FILM REVIEW | Groupies bleiben nicht zum Frühstück
Groupies bleiben nicht zum Frühstück
Komödie,
Jugendfilm
| Deutschland 2010
| INHALTSANGABE
Berlin Mitte ist das neue Tokio Hotel! Ganz Berlin weiß das und mit Sicherheit sogar ganz Deutschland, wahrscheinlich sogar ganz Europa. Nur Lila (Anna Fischer) hat von nix ´ne Ahnung! Nach einem Jahr in der texanischen Pampa muss sie wieder daheim in Berlin verdauen, dass ihre Ma (Inka Friedrich) jetzt einen neuen Freund (Ben Braun) hat und ihre kleine Schwester Luzy (Amber Bongard) zum Einzelkind mutiert ist. Aber endlich hat sie ihre besten Freunde Nike (Nina Gummich) und Gustav (Josef Mattes) wieder. Da interessiert der ganze Hype um die neue Rockband Berlin Mitte erst mal überhaupt nicht und natürlich hält Lila es für einen Scherz, als sie den sympathischen Christopher (Kostja Ullmann) kennen lernt, der behauptet, deren Leadsänger Chriz zu sein. Ist er aber wirklich und als Lila das endlich realisiert, haben sich beide schon in einander verliebt – eine Tatsache, für die andere Girlies sonst was anstellen würden, was Lila auch bald schmerzlich zu spüren bekommt. Chaos ist also vorprogrammiert. Straffer Terminplan, Manager, Bodyguards – Lilas Welt ist meilenweit von der eines Rockstars entfernt. Keine idealen Bedingungen für ein Happy-End, aber zum Glück weiß Nike, was zu tun ist…
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| FILMKRITIK
Tokio Hotel, Miley Cyrus, Zac Efron, Robert Pattinson – Teenies haben heutzutage dauernd Grund zum Kreischen! Gut, vermutlich war das früher schon so und was (ein durchgeknallter) Fan(-)sein betrifft, zeigt „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ ein absolut authentisches Bild. Und die neue Komödie von Marc Rothemund hat noch viel mehr zu bieten.
Die Geschichte einer eigentlich unmöglichen Liebe ist zwar auch schon das ein oder andere Mal erzählt worden, aber eben noch nie mit Anna Fischer und Kostja Ullmann in den Hauptrollen. Die Kamera liebt Anna Fischer als bodenständige Berliner Göre, die die Liebe nicht sucht, sondern von ihr gefunden wird. Eine Großaufnahme jagt die andere und ihr Gesicht ist ja auch wirklich bildschön – so erfrischend natürlich. Gekonnt in Kontrast gesetzt zu den stumpfsinnigen Paris-Hilton-Abziehbildern aus ihrer Klasse. Und Kostja Ullmann als aufstrebender Rockstar, der Paprika mit Peperoni verwechselt und sich nach einem Stückchen Normalität in seinem Leben sehnt, hat angeblich Gesangunterricht genommen und alle Songs als Chriz selbst gesungen. Gut, das kann man glauben, muss man aber nicht, aber seine Performance während des Konzerts in der O2-Arena ist zweifellos rockstar-mäßig.
Rothemund und sein Team haben generell große Sorgfalt auf die Auswahl aller Darsteller gelegt. Die übrigen Bandmitglieder von Berlin Mitte zum Beispiel sind – wie Frank Ziegler, der Danny spielt – in erster Linie Musiker und erst dann Schauspieler oder zumindest musikalisch kein unbeschriebenes Blatt wie zum Beispiel Franziska Wulf alias Isa, die auch im richtigen Leben Schlagzeug spielt. Das trägt natürlich ungemein zur Authentizität bei. Ganz zu schweigen von den Nebenfiguren. Lilas beste Freundin gespielt von Nina Gummich ist einfach der Knaller. Auch ein Beweis für das gelungene Drehbuch von Kristina Magdalena HHenn und Lea Schmidbauer und vor allem ihre bisweilen fabelhaften Dialoge, die Nina Gummich gekonnt zum Leben erweckt. Nicht zu vergessen natürlich Lilas Familie und der türkische Bodyguard Horst mit dem goldenen Herzen.
Hier und da, wenn es um Chriz Leben als Rockstar geht, versuchen auch Kamera und Schnitt ein bisschen innovativer zu Werke zu gehen, davon hätte es in „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ ruhig ein bisschen mehr sein dürfen.
Die Rechnung, ein gelungenes Feelgood-Movie zu machen, das generationsübergreifend Spaß bringt, ist jedenfalls aufgegangen. Und auch wenn mit dem Grundplot cooler Rockstar verliebt sich in ganz normales Mädchen der Mädchentraum schlechthin aufgegriffen wird, was böse Zungen „unrealistisch“ schimpfen könnten, werden doch auch ernstere Töne angeschlagen und beleuchtet, wie schwierig es ist, wenn sich zwei Menschen in einander verlieben, die aber aus zwei völlig unterschiedlichen Welten stammen und auch die unschönen Seiten der glamourösen Musikbranche werden zumindest ansatzweise nicht verleugnet.
Nur am Ende geht der Innovation leider etwas die Puste aus. Die Parallelen zu „Notting Hill“ (Roger Michell, 1999) mit Julia Roberts und Hugh Grant sind doch schon sehr auffällig, aber fallen zum Glück wahrscheinlich nur dem Teil des Publikums auf, der dem Teenageralter bereits entwachsen ist.
Angucken lohnt sich, weil es zauberhaft ist, wie Lila und Christopher sich gegenseitig und ihre Gefühle für einander entdecken, weil es einfach gute Unterhaltung ist und weil man an etwas erinnert wird, was wir eigentlich alle schon wissen, aber der ein oder andere vielleicht allzu schnell vergisst: Man kann sich eben nicht aussuchen, in wen man sich verliebt.
| FAZIT
Zauberhaftes Feelgood-Movie, mit viel Witz und Charme, das vor allem durch das Darsteller-Ensemble besticht. Allen voran Anna Fischer und Kostja Ullmann.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung