Montag | 28. Mai 2012 | 10:05 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Machete
  • Machete

    Thriller, Action | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Machete ist seinem Erzfeind, den Drogen-Tycoon Torrez (Steven Seagal), hart auf der Spur, doch der hat einen Trumpf in der Hand: Machetes Familie…
    Jahre später in den USA: Machete, illegaler Einwanderer, wird angeheuert, den reaktionär-konservativen Senator McLaughlin (Robert De Niro) zu erschießen, der ein hartes Vorgehen gegen Illegale fordert – doch das ist eine Falle, Machete wird verraten, und durch das missglückte Attentat wird McLaughlins Wahlkampf entscheidend befeuert. Doch die Drahtzieher haben nicht mit Machete gerechnet, der zusammen mit der Revoluzzerin Luz (Michelle Rodriguez) und der Polizistin Sartana (Jessica Biel) und seiner Machete in der Hand die Verschwörer jagt. Da macht es ihm nichts aus, dass Don Johnson von einer militanten Bürgerwehr hinter ihm her ist; dass er von der Polizei gejagt wird; und dass hinter allem Torrez steckt, stachelt ihn umso mehr an. Dass er Lindsay Lohan im Pool näherkommen kann, ist willkommener Nebeneffekt bei all dem Töten.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Es ist selten, dass ein Film das hält, was der Trailer verspricht. Und ziemlich einmalig ist wohl, dass der Film erst drei Jahre nach dem Trailer herauskommt; dass der Trailer, Teil eines anderen Projektes, als Gag gemeint war und nun seinen eigenen Film nach sich zieht – wobei manche Einstellungen im 2007er Fake-Trailer jetzt eins zu eins im fertigen Langfilm auftauchen, so dass unklar bleibt, welche und wieviele Szenen Rodriguez eigentlich damals schon gedreht hat; andere Bilder des Trailers wurde im Film ersetzt, vor allem, weil Rodriguez einen Star-Cast um sich versammeln konnte.

        Das Phänomen des Fake-Trailers, der zu einem wirklichen Film führte, hat mit der Eigenart des „Grindhouse“-Doublefeatures von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino zu tun, die 2007 mit „Planet Terror“ und „Death Proof“ die alten Zeiten des Mitternachts- und Bahnhofkinos wiederbelebten; und es hat mit der Einzelstellung zu tun, die Robert Rodriguez im Filmbusiness innehat. In seinem eigenen Studio in Texas kann er machen, was er will; weil er mit seinen abwechselnden Produktionen von Kinderfilmen und erwachsen-pubertären Gewalt-Hommage-Nostalgie-Genre-B-Filmen efolgreich ist, kriegt er sie auch finanziert. Das meiste macht er selbst: Buch, Regie, Special Effects, Musik… Und so kann er verwirklichen, was er möchte. Zum Beispiel eine mexikanische Heldenfigur kreieren namens Machete, wovon er schon seit „Desperado“-Tagen vor 15 Jahren träumte.

        Machete ist hart, schweigsam, unbewegt, traumagestählt: Seine Familie wurde vor seinen Augen geköpft, er lebt jetzt illegal in den USA, zurück nach Mexiko kann er nicht; und von seinem Tagelöhnerjob tappt er unversehens wieder in einen Plot, der sich als Falle herausstellt, aus der er sich mit einer Menge Machete-Hieben heraushauen muss. Die Frauen liegen ihm zu Füßen.

        Es gibt eine Menge unglaubliche Szenen in diesem Film: unerhörte Gewalttätigkeiten mit diversen scharfen Gegenständen, die verschiedene Körperteile abtrennen; viele Schießereien, Explosionen, Splattereffekte; eine Menge nackte Haut; viele Stars, die ganz außergewöhnliche Performances hinlegen. Das ist ungeheuer witzig; und das raffinierte ist, dass Rodriguez den Film niemals auf Komödie anlegt (außer ein paar typischen Comic-Relief-Scherze, die es in jedem Actionfilm gibt), dass er seine Gags nicht als Witz erzählt, sondern dass er auf ironische Weise todernst bleibt.

        Genau dadurch bleibt der Film sich selbst treu: der eben überhaupt nicht Parodie sein will und es auch nicht ist, dafür wahrhaftige Hommage ans 70er-Jahre-Exploitationkino; und eher daraus eine Sprengkraft bezieht, im wahren Sinn des Wortes.

        Machete ist der Held, unverwundbar, unsterblich: ein Mythos, der durch die aktuellen US-Politdiskurse wandelt um Krieg gegen Drogen, Krieg gegen illegale Einwanderer, um die ultrakonservativ-reaktionäre Rechte, um Korruption, um menschenverachtende Macht, die über Leichen geht. Dagegen setzt Rodriguez eine mythisch-exploitativ-radikal-drastische Revolutionsutopie: denn dies ist, ganz klar, ein Revolutionsfilm, der durchaus dem gewaltsamen Umsturz in einem falsch funktionierenden System namens USA das Wort redet; und ob das ironisch gemeint ist?

        Rodriguez fügt eine Menge Coolness hinzu, viel Testosteron in Form von Gewalt und machohafter Männlichkeit – das nun wieder eindeutig ironisch –, und genau diese Mischung gab es vor 35, 40 Jahren auch im Grindhousekino: in Blaxploitation, Italowestern, B-Actionkracher. Rodriguez überführt das in eine heutige Atmosphäre, zu einem veritablen, krassen Actionfilm, ohne dabei in die Postmodernefalle der Uneigentlichkeit zu geraten.

        Am Ende kündigt der Film seine Fortsetzungen an: „Machete Kills“ und „Machete Kills Again“; und ach, wie gerne sähen wir auch einen Langfilm zum Faketrailer von „Werewolf Women of the SS“!
      • | FAZIT

      • Gewalttätiger Revolutionsfilm, ironische Hommage, veritabler Actionkracher: Rodriguez hält in seinem Film, was der Fake-Trailer versprach.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (33 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN