Es ist offensichtlich nicht ausreichend sich lange auf diesen Film zu freuen, da er typischerweise davon lebt, das sich der Zuschauer selbst nicht verweigert die Arbeit am Medium Film zu verrichten. Es gibt unter Lynchs Filmen gewissermaßen nur wenige, die einer chronologischer Erzählweise unterliegen. Das Medium selbst ist damit zum Objekt der Dekonstruktion geworden, das es gilt über seine Grenzen zu bringen. Raum-zeitliche Ordnungen werden aufgebrochen, Abmachungen um die Figuren nicht eingelöst - kurz gesagt: der Blick auf die Figuren entspricht, dem postmodernen Blick auf das Medium Film. Das Mehrdeutige wird dem Absoluten der Moderne entgegen gesetzt - die eine Wahrheit, die aufklärerische und utopische Aufgabe des Films wurde verlassen. Genauso wie der Blick für das Ganze verloren gegangen ist, genauso ist mittlerweile der Blick für die "grausamen Details" verloren gegangen. Aber nicht durch den Zuschauer, sondern das Medium selbst verweigert sich. Die Entscheidung Lynchs mit Video zu arbeiten, kann nicht als kurzsichtig verstanden werden, sondern als Reaktion auf eine technisch-gesellschaftliche Entwicklung. (youtube und dergleichen) In diesem Zusammenhang ist es geradezu niedlich, wenn sich mein Vorredner über das matschige Videobild beschwert. Zum anderen entspricht die Bild-Unschärfe aber natürlich auch der Art und Weise wie der Film konstruiert wurde. Man denke nur an Filme wie Memento, der zwar ähnlich mit der Zeit spielt, aber sich trotzdem auf eine Lineare Erzählebene aufbaut. Im Gegensatz dazu befinden wir uns in IE in einem Auflösungsprozess, der für die Protagonisten und Zuschauer die gleichen Rätzel bereit hält. Für ein umfangreiches Verstehen kann ich nur empfehlen sich die ein oder andere Literatur zu Hilfe zu holen. viel Freunde dabei
Lange hatte ich mich darauf gefreut, diesen Film endlich sehen zu können; offen und voll von Vertrauen war ich für alles, was Meister Lynch wohl diesmal wieder an abgefahrenen surrealistischen Szenarien erschaffen hatte, und selbst seine Entscheidung von nun an nur noch mit einer semiprofessionellen DV-Cam drehen zu wollen, hatte ich grundsätzlich erst mal mit Neugier und Interesse aufgenommen und vor allem mit der Bereitschaft, mich ohne jegliche Vorbehalte darauf einzulassen. Zum Thema DV muß ich nun aber ernüchtert sagen: es sieht schlicht und einfach beschissen aus, z.B. gibt es eine Dialogszene, in der das Gesicht der einen Person groß im Vordergrund und trotzdem unscharf ist und die Schärfe auf irgendwelchen Möbeln im Hintergrund liegt. Beim Gegenschuß auf die andere Person ist diese dann aber perfekt scharf... Gut, dies kann natürlich von Lynch so gewollt sein, ebenso wie das ständige Absaufen von Details in der übrigens reichlich und sehr häufig vorhandenen Extremdunkelheit oder Szenen mit heftiger Überbelichtung, aber dieser Videolook hat einfach grundsätzlich das Problem, daß eine ordentliche Detail- und Tiefenschärfe, wie man sie vom Film her kennt, mit solch einer Kamera nicht möglich ist - da kann man noch so viel mit AVID herumspielen, man wird den amateurhaften Look einfach nicht los. Ich habe mir bei so mancher optisch sehr schön ausgestatteten Szene gedacht: "Wie würde diese tolle Kulisse jetzt aussehen, wenn man sie auf professionellem Material gedreht hätte." Überhaupt bin ich relativ häufig emotional aus dem Film ausgestiegen, indem ich z.B. recht oft auf die Uhr gesehen habe, was für mich immer ein schlechtes Zeichen ist für Qualität eines Films, denn in einen richtig guten Film sollte man schlichtweg hinein versinken und dabei für eine Weile vergessen, daß es Uhren überhaupt gibt. Aber dieser Film ist mit seinen fast drei Stunden an vielen Stellen einfach kaum erträglich zäh, auch wenn es immer wieder einzelne Sequenzen gibt, die wirklich großartig und stimmungsvoll geraten sind. Vor allem der Sound sorgt mit seinen gut dosierten Dynamiksprüngen an vielen Stellen doch hier und da für ein sehr intensives Filmerlebnis und bei so einigen alptraumhaften Szenen sorgt die Videoästhetik dann doch für eine ganz spezielle Atmosphäre. Mich hätte es überzeugt, wenn man diese wirklich gelungenen Szenen auf etwa die Hälfte der jetzigen Spielzeit zusammengeschnitten hätte - die drei Stunden sind IMO zu großen Teilen durch zahlreiche unnötige Längen entstanden. Hier wäre weniger mal wieder mehr gewesen.