In den Bergen der Schwarzmeerregion lebt der Junge Yusuf (Bora Altas) mit Vater Yakup (Erdal Besikcioglu) und Mutter Zehra (Tülin Özen). Sein Stottern beim Vorlesen macht den Jungen, der selten mit anderen Kindern spielt, in der Schule zum Außenseiter. Nur langsam vermag er seine Hemmungen zu überwinden. Als Imker stellt der Vater seine Bienenkörbe in abgelegenen Wäldern auf. Nachdem ein rätselhaftes Bienensterben einsetzt, wandert Yakup in eine gefährliche Gebirgsregion, wo aber bald von ihm kein Lebenszeichen mehr erfolgt.
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| FILMKRITIK
Im letzten Teil seiner Yusuf-Trilogie, nach „Ei“ und „Milch“, geht der türkische Regisseur Semih Kaplanoglu zur Kindheit des Protagonisten zurück. Sein mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnetes Kinderdrama führt in eine archaische Welt, die der Junge staunend und lernend erkunden muss. Der Wald, in deren Nähe die Familie lebt, wirkt wie ein magischer Ort, ebenso faszinierend wie bedrohlich. Aus der Eingangssequenz kennt man die Gefahren, welche das hohe Anbringen von Bienenstöcken in den Bäumen mit sich bringt. Die folgende lange Rückblende schildert die Vorgeschichte.
Aus den chronologisch später angesiedelten Vorgängerwerken, dem bei uns nicht gezeigten „Yumurta“ und dem vom Kölner Heimatfilm produzierten „Süt“, weiß man bereits, dass der Protagonist den Dichterberuf ergreift. Doch als schweigsames Kind hat er besonders im Türkisch-Unterricht mit Problemen zu kämpfen, wobei hier autobiografische Elemente aus der Vita des Filmemachers einfließen. Beim Vorlesen bringt der schüchterne Junge kaum ein Wort heraus und verfällt ins Stottern. Zu seinem Vater Yakup, für dessen Imker-Beruf er besonderes Interesse entwickelt, besteht ein intensives Verhältnis. Wenn Yusuf einmal die Worte fehlen, flüstert er ihm einfach ins Ohr. Diese Geheimnisse sind auch für den Zuschauer nicht bestimmt. Umso mehr trifft es den Kleinen, als das Familienoberhaupt eines Tages nicht mehr aus den undurchdringlichen Wäldern zurück kehrt.
Sets nimmt sich Kaplanoglu Zeit für besondere Ereignisse wie den Besuch eines muslimischen Volksfestes, so dass ein stimmungsvolles Bild des Alltagslebens entsteht. Dem archaischen Familienleben mit seinen geregeltem Tagesablauf passt sich der beschauliche Erzählrhythmus in ruhigem, poetischen Bildern an. Schon aufgrund der reduzierten Dialoge erscheint die Sprache der Natur umso wichtiger, so dass die ländliche Atmosphäre zum Greifen nahe wirkt.
Gewisse Ereignisse beim Aufwachsen des Kindes wie das mühevolle laute Vorlesen vor der Klasse wiederholen sich mit unterschiedlichem Resultat, womit sich Veränderungen erst langsam abzeichnen. Das Verschwinden des Vaters drängt als ein umso einschneidenderes Ereignis in dessen Biografie. All dies prägt und formt Yusuf in seiner Entwicklung sowie der Wahrnehmung als späterer Künstler. Kaplanoglu gelingt ein stilles, einfühlsames Porträt eines introvertierten Jungen in wunderbaren Bildern, auf dessen getragenen Tonfall man sich aber erst einlassen muss.
| FAZIT
Sensibles, poetisches Vater-Sohn-Drama in betont meditativem Erzählrhythmus und wunderbaren Bildkompositionen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung