Auf Kreta erhält der zum Soldatendienst einberufene Boxer Max Schmeling (Henry Maske) den Befehl, allein einen englischen Kriegsgefangenen zu überführen. Der Inhaftierte erkennt seinen berühmten Feind sofort, der ihm auf dem langen, beschwerlichen Weg seine Lebensgeschichte anvertraut.
Die Rückblende startet 1930 mit Schmelings Kampf gegen den Amerikaner Jack Sharkey, wobei er den Weltmeistertitel im Schwergewicht hauptsächlich aufgrund der Disqualifizierung seines Gegners zugesprochen bekommt und dafür viel Kritik einstecken muss. Zwei Jahre später verliert Schmeling den Titel jedoch durch eine zweifelhafte Entscheidung der Punktrichter wieder. Das skandalöse Urteil ficht den populären Sportler jedoch dank seines privaten Glücks mit der Schauspielerin Anny Ondra (Susanne Wuest) weniger an. Doch als die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernehmen, gerät Schmeling aufgrund seiner Haltung sowie seines jüdischen Managers Joe Jacobs (Vladimir Weigl) schnell ins Visier von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (Arved Birnbaum). Solange der Boxstar erfolgreich im Ring steht, kann er sich noch manches erlauben, aber nach der Niederlage gegen Joe Lewis wird Schmeling sofort ins Heer abgeschoben.
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| FILMKRITIK
Zum ersten Mal nach der Studentenklamotte „Das erste Semester“ mit Christian Kahrmann drehte der als Trashfilmer verschriehene Uwe Boll wieder in deutscher Sprache und in hiesigen Gefilden (unter anderem in Wiesbaden), wobei der Genreregisseur mit der filmischen Biografie des einzigen deutschen Schwergewichtsweltmeisters Neuland betritt. Als Hobbyboxer, der einst seine Kritiker im Ring heraus forderte, um sie zu verprügeln, mag Boll ein besonderes Interesse an dem Stoff entwickelt haben. Dabei ließ er sich nicht nehmen, einem Cameo-Auftritt als Ringrichter zu absolvieren. Ob ihn dies allerdings schon für eine tragende Rolle in seinem nächsten Projekt „Auschwitz“ qualifiziert, bleibt abzuwarten.
Boll immer noch als „schlechtesten Regisseur der Welt“ zu bezeichnen, ist allerdings an den Haaren herbei gezogen. Seine letzten Independentproduktionen liefern trotz einer weiterhin ausgeprägten Vorliebe für drastische Gewaltdarstellung diskussionswerte Ansätze. Man muss jedoch attestieren, dass die Qualität seines bislang besten Films, dem dichten Antikriegsdrama „1968 Tunnel Rats“, besonders auf die Leistungen des jungen Darstellerteams, das die Dialoge mit Boll entwickelte, und seines dauerhaften Kameramannes Mathias Neumann zurück zu führen ist. Letzter lieferte in „Max Schmeling“ erneut stimmige Bilder, wobei die Übergänge von Archivaufnahmen zu neu gedrehtem oder nach gestelltem Material weniger überzeugen kann. Dagegen zählen die furiosen Boxsequenzen zu den positiven Aspekten, die einen fühlbaren Eindruck der Schweiß treibenden Anstrengungen vermitteln und Dynamik in die Inszenierung bringen, die ihr an anderer Stelle fehlt.
Wo sich Boll bei aktuellen Produktionen wie „1968 Tunnel Rats“ oder dem drastisch-zermürbenden Kammerspiel „Siegburg“ auf seine teils unbekannten Akteure verlassen konnte, verbreiten hier manche Darsteller eher unfreiwillige Komik, wie etwa Bolls Regiekollege RP Kahl in den wenigen Szenen als Propagandaminister Joseph Goebbels. Eine solide Leistung liefert Heino Ferch als Schmelings Trainer Max Machon, und Arved Birnbaum ragt als feister Reichssportführer aus dem Team heraus, während Susanne Wuest als blonde Anny Ondra blass bleibt und Christian Kahrmann als Hitlers Adjutant überfordert wirkt. Ohnehin scheint es, als beständen die Nazis nur aus einer Handvoll Leuten, da Kahrmann oder Birnbaum ständig auftauchen.
Zwar mag die Verpflichtung von „Gentleman“ Henry Maske für die Titelrolle des unter den Nationalsozialisten in Ungnade gefallenen Boxstars ein besonderer PR-Coup sein. Doch trotz dessen Schauspielunterricht bei Arved Birnbaum kann der Akteursneuling lediglich in den Ringszenen überzeugen, wo ihm Boll weitere Profis aus der Boxszene als Gegner zur Seite stellt. Maske deklariert seine Dialoge wie auswendig gelernt - ohne Gespür für Nuancen und Betonungen. In diesem Bereich gehört Uwe Boll wohl nicht zu den Filmemachern, die aus den Schauspielern Höchstleistungen heraus kitzeln können. Sein Talent liegt mehr in der Choreografie von Massenszenen und Actioneinlagen, was er erneut unter Beweis stellt.
Insgesamt bleibt die Inszenierung nicht frei von Längen, was man gleichfalls auf das mitunter Klischee geladene Drehbuch zurück führen kann. Max Schmeling wirkt streckenweise reichlich naiv im Umgang mit den Nationalsozialisten und weit weniger humorvoll, als er in Wirklichkeit auftrat, doch das mag unter erzählerische Freiheit fallen. Dem Budget scheint dagegen der Einfall geschuldet sein, alle Boxkämpfe vom gleichen deutschen Radioreporter kommentieren zu lassen. Der Zuschauer darf daher beim letzten Fight erleichtert sein, dass dieser den Krieg heil überstand und immer noch die gleichen Sprüche auf Lager hat.
| FAZIT
Akzeptable, aber sowohl inszenatorisch als auch darstellerisch uneinheitliche Biografie des deutschen Boxidols, die nicht frei von unfreiwilligem Humor und Längen ist.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung