Joanna und Michael Reed sind ein junges Ehepaar in New York, in dessen Beziehung sich die Eifersucht schleicht. Die kommt daher in Gestalt von Michaels Arbeitskollegin Laura. Auf einer Party beobachtet Joanna die attraktive Frau und die Art, wie Michael mit ihr umgeht. Zu Hause macht Joanna ihrem Mann eine Szene, doch er beteuert, keine Affäre mit der Kollegin zu haben. Am nächsten Tag fährt Michael mit Laura geschäftlich nach Philadelphia und versucht einen ganzen Abend lang, Lauras Reizen zu widerstehen.
In New York begegnen sich in der Zwischenzeit Joanna und Alex wieder. Die beiden hatten vor Jahren in Paris eine kurze Beziehung, und es stellt sich heraus, dass sie sich immer noch sehr mögen. Auch Joanna versucht, ihrem Mann während des Abends und der Nacht mit Alex treu zu bleiben.
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| FILMKRITIK
Um eheliche Treue und Versuchung geht es in dem Beziehungsfilm „Last Night“, einer französisch-amerikanischen Produktion. Das Regiedebüt der Drehbuchautorin Massy Tadjedin nimmt die moralischen Vorstellungen eines verheirateten Paares unter die Lupe, die Angst von Joanna und Michael, vom Partner betrogen zu werden oder selbst zu betrügen. Beiden begegnet im Laufe einer Nacht die Verlockung, untreu zu werden. Und beide zerbrechen sich die Köpfe darüber, ob sie das dürfen oder nicht. Weil das den ganzen Film über so geht und zwar fast ausschließlich in Form von Gesprächen, kommen einem die Figuren ziemlich überspannt vor.
Treue und Betrug sind Begriffe, die erfunden wurden, damit es in Beziehungen nicht langweilig wird, damit der Geist liebender Menschen dauernd Probleme wälzt und damit Leute, die sonst nicht wüssten, wie das mit der Partnerschaft läuft, ein moralisches Regelwerk an die Hand bekommen. Ohne diese Begriffe und die Katastrophen, die sie in menschlichen Herzen auslösen können, gäbe es die großen Dramen in der Literatur nicht, das ist wahr. Aber ohne sie wäre es auch niemals zu einem nichtssagenden Film wie diesem gekommen.
Wenn die erfolgreichen, angesehenen Eheleute Joanna und Michael, jeder für sich eine Nacht lang das Für und Wider eines Seitensprungs abwägen, wirken sie wie Kinder, die Erwachsensein spielen. Im ständigen Wechsel der beiden Handlungsorte verfolgt die Geschichte Michael und Laura in der Bar und im Hotelpool, Joanna und Alex im Restaurant, auf der Straße, in Küche und Schlafzimmer. Wie lang eine Nacht sein kann, beweist sich dabei eindrucksvoll, während die Paare nicht aufhören, nach der für sie immer noch reizvollen Möglichkeit eines Seitensprungs zu schielen. Joanna und Alex haben so starke Gefühle füreinander, dass schon ein Austausch von Blicken irgendwie bedeutet, Michael zu betrügen. Oder darf Joanna das ohne Schuldgefühl?
Die Schauspielerriege, die sich mit solcher Pseudodramatik herumschlägt, ist namhaft: Sam Worthington spielt Michael, Kollegin Laura wird von der Leinwandverführerin Eva Mendes dargestellt, die hier aber nicht nur sexy ist, sondern auch nachdenkliche Töne anschlagen kann. Der französische Charmeur Guillaume Canet spielt Alex. Joanna schließlich, die eigentliche Hauptfigur und der schwierigste Charakter, wird von Keira Knightley gespielt: Die Darstellerin schafft den Spagat, Joanna sowohl als unreife Nervensäge erscheinen zu lassen, als auch mit ihrem Charisma auszustatten. Wenn Joanna auf dem Küchentisch sitzt und sich zum hundertsten Mal auf ihre Anmut und ihre geistreiche Konversation verlässt, muss man ihr, wenn auch höchst widerwillig, Glauben schenken.
| FAZIT
Die Nacht ist lang und das Warten auf den Seitensprung lohnt sich nicht, denn die gewälzten Skrupel dieses Ehepaars bringen keine neuen Erkenntnisse.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung