Serge Gainsbourg, berühmt-berüchtigter französischer Chansonnier und Pop-Komponist, schenkte der Welt ab den sechziger Jahren nicht nur, aber auch erotisch-freizügige Lieder. Als Kind musste er, der eigentlich Lucien Ginsburg hieß und Sohn russisch-jüdischer Einwanderer war, in Paris während der deutschen Besatzung den Judenstern tragen. Als junger Erwachsener versuchte er sich lange Jahre zunächst als Kunstmaler, bevor er sich der Musik zuwandte. Juliette Gréco sang Lieder von ihm, ebenso France Gall, er nahm Stücke mit seiner Freundin Brigitte Bardot auf.
Das legendäre „Je t’aime... moi non plus“, ursprünglich mit der Bardot aufgenommen, veröffentlichte er 1969 als Duett mit seiner neuen Partnerin Jane Birkin. Sie sollte nicht seine letzte Frau bleiben. Obwohl der Kettenraucher Gainsbourg schon 1973 einen Herzinfarkt erlitt, rauchte er weiterhin seine Gitanes ohne Filter und trank massiv.
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| FILMKRITIK
In dem ersten Spielfilm, den er inszeniert, setzt der französische Comiczeichner Joann Sfar seinem großen Jugendidol Serge Gainsbourg ein Denkmal. Er garniert sein Biopic mit stimmungsvollen Fantasie-Einlagen und mit Comicfiguren. Eine Besetzung mit großen Namen – selbst Altregisseur Claude Chabrol hat eine kleine Rolle – und ein reicher, von den Darstellern gesungener Soundtrack versetzen zurück in die wilden Sechziger, die Zeit der sexuellen Revolution und der Tabubrüche.
Ein Mann muss nicht gut aussehen, um den Frauen zu gefallen. Diese Lebensweisheit gilt erst recht für den schmächtigen Serge Gainsbourg mit der großen Hakennase und den abstehenden Ohren, wie ihn in diesem Film Éric Elmosnino verkörpert. Säße er nicht am Piano, um mit dunkler Stimme poetisch-freizügige Lieder vorzutragen, bliebe es gänzlich ein Rätsel, was die schönen und erfolgreichen Frauen in den Bann dieses Kettenrauchers zog.
Der Film beginnt im besetzten Frankreich, als der Junge Lucien Ginsburg, der sich einen Judenstern anheften muss, die Autoritätspersonen mit frechen Sprüchen irritiert. Auf den Mund gefallen, das zeigt der Film, ist schon der gleichwohl schüchterne Junge nicht. Trotzdem verfolgt ihn eine aufgeblähte Judenkarikatur, die von einem antisemitischen Hetzplakat herabsteigt, durch die Straßen. Sfar verwendet für sein betont subjektives Porträt solche surrealen Einlagen, um die inneren Konflikte Gainsbourgs zu interpretieren. So begleitet den Sänger und Liedkomponisten auch meistens eine ungebetene Comicgestalt mit sehr langen Fingern und einer noch längeren Nase, die „Fresse“. Dieses Alter Ego Gainsbourgs kennt keine Angst oder Scham, sondern weist ihm den Weg mit rücksichtslosen Kommentaren.
Die Frauen: Der Besuch Gainsbourgs bei der Gréco wird als Mysterium, als Eintritt in das Reich einer überirdischen Person inszeniert. Anna Mouglalis spielt die Gréco als erotische Hexe, vor der Gainsbourg etwas zu viel Respekt entwickelt. Der Reigen der Schönen an seiner Seite entlarvt den deutschen Untertitel „Der Mann, der die Frauen liebte“, als etwas irreführend. Es sieht hier nämlich ganz so aus, als hätten sich die Covergirls ihm an den Hals geworfen. Laetitia Casta spielt Brigitte Bardot, die ihre Ehe mit Gunter Sachs nicht daran hinderte, eine intensive Affäre mit Gainsbourg zu beginnen.
Lucy Gordon, die sich kurz nach Ende der Dreharbeiten das Leben nahm, stellt Jane Birkin dar, die langjährige Lebensgefährtin Gainsbourgs. Ihre schlanke Figur in den ultrakurzen Minikleidchen und ihr unschuldiges Lächeln geben einen starken Kontrast zum übernächtigten Raucher und Trinker Gainsbourg ab – auch so ein stilistisches Zeitdokument der siebziger Jahre. Sfars künstlerische Annäherung an Gainsbourg bezieht auch dessen russische Eltern mit ein, die im Film jeden mit sauren Gurken und Wodka bewirten, der bei ihnen vorbeischaut, einmal auch gerne die Bardot. Vielleicht erinnert dieser Film gar nicht so sehr an den wirklichen Menschen Gainsbourg – der 1991 starb -, als an die ferne Zeit der Revolten, als ein Look oder ein Lied noch Skandale verursachten.
| FAZIT
Mit surrealen Einlagen und viel Musik geschmücktes, subjektives Porträt über den wilden französischen Pop-Komponisten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung