Gemeinsam mit seinem Jugendfreund James Coughlin sowie zwei Komplizen raubt Doug MacRay in großen Stil Banken und Geldtransporter aus. Ihr Hintermann, der irische Pate Fergie Colm, versorgt die Bande mit den nötigen Informationen. Das perfekt eingespielte System bekommt eines Tages Risse, nachdem das Quartett bei einem Bankraub mit Geiselnahme die Geschäftsführerin Claire Keesey entführt, um sie kurz darauf wieder frei zu lassen. Nicht ganz zu Unrecht vermutet der gewalttätige James, die im gleichen Viertel von Charlestown lebende Angestellte könnte zu viel aufgeschnappt haben und sie eventuell später identifizieren. Um Unheil abzuwenden, schlägt Doug vor, sich an die traumatisierte junge Frau heran zu machen und sie auszuhorchen. Dabei bleibt es nicht aus, dass sich der gerissene Gangster in die attraktive Zeugin verliebt. Währenddessen kreist die Polizei unter der Leitung des FBI-Agenten Adam Frawley die dreiste Gang immer stärker ein.
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| FILMKRITIK
In seiner zweiten Regiearbeit blieb sich Ben Affleck treu und wählte erneut die Adaption eines Kriminalromans. Während „Gone Baby Gone“ allerdings noch einige überraschende Wendungen bot und moralische Fragen aufwarf, erscheint das Nachfolgeprojekt nach Chuck Hogans Roman „Prince of Thieves“ als weitgehend gradliniges Freundschafts- und Gangsterdrama. Wo Affleck zuvor seinem Bruder Casey die Hauptrolle anvertraute, übernahm er nun selbst den Part des gerissenen Gentleman-Gangsters Doug MacRay, der in die Fußspuren seines inhaftierten Vaters Stephen tritt. Dies ermöglicht Chris Cooper die Gelegenheit zu einem eindrucksvollen, aber nicht unbedingt notwendigen Gastauftritt.
In teils auffälligen, teils unauffälligen Maskierungen vom Polizist bis zur Nonnentracht mit grinsender Fratze verüben Doug und seine drei Komplizen Überfälle auf Geldinstitute, um irgendwann ganz aussteigen zu können. Doch da sich sein vorbestrafter Jugendfreund James als zunehmend gewalttätig entpuppt und der Ex-Eishockey-Profi bald in die unbequeme, attraktive Zeugin Claire verliebt, die James Nackentatoo identifizieren könnte, entsteht zwischen den Kumpanen allmählich ein Konflikt, der Doug zu einer Gewissensentscheidung nötigt. Die Inszenierung konzentriert sich ganz auf die drei Protagonisten Doug/Claire/James, was besonders Jeremy Renner erneut die Chance gibt, als tickende Zeitbombe zu glänzen. Dagegen wirken die restlichen Charaktere eher wie Staffage, darunter Blake Liveley aus „Gossip Girl“ als Dougs drogenabhängige, allein erziehende Gelegenheitsfreundin oder Jon Hamm aus „Mad Men“ als scharf sichtiger FBI-Agent.
Sicherlich bleiben diese Figuren unverzichtbar für den Fortgang der recht vorhersehbaren Handlung, aber vielleicht war ihr Hintergrund in der ausführlicheren Fassung, die Affleck ursprünglich in die Kinos bringen wollte, mit mehr Leben ausgefüllt. Da das jetzige zweistündige Werk allerdings einige Längen aufweist, muss man die Extended Version wohl nicht unbedingt kennen. In der Skizzierung der Bostoner Arbeiterviertel zwischen gemeinschaftsfördernden Bars und schäbigen Hinterhöfen beweisen Affleck und sein häufig auf Handkamera setzender Chef-Operator Robert Elswit reichlich Talent, wobei man sich fragt, warum es schon wieder irische Gangster sein müssen. Was weniger funktioniert, ist das Spannungstiming.
„The Town“ zeigt sich als reichlich uneinheitlich in Tonfall und Stimmung. Auf der einen Seite steht die ausführliche Charakterisierung der Protagonisten und ihres sozialen Umfeldes, auf der anderen zwei lange, reichlich überzogenen Action-Einlagen, als habe der Verleih knallige Bilder für den Trailer benötigt. Schwer wollen die ausgedehnten Schießereinen und Verfolgungsjagden wie aus Jerry Bruckheimers Schmiede zur restlichen, realistischen Erzählhaltung passen. Hier erwies sich der Vorgänger „Gone Baby Gone“ doch eher aus einem Guss.
| FAZIT
Stimmungsvolle, aber uneinheitliche Verbindung von Gangsterthriller und Sozialdrama, der trotz mancher Qualitäten die anvisierten Vorbilder zwischen Michael Mann und Martin Scorsese nicht erreicht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung