Montag | 28. Mai 2012 | 09:47 Uhr
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    Drama, Komödie | Deutschland / Norwegen 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Es ist Heiligabend in der verschneiten norwegischen Provinz. Das Fest der Liebe verspricht für Paul traurig zu werden, denn seine Frau verbringt den Abend mit den beiden Kindern in Gesellschaft ihres neuen Partners. Der Arzt Knut wird von einem Flüchtling angerufen, dessen Frau in einer Hütte im Wald ein Kind bekommt. Der junge Thomas geht lieber zu der muslimischen Mitschülerin Bintu, als zuhause zu feiern. Karin erfährt als Geliebte eines verheirateten Mannes, dass sie weiterhin die Nummer Zwei bleiben soll. Ein alter Mann schleppt mühsam Dinge aus dem ersten Stock seines Hauses nach unten, wo bereits der Weihnachtsbaum leuchtet. Irgendwo auf einer einsamen Straße sitzt ein Bettler, der Geld für die Heimfahrt braucht.
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      • | FILMKRITIK

      • Der norwegische Regisseur Bent Hamer erzählt in parallel montierten Episoden, die auf Kurzgeschichten von Levi Henriksen basieren, wie verschiedene Menschen an Heiligabend eine Bestandsaufnahme ihres Lebens machen. Das geschieht nicht immer freiwillig oder bewusst, doch manchmal werden dabei große Veränderungen in Gang gesetzt. Die Geschichten bleiben durch die häppchenartige Aufteilung lange Zeit spannend und vielversprechend. Gegen Ende jedoch entpuppen sich die meisten von ihnen weniger als aussagekräftige Einblicke in die norwegische Gesellschaft oder in die künstlerische Botschaft eines Autorenfilms, sondern münden einfach in Kitsch.

        Die Einleitungsszene spielt nicht in Norwegen, sondern in einer Gegend auf dem Balkan, in der ein Scharfschütze einen kleinen Jungen, der einen Christbaum stiehlt, ins Visier nimmt. Ob er ihn oder seine Mutter erschießt, wird erst am Schluss des Films verraten, der ansonsten im ländlichen Norwegen spielt. Die Art und Weise, wie diese Szene mit dem Schicksal einer Filmfigur verknüpft ist, zeigt, wie Hamer aus ehrgeizigen Ideen nicht die wohl erhoffte atmosphärische Dichte herauskristallisieren konnte, sondern abrutscht in weihnachtliche Sentimentalität.

        Dabei ist es gerade die emotionale Verheißung von Heiligabend, die den Figuren an diesem Tag so schwer zusetzt. Während Paul als falscher Weihnachtsmann noch einen witzigen Weg findet, das Fest der Liebe in seiner verlorenen Familie aktiv zu gestalten und zwar ohne Kapitalverbrechen, bleiben die meisten beleuchteten Bäumchen in den anderen Wohnzimmern irgendwie verwaist. Da ist zum Beispiel Knut, der Arzt: Er lässt seine Frau daheim auf ihn warten, weil ein Kranker seine Hilfe braucht. Viele Stunden später ruft er sie aus dem Wald an um ihr zu sagen, dass er sie so vermisse wie seit der Hochzeit nicht mehr. Und das will keineswegs als Steilvorlage für eine Trennung verstanden sein. Die sehr sparsamen Dialoge sind manchmal rätselhaft holprig.

        Der obdachlose Bettler begegnet in einem Wohnwagen seiner Jugendliebe wieder, die ihn bewirtet und wohl noch mehr zu bieten hätte. Doch der Mann hat keinen Hunger, er schiebt den Teller halbvoll wieder zurück und denkt an die Weiterfahrt nach Hause. Diese an sich starke, weil sorgfältig aufgebaute Episode bleibt dadurch unbefriedigend, das Verhalten der Akteure hätte mehr Erklärungen benötigt. Weihnachten erweist sich in diesem Film jedenfalls als Belastung selbst für die Gemüter kühler Norweger.
      • | FAZIT

      • Die Momentaufnahmen aus dem Leben einzelner Norweger an Heiligabend rutschen in Bent Hamers Film ins Kitschige ab.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 3.8/10 (4 votes)

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