Drama
| Bosnien und Herzegowina / Deutschland / Kroatien / Österreich 2010
| INHALTSANGABE
Das junge, kinderlose Ehepaar Luna (Zrinka Cvitesic) und Amar (Leon Lucev) lebt in einer kleinen Wohnung von Sarajevo und arbeitet im Flughafen. Von den Erinnerungen an seine Kriegszeit geplagt, greift Amar allerdings immer häufiger zum Alkohol, was ihm seinen Job als Fluglotse kostet. Als er einen neue Anstellung bei einer islamischen Gemeinde übernimmt, erhält Flugbegleiterin Luna zunächst kein Lebenszeichen von ihm und erkennt ihn in Folge kaum noch wieder. Da er den strengen religiösen Regeln der Wahabiten folgt, die unter anderem Frauen kaum Rechte zubilligen, wird ihre Ehe auf eine harte Zerreißprobe gestellt. Zunehmend entfernen sich die beiden stärker voneinander.
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| FILMKRITIK
In ihrem getragen entwickelten Drama über Sektentum muss Jasmina Zbanic keine Flugzeuge explodieren lassen, um die Irritationen zwischen den Glaubensrichtungen und die Risse zwischen den Kulturen zu unterstreichen. Ebenso lakonisch lässt sie in die Chronik einer Ehekrise den sozialen Alltag von Sarajevo einfließen. Stets erweist sie sich als präzise Beobachterin der Lebensumstände und Beziehungsdissonanzen ihrer Protagonisten, wobei in Details und Zwischentönen die differenzierte Liebesgeschichte eines jungen Paares in extremer Belastungsprobe entworfen wird.
Wie in ihren Langfilmdebüt „Grbavica“ („Esmas Geheimnis“) ein Generationskonflikt zwischen Mutter und Tochter ohne Pathos und melodramatische Elemente mit dem Trauma des Bosnien-Konflikts verknüpft wurde, fließen die Kriegsfolgen in „Zwischen uns das Paradies“ zwar weniger deutlich, aber nicht weniger entscheidend in Handlung ein. So wuchs Stewardess Luna bei ihrer Großmutter auf, nachdem ihre Eltern im Krieg getötet wurden. Ihr Mann, Ex-Soldat Amar, greift in Erinnerung an die Kriegserfahrungen immer wieder zur Flasche, weshalb er seine Anstellung verliert. Kriegskumpan Bahrija bietet ihm einen Wächterjob im Camp der gläubigen Wahabiten-Gemeinde an. Doch das Wiedersehen der Freunde auf einem Parkplatz setzt nur die erste Irritation in einer Kette an problematischen Entwicklungen. Weil Frauen bei dem Wahabiten eine untergeordnete Position einnehmen, verweigert der Bekannte Luna den Begrüßungshandschlag.
An dieser Stelle gibt es ein Wiedersehen mit der serbischen Darstellerin Mirjana Karanovic, die schon in „Grbavica“ oder Andrea Stakas „Das Fräulein“ in den Hauptrollen brillierte und als Nada einige bitter-komische Momente liefert. Als Burka tragende Frau von Amars Freund Bahrija arrangierte sie sich längst mit ihrem Schicksal, nutzt aber, etwa beim Autofahren, jede Möglichkeit für Freiräume, um sich ihres Schleiers zu entledigen. Einer solchen Vorschrift will sich die schon allein durch ihren modischen Kurzhaarschnitt als emanzipierte junge Frau gezeichnete Luna nicht unterwerfen. Als sie nach langer Zeit ohne Nachricht ihres Mannes von Nada zum Wahabiten-Camp geführt wird, weigert sich die liberale Muslime lange, dem herrschenden Druck und den Vorschriften zu gehorchen. Folglich unterliegt die Ehe von Luna und Amar einer harten Zerreißprobe.
Mit der internationalen Co-Produktion „Na Putu“ (übersetzt „Auf dem Weg“), co-finanziert von der Frankfurter Pandora Film, gelang Jasmila Zbanic ein kluges, nachhaltiges Ehedrama über Toleranz, Vertrauen und Identitätsfindung. Obwohl rasch deutlich wird, welcher Seite ihre Sympathien gelten, verzeichnet sie die islamische Gruppierung keineswegs und verzichtet bei der Charakterisierung auf vertraute Klischees. Allerdings muss man sich auf den ruhigen, nüchternen Erzählton der nuancenreichen Geschichte erst einlassen. Im Berlinale-Wettbewerb ging „Zwischen uns das Paradies“ zwar leer aus, wurde aber inzwischen mit dem Bernhard-Wicki-Friedenspreis ausgezeichnet.
| FAZIT
Stilsicheres Liebes- und Glaubensdrama, verknüpft mit einem Porträt des modernen Jugoslawiens.
| BEWERTUNG
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