Montag | 28. Mai 2012 | 10:03 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Geliebtes Leben
  • Geliebtes Leben

    Drama | Deutschland / Südafrika 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Das zwölfjährige Mädchen Chanda (Khomotso Manyaka) lebt im provinziellen südafrikanischen Township Elandsdoorn. Mit dem Tod ihrer kleinen Schwester ändert sich Chandas Leben schlagartig. Im Dorf kommen immer mehr Gerüchte über den ungeklärten Tod und über ihre Familie auf. Es wird über Flüche und Krankheiten getuschelt. Dass Chandas Mutter Lilian (Merato Mvelase) wahrscheinlich mit HIV infiziert ist, ist ein Tabuthema das niemand ausspricht.

    Chanda muss nun versuchen, den familiären Alltag für ihre beiden verbleibenden jüngeren Geschwister aufrecht zu erhalten. Währenddessen wird ihre Mutter immer schwächer und auch Chandas Stiefvater Jonah (Aubrey Poolo) ist keine Hilfe. Dieser macht Lilian für den Tod seiner Tochter verantwortlich und gibt sich seiner Trinksucht hin, schließlich verschwindet er ganz.

    Für die Schule bleibt Chanda keine Zeit mehr. Sie ist nun fast ganz auf sich allein gestellt. Zusammen mit der Nachbarin Mrs. Tafa (Harriet Manamela) sucht sie einen angeblich vertrauenswürdigen Doktor auf, doch Chanda durchschaut dessen Scharlatanerie schnell. Im Township kommen indes immer mehr Gerüchte auf, so dass sich Lilian entscheidet, ihre Familie an ihrem Geburtsort bis zu ihrer vermeintlichen Gesundung aufzusuchen. Bald wird Chanda klar, ihre Mutter ist gegangen und zu sterben. Allein gelassen mit ihren Geschwistern muss sie eine wichtige Entscheidung treffen.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Für die Beerdigung ihrer einjährigen Schwester muss sich die zwölfjährige Chanda einen Sarg aussuchen. Der Leichenbestatter führt das Mädchen in einen Raum voller vorgefertigter Kindersärge, einige mit Samt ausgepolstert. Kindersterben ist in der südafrikanischen Provinz keine Seltenheit, nur über die Ursachen vermag dort niemand zu sprechen. Familien, in denen HIV-Infektionen vorkommen, gelten als unrein und werden von den Anderen gemieden. Dieses Tabu hat seinen Preis: Chandas Nachbarin hat ihren Sohn verloren und ihre beste Freundin Esther beide Eltern. Immer wieder versucht man, die wahren Todesursachen zu verschweigen.

        Auch Chanda will zunächst die Fassade aufrechterhalten und tut alles Nötige, um den Anschein einer gesunden und intakten Familie bestehen zu lassen. Beim Besuch eines renommierten Arztes erkennt Chanda die Falschheit ihrer Umgebung. Im Gegensatz zu den Patienten kann sie lesen: Alle vermeintlichen Diplome an den Wänden des Doktors sind Auszeichnungen eines Pharmakonzerns – als einer der erfolgreichsten Verkäufer von deren Medikamenten. Bald lernt Chanda das Schreckliche auszusprechen und über Aids zu reden.

        „Geliebtes Leben“ schiene da ein zynischer Titel, ginge es in dem Film nicht auch um das Erwachsenwerden Chandas in einer schwierigen Situation. Sie muss sich um ihre beiden Geschwister kümmern, ihre kranke Mutter pflegen, ein anständiges Bild vor der Nachbarschaft wahren und gleichzeitig ihrer besten Freundin Esther helfen, die eines Nachts nach einer Vergewaltigung blutüberströmt zu ihr kommt und ihre Hilfe sucht. Der Film zeichnet ein eindringliches und realistisch wirkendes Bild des ländlichen Südafrikas. In einer Gesellschaft voller Aberglauben und Tabus braucht es Mädchen wie Chanda, die mutig um Würde und Anerkennung kämpfen.

        Trotz der niederschlagenden und auch schockierenden Thematik ist „Geliebtes Leben“ kein trauriger Film. Immer wieder wird auch der kulturelle Reichtum Südafrikas gezeigt. Wir sehen Tänze, Rituale und nicht zuletzt beeindruckende Landschaften. Selbst der Müll, der durch Chandas Dorf weht, ist poetisch ins Bild gesetzt, wenn Plastiktüten im goldenen Wüstenstaub weggeweht werden. Einen Kontrast zur Weite der Landschaften bilden die engen und kleinen Häuser des Dorfes. Aus Fenstern und durch Türrahmen hindurch betrachtet Chanda das Geschehen um sie herum. Oft erkennen wir ihr Gesicht nur als Konturen in schimmerndem Glühbirnenlicht oder Feuer. Mit Großaufnahmen fokussiert „Geliebtes Leben“ die Emotionen seiner Figuren und porträtiert eine fremde Gesellschaft, die uns am Ende des Films ganz vertraut ist.
      • | FAZIT

      • Interessante und hautnahe Schilderung aus Südafrika.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Julius Pöhnert

      • | Userwertung

      Wertung: 5.5/10 (2 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN