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  • Im Lauf der Zeit

    Drama | Deutschland 1976
  • Originaltitel:
    Im Lauf der Zeit
    Genre:
    Drama
    Deutschlandstart:
    04.03.1976
    Produktionsland:
    Deutschland 1976
    Bilformat:
    1,66:1
    Länge:
    175 Minuten
    FSK:
    ab 18 Jahren

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    • | KURZINHALT

    • Robert setzt seinen Käfer mit Vollgas in die Elbe. Eine Sandbank vereitelt allerdings den halbherzigen Selbstmordversuch. Bei Bruno, der in Kleinstadtkinos Projektoren repariert, findet Robert nicht nur trockene Kleider, sondern durch dessen Freundschaft auch einen Neubeginn. Auf ihrer Reise in Brunos altem Möbelwagen entlang der deutsch-deutschen Grenze reden sie über Sehnsüchte, Frauen, Einsamkeit und Jugenderinnerungen. Sie erkennen – im Lauf der Zeit – welche Möglichkeiten noch vor ihnen liegen...
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    • | CAST & CREW

    Regie:   Wim Wenders
    Buch:   Wim Wenders als Writer  
    Musik:   Axel Linstädt
    Kamera:   Robby Müller
      Martin Schäfer
    Produzent:   Wim Wenders als Producer  
    Darsteller:   Rüdiger Vogler als Bruno Winter  
      Hanns Zischler als Robert Lander  
      Lisa Kreuzer als Pauline  
      Rudolf Schündler als Roberts Vater  
      Marquard Bohm als Mann der seine Frau verloren hat  
      Dieter Traier als Paul  
      Franziska Stömmer als Kinobesitzerin  
      Patric Kreuzer als kleiner Junge  
    • | USERKOMMENTARE

    • Dr. Strangelove| ,,Gefällt Dir der Film nicht?``
    • Der Film beginnt mit „Eine Wim Wenders Produktion“ - der Kenner ruft sich sofort die Filmographie ins Gedächtnis und zählt Wenders sechsten Film - um dann ungewöhnlicherweise das Format bekanntzugeben, „1,66:1 - Breitbild“ und „schwarz/weiß“, damit jeder weiß, woran er ist. Versetzen wir uns einmal ins Jahr 1976 zurück - das menschliche Gehirn ist ja zu mancherlei Gedankenreise fähig - und begeben uns in ein Provinzkino. Falls wir unter den vielen geschlossenen noch ein offenes finden können, werfen wir einen Blick auf die Ankündigungen: die Heimatfilme waren zu Softpornos à la „Auf der Alm da gibts ka Sünd“ oder Gewaltreißern mutiert! Was war geschehen? Der Siegeszug des Fernsehens machte den Kinobesuch entbehrlich und man sah sich alles das an, was im Fernsehen nicht gesendet wurde. Die wenigen - jetzt Porno - Kinos, wurden schlampig betrieben, eine korrekte Bilddarstellung war da nicht so wichtig. Wenders muß sich mit Abscheu seinen neuen Film darin vorgestellt haben, deshalb der deutliche Hinweis des korrekten Formates.

      Der Film darf also in erster Linie als beschwörende Hommage an das klassische Kino gesehen werden, an die Filme Fritz Langs, die vielen Hollywoodfilme mit Mitchum, Cagney und Bogart. Deshalb ist auch der Film schwarz/weiß, um zu zeigen, daß man damals auch ohne Farbe blaue Flecken und Blut darstellen und eine packende Geschichte erzählen konnte.

      Und da sind wir auch schon beim Problem des Ganzen, ich nenne es mal das Wenders-Problem. Er hatte zu Beginn des Drehs wieder nur eine DIN-A4-Seite mit Drehbuch beschrieben. So beginnt der Film spritzig als Road-Movie an der Zonengrenze der Elbe, wo zwei verschwiegene Männer durch das Schicksal zusammengeführt werden (einer hat seine Frau verlassen und der andere ist auch ein erfolglos Suchender) um dann vom Norden Deutschlands nach Bayern zahlreiche - wenderssche - Abenteuer zu erleben - mit der hervorragenden Musik von „Improved Sound Limited“, die mit ihren Gitarrenklängen fast schon „Paris, Texas“ vorwegnehmen. Das hat zur Folge, daß bis zur Mitte des Films immer weniger Schwung in der Geschichte ist - die zwei Hauptpersonen gehen getrennte Wege (der eine stellt sich seinem Vater und der Gutenbergschen Buchdruckerkunst und der andere ins Porno-Kino, scheitert aber an der Kontaktaufnahme zu einem weiblichen Wesen) bis der Dreh des Films selbst für zwei Wochen zum Erliegen kommt, weil Wenders schlichtweg keine Ideen mehr hat und ihm auch das Geld ausgegangen ist. Doch die Muse war ihm hold, und so gewinnt der Film wieder spürbar an Fahrt und Einfällen (wir erfahren einiges über die 2 Hauptdarsteller, was zwar ganz nett, mich aber in keiner Weise zu interessieren vermochte), die den Film bis zum Ende schleppen, obwohl doch eigentlich alles gesagt ist.

      Von den wenigen - aufgrund chronischer Einfallslosigkeit - schlechten Einfällen abgesehen (Rüdiger Vogler legt eine Wust vor laufender Kamera und auch sonst gibt es allerlei männliche Extremitäten zu sehen - irgendwo muß die FSK18 ja herkommen), gibt es sonst nur erfreuliches zu konstatieren. Wenn uns später Kameramann Robby Müller in „Paris, Texas“ zeigt, wo farbenprächtig die amerikanische Wüste sei kann, so segnet er uns hier mit seinem sicheren Händchen für schwarz/weiß, frische Bildkompositionen, einfallsreiche Ausleuchtung und amerikanische Nächte auf rheinischen Inseln, daß einem die Augen übergehen.

      Wenn der Film nach ca. 3 Stunden mit dem Leuchtschild eines Kinos endet, auf dem „WW - End“ zu lesen ist, kommt einem unweigerlich „Ende des Kinos“ aus Godards „Week End“ in den Sinn, bei dem nicht nur das Kino, sondern gleich sein ganzes bisheriges Filmschaffen gestorben ist. Wenders hat seinen relativ storyfreien Stil allerdings später beibehalten und bezieht diesen Bruch nur auf die Kinobranche und sieht sich selbst als filmischen Jesus, der die Blinden wieder sehend macht.

      Fazit: Ein Roadmovie, das in der Mitte nahezu zum Stillstand kommt und mich leider mehrfach einschlafen ließ, aber mit einer interessanten Darstellung der Kinosituation der 70er aufwarten kann. Die restliche Story ist selbst für meine Verhältnisse so langweilig und Aussagefrei, daß nur die geniale Filmmusik und die Bilder des Kameramanns für Tempo sorgen. Mit Wenders Audiokommentar wird der Film ungleich lohnender, weil der Dreh abenteuerlicher und die Personen interessanter als die im Film waren, wo man sich die Infos aus den Bildern ziehen muß. Wenders ist zweifelsohne ein kluger Kopf - bei diesem Film muß ihm der Zuschauer gewachsen sein. Nur für Fortgeschrittene.


    • 25.08.2005 Bewertung:
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