Eine wahre Geschichte: Kaum einer weiß, wer Valerie Plame wirklich ist. Nur ihr Ehemann Joe Wilson, ehemaliger US-Diplomat, und ihre Eltern sind eingeweiht, dass sie eine der Top-Agentinnen der CIA ist. Anfang der 2000er Jahre ist sie auf den Irak angesetzt und auf die Frage, ob Saddam Hussein an einem geheimen Massenvernichtungswaffenprogramm arbeitet. Sie und ihre Kollegen kommen zu dem Schluss, dass dies höchst unwahrscheinlich ist; wichtiger Teil ihrer Indizienkette: Eine Reise von Joe Wilson in den Niger, wo er nach Beweisen für eine Uranlieferung in den Irak suchen soll – und keine findet.
Der Bush-Regierung passt dieses Ergebnis nicht in den Plan, und in einer Regierungserklärung behauptet der Präsident schlichtweg, dass es die fragliche Uranlieferung auf jeden Fall gegeben habe… Wilson ist sauer, erklärt öffentlich, dass der Präsident gelogen hat. Und kurzerhand wird seine Frau als Agentin enttarnt, von der eigenen Regierung. Das ist unerhört, Wilson kämpft einen medialen und juristischen Kampf – und Valerie Plame ist verzweifelt, in der Öffentlichkeit ist sie und ihre Familie gefährdet; wie soll sie umgehen mit der Illoyalität der Regierung, mit ihrer eigenen Verschwiegenheitspflicht, mit dem Streit mit ihrem Mann um das weitere Vorgehen?
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| FILMKRITIK
Valerie Plame sei „fair game“, heißt es im Film einmal von Seiten des Weißen Hauses: man hat nur ausgeteilt, was man vorher einstecken musste, von Joe Wilson, Plames Ehemann; Valerie ist mit Wilsons illoyaler Indiskretion zum Abschuss freigegeben. Dahinter steckt einer der vielen großen Skandale der Bush-Regierung, die in Folge von 9/11 und dem übergroßen Skandalon des Irak-Krieges vonstatten gingen: Valerie Plame ist CIA-Agentin seit 18 Jahren, und sie ist nicht die Schlechteste. 2001 ist sie in der Task Force, in der es um mögliche Massenvernichtungswaffen in Saddams Irak geht; im Zuge dessen reist ihr Mann, ehemaliger US-Botschafter, nach Niger, von dort soll laut einer Quelle ein großer Uran-Transport in den Irak stattgefunden haben. Wilson findet keinen Beweis, eher starke Hinweise, dass dieser Handel schon aus logistischen Gründen niemals hat stattfinden können. Trotzdem behauptet George W. Bush in seiner Rede zur Lage der Nation, dass sich Saddam kürzlich in Afrika mit Uran eingedeckt habe… Eine glatte Lüge, die Wilson öffentlich als solche benennt, woraufhin – ein einmaliger Vorgang – aus dem Büro des Vizepräsidenten heraus Plame als Agentin enttarnt und damit in Gefahr gebracht wird.
Doug Liman nimmt sich des Falles an, und das Gute ist, dass er sich nicht einfach zu einem weiteren Bush-Bashing hinreißen lässt. Nein: er beschreibt zunächst ganz einfach die Arbeit der CIA, die Kontaktaufnahmen, das Rekrutieren von Informanten, die Arbeit mit den Akten, die Gespräche und Besprechungen, die zu Einschätzungen der Lage führen… Und dann die Kompetenzstreitigkeiten, das Misstrauen der Behörden untereinander, das Instrumentalisieren der geheimdienstlichen Erkenntnisse, die Beeinflussungsversuche der Politik; und wie aus einem „höchstwahrscheinlich nein“ ein „mit Sicherheit ja“ wird.
Diese Innensicht der „Firma“ – auf sich selbst und auf die Weltlage Anfang des Jahrhunderts – gewannen Liman und seine Autoren Jez und John-Henry Butterworth weniger aus den Akten oder den Memoiren von Wilson und Plame – die von der CIA zensiert wurden, weil viele Informationen als geheim eingestuft sind – denn aus langer persönlicher Recherche, aus Interviews und Hintergrundgesprächen. Daraus destillieren die Butterworths einen spannenden Plot, in dem es um die Ehe Wilson/Plame ebenso geht wie um die Erkenntnisse der CIA – wobei keine Enthüllungen, keine sensationellen Neuigkeiten offenbart werden, sondern sich der Blick vor allem auf zwei Bush-Argumentationen im Vorfeld des Irakkriegs konzentriert: die angebliche Niger-Irak-Connection und der Import von Aluminiumröhren in den Irak, von denen die US-Regierung auf jeden Fall behaupten möchte, dass sie ausschließlich für Anlagen zur Urananreicherung verwendbar seien…
Zwei der Lügen, die zum Krieg führten, die Liman mit unbedingtem Willen zum Realismus, damit zur Glaubwürdigkeit des Films, in Szene setzte. Er filmte an Originalschauplätzen im Nahen Osten – sogar für einen Tag in Bagdad –¸ verwendet Fakten und originale Nachrichtenausschnitte, erzeugt ein realistisches Chaos der Medienkommentare und Einschätzungen, und filmt das alles in seiner typischen Art der wackligen Kamera – das freilich wirkt dann doch stark übertrieben, wenn es Ruckler gibt, die es bei normalem Gebrauch einer Schulterkamera nicht geben dürfte: Über-Manierismus, der der Intention schadet.
Dramaturgisch freilich gelingt die Verdichtung dieser Faktenlage zu einem packenden Thriller – zumindest in den ersten zwei Dritteln. In der letzten halben Stunde geht Liman einen neuen Weg, hin zum Ehedrama, es geht um Emotionen und Befindlichkeiten von Plame und Wilson zueinander, die nach der Enttarnung von Plame auf verschiedenen Wegen – des Rückzugs und des Schweigens versus die Einbindung von Öffentlichkeit und Justiz – wandeln und auseinanderdriften. Hier versandet der Film, und es bleibt am Ende der Appell an den Zuschauer, gute Amerikaner zu sein und nicht wegzuschauen, wenn Unrecht geschieht, sei es ein Diebstahl in der Nachbarschaft oder eine Lüge in einer Rede des Präsidenten.
| FAZIT
Ein realistischer und authentischer Agententhriller nach einem wahren Fall, nach einem der vielen Skandale der Bush-Regierung; leider versteift sich Doug Liman im letzten Drittel zu sehr auf das Ehedrama.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung