Montag | 28. Mai 2012 | 09:56 Uhr
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  • FILM REVIEW | Hochzeitspolka
  • Hochzeitspolka

    Drama, Komödie | Deutschland / Polen 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Frieder (Christian Ulmen) hat Deutschland den Rücken gekehrt. Vor drei Jahren hat er Schluss gemacht mit seiner Band „Heide Hurricane“ und ist entgegen dem Rat seiner Eltern nach Polen gezogen. Dort leitet er mit mäßigem Erfolg den polnischen Zweig eines deutschen Unternehmens. Der Deutsche hat sich ganz in die polnische Gemeinschaft eingegliedert, in Bälde wird er seine Freundin Gosia (Katarzyna Maciąg) heiraten und mit ihr zusammen im polnischen Dorf ein Haus beziehen.

    Bei der Hochzeit kommt vieles anders als geplant. Unangemeldet kommen Frieders ehemalige Bandkollegen zu Besuch und mischen die Hochzeitsfeier und das polnische Dorf kräftig auf. Zwischen Polen und Deutschen kommt es zu zahlreichen kleinen und großen Missverständnissen, die nicht nur durch sprachliche Barrieren entstehen.

    Zu allem Übel hat Frieder Gosia und seinen polnischen Freunden nie von seiner Vergangenheit erzählt, so dass die Kumpels aus seiner Band für einige Überraschungen sorgen. Sie Platzen kurz vorm Jawort in die Kirche, Sprengen die Hochzeitsparty und werden schließlich von den Polen der Teufelsanbetung verdächtigt. Obendrein hat Frieders Kumpel Jonas schlechte Nachrichten im Gepäck, die er noch in der Hochzeitsnacht verkünden will. Frieders Firmensitz soll geschlossen und die Arbeiter entlassen werden. Frieder muss sich zwischen seinem alten und seinem neuen Leben entscheiden.
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      • | FILMKRITIK

      • Zu Vorbereitung ihrer Hochzeit werden Frieder und Gosia vom Priester gefragt, was sie aneinander Lieben. Da müssen die beiden erst einmal nachdenken. Seine lustige Art fällt Gosia schließlich ein, und zum Beweis muss Frieder eine Hasenfratze ziehen. Frieder stellt fest, dass er Gosias Schönheit liebe, aber das sei ja offensichtlich. Eigentlich haben die beiden nicht viel gemeinsam und man fragt sich, warum Frieder nicht bei seiner alten Jugendliebe Ines (Alexandra Schalaudek) geblieben ist.

        So unsicher Frieder in die Ehe geht, so unentschlossen ist er auch nach Polen gekommen. Gerade noch einmal scheint er den Sprung vom Rocker in eine „Karriere“ geschafft zu haben. Nur seine Kumpels scheinen diese Wandlung zu hinterfragen, die Polen kennen ihn ja nicht anders. Die beiden Welten aus Frieders Leben kontrastieren einander, doch keine von beiden scheint wirklich verlockend. Zu Hause das Rockerleben, aber das biedere Elternhaus – in Polen eine Zukunft mit Frau und Haus, aber ein unbefriedigender Job. Einzig die Lebensfreude im Dorf scheint mehr für Polen zu sprechen, doch auch hier wird nicht alle Tage geheiratet und gefeiert.

        Mit großer Anstrengung hat sich Frieder bemüht, in der polnischen Kultur und Sprache anzukommen. Die Schwüre und Formeln der Hochzeitszeremonie muss er vorher jedoch noch per Kassette üben, währenddessen fährt er durch die schönen Landschaften seiner neuen Heimat. Entgegen der deutschen Befürchtungen ist es in Polen gar nicht so schlimm, Frieders Eltern vermuteten dort nicht einmal fließend Wasser.

        „Hochzeitspolka“ lebt vom amüsanten Spiel polnischer und deutscher Vorurteile. Die polnischen Dorfbewohner und die deutschen Besucher trauen sich nicht über den Weg und können nur langsam ihre Klischeevorstellungen abbauen. Letztlich sind es dann nicht die Polen, sondern die Deutschen, die ein Auto klauen. Freilich sind die Vorstellungen vom Gegenüber etwas arg stereotyp. Frieders Eltern mag man ihre Unwissenheit über Polen noch abnehmen, aber von den Mitgliedern, auch einer provinziellen Rockband, könnte man etwas mehr Weltoffenheit erwarten, als dass diese Gammelfleisch im Buffet vermuten und ihre Handys aus Sicherheitsgründen nicht nach Polen mitgenommen haben. Spannend wird es, wenn zu später Stunde mit gestiegenem Alkoholpegel deutsch-polnische Beziehungen diskutiert werden, über Gastarbeiter, gegenseitigen Respekt bis hin zur obligatorischen Hitler-Diskussion. Die vermittelnden Übersetzer können die Diskussion kaum mehr diplomatisch aufbereiten. Hier gelingt der Brückenschlag zwischen Tragik und Komik und letztlich erweisen sich natürlich auch die schlimmsten Vorurteile als Falsch und alle Beteiligten können etwas lernen.

        Leicht vorhersehbar und mitunter etwas schleppend gestaltet sich die Geschichte des Films, die vielseitigen Einlagen der Darsteller können dies aber Entschädigen. Allesamt Charaktertypen überzeugt das Cast des Films, auch wenn Format und Gestaltung von „Hochzeitspolka“ oft an einen reinen Fernsehfilm erinnern. Der Film lebt von Situationskomik und seinen vielen kurzweiligen, unterhaltsamen Momenten. Über Deutsche und Polen lernen wir nichts Neues, aber bei dieser Hochzeit wären wir vielleicht doch gern dabei gewesen.
      • | FAZIT

      • Unterhaltsame, aber wenig selbstreflexive Hochzeitskomödie. Ein Geheimtipp ist die polnische Version von „Eisgekühlter Bommerlunder“, gesungen von den Toten Hosen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julius Pöhnert

      • | Userwertung

      Wertung: 6.0/10 (1 vote)

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