Als der Wiener Michael in Berlin ankommt, um seine Ex-Geliebte Gabi ein letztes Mal zu treffen, bricht in ganz Europa ein gefährlicher Virus aus, der Menschen zu reißenden Bestien verwandelt. In letzter Minute kann sich der Mitdreißiger gemeinsam mit dem Handwerkslehrling Harper in Gabis leerer Mietswohnung verbarrikadieren. Während unten im Hof die wahnsinnigen Infizierten wüten und jeden Bewohner anfallen, versuchen die restlichen Überlebenden des Gebäudes, in ihrer misslichen Lage zurecht zu kommen. Stärkere Sorgen macht sich Michael allerdings um den rätselhaften Verbleib seiner Ex-Freundin. Allmählich spitzt sich die Lage der letzten Überlebenden zu.
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| FILMKRITIK
Zombie-Kammerspiele verzeichnen in den letzten Jahren wieder Konjunktur. Ein abgeschirmter Handlungsspielraum mit einer überschaubaren Anzahl an Charakteren bietet reichlich Platz für dramatische Zuspitzungen, (un-)menschliche Überlebenskämpfe und gesellschaftskritische Verweise. Im kanadischen „Ponypool“, komplett in einer Radiostation während einer Schreckensnacht angesiedelt, tauchen die Untoten sogar fast nicht auf. Weitgehend beschränkt sich der (pseudo-)dokumentarische „(Rec)“ auf ein Wohnhaus, in dem ein tödliches Virus ausbricht. Schließlich verlegten sich schon die Klassiker von Horrorpapst George A. Romero auf reduzierte Schauplätze wie ein Familienheim oder ein Kaufhaus, um die Charaktere in einen klaustrophobischen Belagerungszustand versetzen zu können.
Darauf berufen sich Regisseur Marvin Kren und Drehbuchautor Benjamin Hessler, die gemeinsam einige Kurzfilme realisierten. Ihr erster längerer Film „Rammbock“ erweist sich schon durch die Laufzeit von rund einer Stunde als Stilübung mit weitgehend unbekannten Darstellern und eingeschränktem Budget, wobei das Ergebnis durchaus für sich einnehmen kann. Das fesselnd inszenierte Schreckensszenario belegt, dass man eine prägnante Story nicht unbedingt auf Spielfilmlänge auswalzen muss und keine aufwändigen Spezialeffekte benötigt, um einen eindringlichen Thriller zu entwickeln.
Bewusst setzen Kren und Hessler weniger auf bluttriefende Goreeinlagen, um den Horror ihrer Endzeitparabel in urbanen Dasein anzusiedeln. Vielmehr interessiert sie das Verhalten von Menschen in Extremsituationen, wobei man erneut auf die Erkenntnis abzielt, dass das Individuum sich selbst der größte Feind ist. Einige der Eingeschlossenen lassen durchaus ein Helfersyndrom erkennen, womit sie Gefahr laufen, ihr Leben zu verlieren, während bei anderen die egoistische Seite zum Tragen kommt. Bei den Angreifern handelt es sich nicht um „klassische“ Zombies, sondern eher um „Crazies“ – infizierte Triebwesen mit eigenwilligem Verhaltensmuster, die zunächst sogar noch mit Tabletten ruhig gestellt werden können.
Fotografiert wurde das düstere Horrorstück entsprechend in gräulich-grünen Bildern, was die letale Untergangsstimmung verstärkt. Immerhin verzichten Kren und Hessler nicht auf gelegentlichen Humor – entwickelt aus der misslichen Situation der Eingeschlossenen. Ungleich vielen deutschen Amateurhorrorfilmen wirkt der Witz hier keineswegs unfreiwillig. Lediglich der Einfall, die Befallenen durch Blitzlichter verjagen zu können, erscheint eher absurd. Doch das stellt nur eine weitere Hommage an Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ dar, an den schon zuvor die Kommunikation der gegenüber lebenden Apartmentbewohner untereinander erinnert. Mag das zitatenreiche, effektvolle Debüt insgesamt eher wie „kleines Fernsehspiel“ erscheinen (deren Redaktion hier ungewöhnlicherweise mitproduzierte), stellt es doch für Horrorfans durchaus eine Empfehlung dar.
| FAZIT
Dicht in Szene gesetztes deutsches Apokalypsedrama mit glaubwürdigen Charakteren und packenden Sequenzen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung