Im englischen Provinznest Ewedown lebt der berühmte Krimiautor Nicholas Hardiment. Er wohnt mit seiner Frau Beth auf der idyllischen Farm Stonefield, auf der er noch andere Schriftsteller beherbergt, die in Ruhe arbeiten wollen. Das Eheglück der Hardiments ist etwas getrübt, weil der Gatte zur Untreue neigt. Auf der verwaisten Nachbarfarm Winnards kehrt mit der jungen und sehr attraktiven Erbin Tamara Drewe aus London wieder Leben ein. Tamara litt in ihrer Jugend unter ihrer hässlichen Nase, die sie mittlerweile einer Schönheitsoperation unterzogen hat, und ist Journalistin. Sie verdreht allen Männern den Kopf, natürlich auch Nicholas und ihrem früheren Jugendfreund, dem Gärtner Andy, sowie dem Schlagzeuger einer Rockband, die im Dorf ein Konzert gibt.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Eine ländliche Ensemblekomödie mit romantischen Verwicklungen ist der neue Film des britischen Regisseurs Stephen Frears. Die Drehbuchvorlage liefert eine Comicgeschichte von Posy Simmonds, die wiederum vom Roman „Am grünen Rand der Welt“ von Thomas Hardy aus dem Jahr 1874 inspiriert ist. In einem englischen Provinznest treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander und die quirlige Handlung frischt die scheinbar heile Welt mit einer guten Prise schwarzem Humor auf.
Der strahlende Dreh- und Angelpunkt des Films ist die attraktive Tamara Drewe, gespielt vom ehemaligen Bond-Girl Gemma Arterton. Wenn sie in ihren Hot Pants und dem roten ärmellosen Top über den Zaun der Stonefield-Farm klettert, um die Nachbarn zu begrüßen, bringt sie einen fast unwirklichen großstädtischen Glanz in die ländliche Beschaulichkeit. Dass Tamara jemals eine andere Nase gehabt haben soll als die hübsche jetzige, ist kaum zu glauben, aber in Rückblenden tritt ein unglückliches Mädchen mit einer großen Nase auf, das Spott und Ächtung erfährt.
Tamara, so lässt einen der Film lange Zeit glauben, ist in ihr Heimatdorf zurückgekehrt, um sich für diese schlimme Jugend zu rächen. Diese Vermutung wird auch dadurch genährt, dass Tamara nichts anbrennen lässt und sogar eine Affäre mit dem viel älteren Nicholas beginnt. Unterhaltsam ist vor allem das Zusammenspiel der sehr verschiedenen Figuren. Gärtner Andy, gespielt von Luke Evans, ist der gute und zupackende Handwerkertyp, Tamaras Schlagzeugerfreund Ben, gespielt von Dominic Cooper, ist der wilde Stadtmensch, der sich auf dem Land fehl am Platz fühlt. Allerdings hat Ben, ohne es zu wissen, zwei glühende Fans im Dorf, die beiden Schulmädchen Jody und Casey. In ihrer Eifersucht auf Tamara schlagen die kleinen Biester ziemlich über die Stränge.
Die Dialoge der beiden Mädchen, die sich schrecklich langweilen und sich als unterprivilegiert empfinden, sind vulgär, gehässig und grenzenlos schwärmerisch in ihren Fantasien über Liebe und Sex. Sie bilden den schwarzhumorigen Pol der Geschichte, wobei auch die arrivierteren Figuren nicht immer harmlos sind. Der Krimiautor Nicholas besitzt außer einem starken Ego auch den typisch englischen trockenen Humor. Roger Allam ist köstlich in dieser Rolle des Snobs und Schürzenjägers. Auch Nicholas’ Ehefrau Beth wird von Tamsin Greig sehr gut dargestellt, als das häusliche und praktisch veranlagte Gegengewicht zum Künstler. Sie hält die ganze Farm am Laufen, bekocht die Gäste und spendet ihnen Trost. Aber wenn sie die Eifersucht befällt, verliert sie den Boden unter den Füßen.
Das Ensemble wird verstärkt durch die schreibenden Gäste der Hardiments, etwa den zaudernden Amerikaner Glen. Im munteren Wechsel von einem Akteur zum anderen legt die Handlung die Reibungspunkte frei und schürt auf spaßige Weise die Konflikte. Eingebettet in die liebliche englische Landschaft, entfaltet sie eine reiche Situationskomik. Allmählich aber fehlt ihr ein wirklicher Mittelpunkt, ist das Ensemblespiel zu wenig auf eine Person oder eine Entwicklung abgestimmt. So plätschert die Geschichte etwas unschlüssig dahin und auch die Witze hätten – schließlich ist dies eine englische Komödie – noch mehr Biss vertragen.
| FAZIT
Unterhaltsame, auf dem englischen Land angesiedelte Ensemblekomödie mit einer Prise schwarzem Humor.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung