Montag | 28. Mai 2012 | 13:36 Uhr
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  • FILM REVIEW | The Road
  • The Road

    Thriller, Drama | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Nach einer weltweiten Umweltkatastrophe bleiben von der menschlichen Zivilisation lediglich rudimentäre Bestandteile übrig. Da kaum noch Vorräte übrig sind und alles tierische sowie pflanzliche Leben abstarb, ziehen plündernde, mordende Horden durch die Gegend, die sich inzwischen von Menschenfleisch ernähren. Durch dieses zerstörte Reich wandern ein Mann und sein Sohn mit ihrem spärlichen Besitz, nachdem die verzweifelte Ehefrau längst Selbstmord beging. Inmitten einer von Abfall, Verwesung und Verzweiflung dominierten Umgebung versucht der Vater dem Sohn einen Rest an Mitgefühl und Optimismus zu vermitteln.
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      • | FILMKRITIK

      • Cormac McCarthy gehört zu jenen Schriftstellern, die ihre Werke um Charaktere am Rande der Gesellschaft zwar häufig in Genrebereichen ansiedeln, aber konventionelle Erwartungen konsequent unterlaufen. Während „All die schönen Pferde“ (verfilmt von Billy Bob Thornton) mit dem Westernmythos spielt und „Kein Land für alte Männer“ (adaptiert von den Coen Brüdern) über Strecken als Thriller funktioniert, kann man seinen jüngsten Roman „Die Straße“ von 2006 durchaus dem Science Fiction-Sektor zurechnen. Allerdings konzentriert sich die einfache Geschichte mit einer überschaubaren Anzahl an Charakteren weitgehend auf die Beziehung und den Überlebenskampf eines Vaters und seines Sohnes. John Hillcoats Adaption entstand zwar im Umfeld ähnlicher Endzeitfilme wie „I Am Legend“ oder „The Book of Eli“, doch letztlich setzt er sich davon durch einen weitgehenden Verzicht auf Action und Tempo ab.

        Das elegische Endzeitdrama dreht sich um die verzweifelten Überlebensversuche des entkräfteten Duos, sowohl in physischer als auch psychischer Weise. Im Gegensatz dazu hielt die von Charlize Theron gespielte Mutter den Druck einer destruktiven Welt nicht mehr aus und beginn Selbstmord. Zunächst dienen die Licht durchfluteten, hellen Rückblenden, stets in Traumsequenzen eingeflochten, als Kontrast zur düster-dreckigen Gegenwartshandlung, doch auch hier holt die Erinnerung an die ökologische Katastrophe bald die nostalgische Stimmung ein. Während der Roman in einer Art nuklearem Winter angesiedelt ist, wo die komplette Umgebung durch eine Rußschicht bedeckt war, wirkt Hillcoats Verfilmung mehr in einer apokalyptischen Herbstlandschaft verankert. Den Bildern wurde im Verlauf verstärkt alle Farben entzogen, so dass die Fotografie fast monochrom erscheint.

        Zwar dient die Waffe, welche der Mann bei sich trägt, im Notfall zur Verteidigung, aber mehr ist sie dafür gedacht, in finaler Konsequenz Selbstmord zu begehen. Um dem Kind ein Schicksal als Kannibalenopfer zu ersparen, wappnet sich der Vater stets für den Extremfall, so dass er in allen brenzligen Situationen den Revolver nicht zuerst gegen den Feind, sondern gegen sie selbst richtet. Ohnehin entspricht der von Viggo Mortensen mit Mut zur Hässlichkeit verkörperte Protagonist kaum dem gewohnten Heldenbild. Im Verlauf der Odyssee droht er selbst seine (Mit-)Menschlichkeit zu verlieren, welche er dem Sohn vermitteln wollte, wenn er etwa einen Dieb nackt in der Wildnis zurück lässt, was für diesen im Grunde der sichere Tod bedeutet. Hier agiert eher der von Kodi Smit-McPhee gespielte Sohn, der Charlize Theron erstaunlich ähnlich sieht, als moralischer Gegenpol. Obwohl ihm der Vater verbissen die Härte des Überlebenstrainings beizubringen versucht, bewahrt sich der Junge Werte wie Verständnis und Nächstenliebe.

        Während die erste Hälfte mit der Konfrontation von marodierenden Banden noch zahlreiche Spannungsmomente aufweist, konzentriert sich der zweite Abschnitt des mythischen Road Movies stärker auf die Begegnung mit einzelnen Charakteren wie einem halb blinden, älteren Wanderer, der zunehmend schwierig verlaufenden Beziehung zwischen Vater und Sohn sowie auf wenige optimistische Glücksmomente. Für die Besetzung selbst kleinster Rollen konnte Hillcoat mehrere prominente Darsteller gewinnen wie Robert Duvall als skurriler Lumpensammler, Molly Parker oder Guy Pearce, der schon bei dessen (Anti-)Western „The Propostion“ mit von der Partie war. In seiner Spannungskurve war der ebenso sperrige Vorläufer allerdings stilsicherer aufgebaut, und Nick Caves Soundtrack wirkte weitaus stimmiger. Das einzige Manko besteht eben darin, dass Caves Score besonders im Endteil zu sentimental und kitschig für die trostlose, dunkle Handlung ausfällt. Ob man das (halbe) Happy End als real begreifen oder angesichts der vorher gehenden nihilistischen Geschehnisse als Traum verstehen will, liegt ganz im Ermessen des Zuschauers.
      • | FAZIT

      • Existenzielles, post-apokalyptisches Road Movie über den Erhalt von Vertrauen und Moral in einer zerfallenen Endzeitwelt mit hervorragenden Darstellern, aber einem zu süßlichen Score.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 6.4/10 (20 votes)

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