Persönlich glaubt Baptistenprediger Reverend Cotton Marcus (Patrick Fabian) nicht an die Teufelsaustreibungen, die er regelmäßig im Süden der USA zelebriert, doch weitere Anfragen für dringende Fälle landen stets aufs Neue in seinem Briefkasten. Mit einem Kamerateam im Schlepptau will er seine eigene Scharlatanerien ein letztes Mal an dem angeblich besessenen Mädchen Nell (Ashley Bell) zelebrieren, um die Leichtgläubigkeit seiner Anhänger zu entlarven. Das Hilfegesuch erreicht ihn von einer abgelegenen Farm, wo man das Vieh eines Bauern (Louis Sweetzer) regelmäßig abgeschlachtet auffindet und seine Tochter blutverschmiert aufwacht. Im Vertrauen, mit dem üblichen religiösen Wahn konfrontiert zu werden, wendet der Reverend seine routinierten Tricks an, doch bald muss der Exorzist feststellen, dass er damit an seine Grenzen stößt.
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| FILMKRITIK
Pseudo-Horror-Dokumentationen zählen im Schauer- und Spukgenre seit dem Erfolg des umstrittenen „Blair Witch Project“ zu jenen vertrauten Stilmitteln, um das Übernatürliche im Alltag zu lancieren. Mit den Mitteln eines Home Videos oder einer TV-Reportage wird zunächst eine harmlos erscheinende Situation eingeführt, um danach den allmählichen Einbruch des Grauens umso nachhaltiger wirken zu lassen. Die Bilder der mitunter ungelenken Handkamera wollen kein gelacktes Hollywoodambiente aufkommen lassen, sondern sollen mit Nahaufnahmen und bewussten Unschärfen eine schaurige Realität vor unserer Haustür suggerieren.
Nach diesem Prinzip funktioniert ebenso der zweite Spielfilm des in Hamburg geborenen Daniel Stamm, der seinen abgeklärten Protagonisten Reverend Cotton Marcus zunächst im heimeligen Umfeld zwischen Familie und Gemeinde einführt. Schnell wird klar, dass der professionelle Dämonenjäger keine Sekunde an seine selbst auferlegt Profession glaubt, aber – pst, nicht weitersagen! Doch Hochmut kommt vor dem Fall. Wenn ein Charakter in einem Horrorfilm allzu deutlich sein Ego erkennen lässt, erhält er bald einen Denkzettel. Als der umtriebige Priester, der seinen Anzug als eine Art Rüstung anlegt, mit Kamerateam ins tiefste Louisiana reist, helfen seine Taschenspielermethoden nur im ersten Moment weiter. Wo Menschen umso bibeltreuer reagieren, hat der Teufel offenbar leichtes Spiel. Nach einem eher unfreundlichen Empfang häufen sich die merkwürdigen, unerklärlichen Vorkommnisse.
Geschickt spielt Stamm mit Zuschauererwartungen, um sie sowohl zu bestätigen als auch zu unterlaufen. Die im Grunde simple Story der Pseudo-Dokumentation beginnt wie eine Parodie auf William Friedkins Klassiker, bis sich das dramatische Geschehen immer stärker zuspitzt. Dabei setzt Stamm im ersten Drittel häufiger auf komische Momente, um eine unbeschwert-sorglose Atmosphäre zu etablieren, während im Verlauf die Spannungsschraube fester angezogen wird. Im Gegensatz zu vielen Fake-Dokus wie „The Last Broadcast“, „The Blair Witch Project“, „Paranormal Activitiy“ oder dem perfekter produzierten „Cloverfield“ zeigt sich die Story wesentlich stringenter angelegt und vermeidet Leerlauf.
Schon im Mittelteil prophezeit eine grausige Zeichnung der offenbar besessenen Nell, welches furchtbare Schicksal den drei Eindringlingen später zuteil werden soll. Man darf sicher sein, dass solche furchtbaren Drohungen im Schreckenskino keine leeren Versprechungen bleiben. Trotzdem haben Stamm und seine beiden Autoren noch ein bis zwei Wendungen in der Hinterhand, um ihrer satanischen Mär ein überraschendes, wenn auch reichlich abruptes Ende zu sichern. Dank gelegentlicher Improvisationen verleihen die glaubwürdigen Darsteller, deren eigener Vorname teils mit ihrem Rollennamen identisch ist, der dichten Spukgeschichte die nötige Rückhand. Ebenso wurden die wenigen Spezialeffekte ökonomisch in die Story integriert, wobei man auf überzogene Einlagen verzichtet. Wer daher auf Goreeinlagen wartet, muss sich einen anderen Schocker suchen, aber daran sollte in diesem Herbst kein Mangel herrschen.
| FAZIT
Clever konstruierte Fake-Horror-Doku rund um vertraute Genremuster zwischen komödiantischer Exposition und grimmigen Finale.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung