Montag | 28. Mai 2012 | 09:20 Uhr
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  • FILM REVIEW | I Am Love
  • I Am Love

    Drama | Italien 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Emma hatte als junge Frau in die Mailänder Fabrikantenfamilie Recchi eingeheiratet. Mittlerweile ist sie Mutter dreier erwachsener Kinder und die vornehme, stille Seele des Villenhaushalts mit seinen vielen Dienstboten und gesellschaftlichen Verpflichtungen. Nur mit ihrem ältesten Sohn Edoardo spricht Emma Russisch, in Erinnerung an ihr Heimatland. An seinem Geburtstagsfest übergibt der alte Schwiegervater die Leitung der Textilfabrik an seinen Sohn Tancredi, Emmas Mann, sowie an seinen Enkel Edoardo.

    Emma erfährt, dass ihre Tochter Elisabetta aus den vorgesehenen Bahnen ausbricht und eine Frau liebt. Und auch sie selbst betritt neue Wege, mit einem jungen Koch, einem Freund ihres Sohnes. Nur für Edoardo laufen die Dinge nicht gut, denn sein Vater und sein Bruder Gianluca entscheiden in geschäftlichen Fragen gegen seinen Willen. Als Edoardo auch noch erfährt, dass seine Mutter ein Verhältnis mit seinem Kumpel hat, verliert er den Boden unter den Füßen.
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      • | FILMKRITIK

      • Der italienische Regisseur Luca Guadagnino legt ein originell gefilmtes Werk vor, das sowohl Familienepos, gesellschaftliches Sittenbild, als auch eine zarte Liebesgeschichte ist. Im Mittelpunkt seiner Erkundungsreise in die Welt der Industriellenfamilien Italiens – am Beispiel der fiktiven Textilbarone Recchi – steht eine elegante Frau, nach deren scheuer Glut sich jeder im Haus sehnt: die von Tilda Swinton gespielte Emma.

        Früher wurden die schönen Familiensagen ganz linear, mit schwelgerischen Bildern des Wohlstands im sonnigen Garten erzählt, und mit dieser altmodischen Mischung aus Naivität und Selbstvertrauen in den Gesichtern. Guadagninos Film ist auch ein solches Familienepos im großen Stil, aber die optischen Mittel, die subjektiven Bildausschnitte, die Einbrüche von Traum und Sinnestäuschung, die tastende Suche der Kamera, die Lust am Experiment mit Offenheit und Interpretation, sind ein völlig neuer Zugang zum gefühlvollen Familiendrama alter Prägung.

        Wenn man der Tischgesellschaft auf dem Geburtstagsfest für den Großvater zuschaut, könnte man fast glauben, sie langweile sich inmitten der palastartigen Dimensionen der Villa, in der die Dienstboten präzise funktionieren, aber nichts so verpönt zu sein scheint wie Hektik. Die Recchis, vom Opa bis zu den Enkeln mit ihren jeweiligen Freunden, üben sich in Zurückhaltung, Höflichkeit und einer Spur von Strenge, die sie stolz macht. Es ist viel von einem verlorenen Rennen Edoardos die Rede, aber die Bemerkungen werden nie vertieft, und der junge Mann legt keinen Wert darauf, mehr über sein Hobby zu erzählen. Auch die liebevollen, sehr vertrauten Begegnungen Edoardos mit seiner Mutter sind flüchtig, als gehöre es zum guten Ton, nicht wirklich persönlich zu werden.

        Tilda Swinton ist in diesem Reichtum, der auf Unerreichbarkeit für andere pocht, auf vorbildliches Aussehen, die Stilikone. Emmas schlichte Kleider sind von einer Eleganz, die ihre weiße Haut und ihren hageren Körper liebend umarmt. Die Frau des Hauses sieht man meistens wortlos lächeln, im Vorbeigehen. In ihrer fast durchscheinenden Zartheit und dem gezähmten blonden Haar aber wohnt eine mädchenhafte Wärme. Tilda Swinton wird so zum Spannungszentrum des Films, zur Figur, von der sich die Augen leiten lassen wollen, die sie sofort erkennen, selbst wenn nur ihre Beine am linken Bildrand erscheinen.

        Die schattige Kühle der Mailänder Villa verlässt Emma zu Ausflügen mit dem jungen Koch Antonio. Der hat ein Häuschen in den Hügeln, wo die Zikaden rasseln und die Sonne auf das Vornehme pfeift. Parallel zu diesem Sinnenrausch werden bei den Recchis die Weichen umgestellt: Edoardo, der idealistische Freigeist, wird bei Firmenentscheidungen vom Vater und Bruder ignoriert. Selbst seine Verlobte Eva zeigt kein Verständnis für seine Sorgen. Die kühle Vornehmheit der Familie offenbart irgendwann ihren Kältepol. In diesem Fest der Bilder, dieser luftigen Weite im Suchen gibt es nichts Lärmendes, und vielleicht werden deswegen so viele Geheimnisse berührt.
      • | FAZIT

      • Ein Familienepos kombiniert mit einer flirrenden Affäre: Hauptdarstellerin Tilda Swinton und die sinnliche Bildsprache dieses italienischen Films sorgen für außergewöhnlichen Genuss.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 4.7/10 (3 votes)

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