Die 15-jährige Mia erweist sich als reichlich widerborstiger Teenager, der ihrer allein erziehenden Mutter wenig Grund zur Freude bereitet. Nachdem die aggressive Jugendliche von der Schule flog, sucht sie mit allen Streit, wobei sich ein Mädchen aus ihrem Block schon einmal eine gebrochene Nase einfangen kann. Mias einziges Interesse gilt dem Hip Hop-Tanz, weshalb sie insgeheim regelmäßig für ein Casting trainiert. Als Mutter Joanne wieder einmal einen neuen Freund anschleppt, reagiert ihre störrische Tochter anfangs mit typischer Ablehnung. Davon lässt sich der sympathische Connor nicht beeindrucken und behandelt sie mit Respekt und Verständnis. Allerdings führt dies dazu, dass Mia in dem attraktiven Neuankömmling bald mehr sieht als nur einen zeiteiligen Vaterersatz.
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| FILMKRITIK
Mit ihren bisherigen Arbeiten offenbarte sich Andrea Arnold als Ausnahmetalent des britischen Kinos, die einen ungeschönten, unsentimentalen Blick auf den Arbeiteralltag zwischen Müllhalden, Sozialwohnungen und unwirtlichen Betonblocks wirft. Nach ihrem Oscar-prämierten halbstündigen Kurzfilm „Wasp“ überzeugte das intensive Thrillerdrama „Red Road“ mit Fragen nach Schuld und Sühne, das Großbritannien als beängstigenden Überwachungsstaat zeichnet. Noch steigern kann sie ihre inszenatorische Brillanz mit dem Coming-Of-Age-Drama „Fish Tank“, welches die logischen Brüche des Vorgängers vermeidet und ein authentisches Bild der englischen Provinz bietet.
Die Handkamera bleibt der jungen Protagonistin Mia, gespielt von Arnolds Entdeckung Katie Jarvis, eng an den Fersen, wenn sie sich mit der blonden gleichgültigen Mutter, der nervigen kleinen Schwester und den gleichaltrigen Nachbarsmädchen im Dauerclinch liegt. In ihrer Wut auf die Welt kanonisieren sich allerdings auch Verzweiflung und Frustration, da kein Ausweg aus der sozialen Sackgasse zu führen scheint. Hier baut Arnold eine einfühlsame Beziehung zur durchaus ambivalent gezeichneten Mia auf, zu ihren Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten. Streckenweise bewegt sich die Filmemacherin auf Ken Loachs cineastischem Terrain, wobei es sicherlich keine Zufall ist, dass sie für die Rolle der Männer verschleißenden Mutter Kierston Wareing wählte, die in Loachs „It s a free world“ eine ähnliche Figur verkörperte.
In Mias Begeisterung für Hip Hop-Beats mit eigener Choreografie mögen Andrea Arnolds Erfahrungen als Ex-Tänzerin eingeflossen sein. Ohnehin spielt Musik eine wichtige dramaturgische Rolle, da Songs die Handlung komplementieren und kommentieren – „California Dreamin“ steht gewissermaßen „Life s A Bitch“ gegenüber. Bei Musik und Tanz finden die fluchende Mia und ihre verhasste, oft betrunkene Mutter gemeinsame Momente der Intimität und unausgesprochenen Kommunikation. Ähnlich doppeldeutig erweist sich die Figur des attraktiven Conner, dem Michael Fassbender eine charismatische Präsenz verleiht. Lange scheint es, als könne er dem Mädchen Halt verleihen und mehr als nur Freundschaft bieten, doch er besitzt ebenso seine Schattenseiten.
Zunächst muss sich Mia ihre Hörner an der bitteren Wirklichkeit abstoßen, um zu sich selbst zu finden, was Arnold mit geschickt aufgebauter Spannung, exakt beobachteten Details und dichten emotionalen Momenten verfolgt. Ihr zweiter Spielfilm gehört zu den stärksten Jugenddramen, zumal sie ihre Charaktere ernst nimmt, durchaus vorhandene Klischees sowie Sentimentalitäten umschifft und ein glaubwürdiges Porträt eines Mädchens auf dem schwierigen Weg zur Adoleszenz liefert. Am authentischsten wirken die Dialoge natürlich im Original, aber aufgrund des gewohnt rauen Dialekts sind Untertitel durchaus von Nöten.
| FAZIT
Meisterhaft inszeniertes, hervorragend gespieltes Jugenddrama um Selbstbestimmung, erste Liebe und enttäuschte Hoffnungen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung