nachtleben eintauchen und sich gleichzeitig mit ihrem emotionalen Gepäck auseinandersetzen. Sie lernen neue Leute kennen und fühlen sich trotzdem oft allein, sie suchen Anregungen und finden Halt, wo sie ihn am wenigsten erwarten. Der Film mit seinen impressionistischen, subjektiven Bildern und viel Musik schafft es, das Lebensgefühl junger Erwachsener mitreißend und mit dokumentarischer Akribie einzufangen.

        Viel passiert nicht in diesem Langfilm, manchmal stehen die Hauptpersonen einfach nur rum und versuchen, sich trotz reichlich Alkoholgenuss und abgelenkt von Tagträumen, weiter in ihrer jeweiligen Umgebung zu orientieren. Doch gegen Ende der Geschichte werden der Spanier Axl und die Belgierin Vera eine Entwicklung durchgemacht haben, die einen berührt und gleichzeitig an die Einmaligkeit dieser späten Jugendzeit erinnert, in der ein Lebensweg noch nicht gefunden ist und sich alles so intensiv anfühlt, von der Freiheit bis zur Einsamkeit.

        Axl stellt sich in seiner Muttersprache Spanisch vor, er redet im Off über seine Kindheit, während ihn die Kamera in London begleitet. Parallel wird Veras Geschichte erzählt, sie spricht über sich auf Französisch. Der spanische Schauspieler Fernando Tielve stellt Axl dar, den Jungen mit dem traurigen Gesicht, der auf seinen Streifzügen durch Londoner Betten und Kneipen mit seiner freundlichen Offenheit viele Kontakte knüpft. Dieser Axl ist hin- und hergerissen zwischen Trauer um seine vaterlose Kindheit und der Sehnsucht, in der Gemeinschaft Gleichaltriger eine neue Perspektive zu finden.

        Axl lernt seinen Vater, einen Wohnungsmakler, tatsächlich kennen, sagt ihm aber nicht, wer er ist. Während er sich von dem Mann im Anzug zu Mietwohnungen fahren lässt, für die er sich angeblich interessiert, erfährt Axl vieles über den Vater, genießt die Momente der Nähe und leidet trotzdem tierisch. Zu den schönsten Szenen des Films gehört der Abschied dieser beiden Personen, bei dem der Vater irgendwie spürt, dass Axl kein gewöhnlicher Kunde war. Axl findet bei dem Londoner Mike einen Platz in dessen Künstler-WG und menschliche Anteilnahme.

        Vera, gespielt von der Belgierin Déborah Francois, ist ein wesentlich pragmatischerer, direkterer Mensch als Axl. Die bewusst halbanonyme Bekanntschaft mit einem jungen Mann hilft ihr allmählich, eine unglückliche Liebe zu vergessen. Vera und Axl begegnen sich auch einmal und führen eines dieser speziellen Gespräche, die unerwartet Türen aufstoßen. Dazwischen gibt es auch Begegnungen mit namenlosen Frauen, Erinnerungen und Träume, die auf Super 8 unscharf und verwackelt die Musik bebildern, spontane menschliche Nähe in Mikes WG-Alltag. In diesem Film ohne ausgefeilte Geschichte steckt mehr Authentizität als in vielen zielstrebig durchkonstruierten Werken.
      • | FAZIT

      • Zwei junge Fremde suchen in Londons Musik- und Kneipenszene das Lebensgefühl ihrer Generation und finden neue Orientierung.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 9.0/10 (1 vote)

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