Montag | 28. Mai 2012 | 10:07 Uhr
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  • FILM REVIEW | Wall Street 2: Geld schläft nicht
  • Wall Street 2: Geld schläft nicht

    Thriller, Drama | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Nach langjähriger Haftstrafe wird der einst mächtige Finanzmogul Gordon Gekko (Michael Douglas) aus dem Gefängnis entlassen. Seine Tochter Winnie (Carey Mulligan) lehnt jedoch jeden Kontakt ab, da sie in ihm den Verantwortlichen für den Tod ihres Bruders Rudy sieht. Auch die Welt der Börsenkurse ist längst nicht mehr die gleiche wie vor acht Jahren, so dass Gekko sich wie ein Außenseiter fühlt. Dagegen sucht der junge Aktienhändler Jake (Shia LaBeouf), der inzwischen mit Winnie zusammen lebt, den Kontakt zum legendären Finanzhai. Nach dem durch Gerüchte forcierten Zusammenbruch der Firma Keller Zabel und dem einher gehenden Selbstmord seines Mentors steht Jake plötzlich mit hohen Schulden da. Deshalb bietet er Gekko an, ihm bei der Wiederannäherung an seine Tochter behilflich zu sein und hofft dafür auf wichtige Insider-Tipps aus der Börsenwelt. Gekko gibt sich abgeklärt und ernüchtert, lässt sich aber letztlich nicht wirklich in die Karten sehen.
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      • | FILMKRITIK

      • Längst kann Oliver Stone keine Kassenschlager wie in den Achtzigern und Neunzigern mehr vorweisen, weshalb er inzwischen patriotische Melodramen wie „World Trade Center“ oder Fortsetzungen einstiger Hits wie „Wall Street“ dreht. Doch in diesem Fall macht es durchaus Sinn, das weitere Schicksal eines Charakters wie Gordon Gekko zu verfolgen, der zum Synonym des kapitalistischen Systems, der undurchsichtigen Aktiengeschäfte und der kurzzeitigen Börsenerfolge wurde. Deshalb lässt Stone schon in einer der Anfangssequenzen des zweiten Teils Computer generierte Seifenblasen in den Himmel steigen, die ebenso schnell zu platzen vermögen wie die hochfliegenden Träume einiger egoistischer oder zu naiver Charaktere.

        Zunächst steht allerdings der aufstrebende Aktienhändler Jake Moore im Vordergrund, der für die Firma Keller Zabel Investments arbeitet und mit Gekkos Tochter Winnie zusammen lebt. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vater wird die junge Frau nicht vom Spekulantentum angezogen, sondern von Idealismus und dem Wunsch, nachhaltige soziale Veränderungen zu bewirken. Daher erscheint es verwunderlich, dass die von der talentierten Carey Mulligan verkörperte Politjournalistin ausgerechnet mit einem Broker zusammen lebt. Immerhin bewundert sie Jakes Engagement für umweltfreundliche Energien. Für solche Unternehmungen hätte Gordon Gekko sicherlich kein Verständnis gezeigt, doch als der wegen Betrugs und Geldwäscherei verurteilte Broker aus dem Gefängnis entlassen wird, agiert er desillusioniert und nüchtern.

        Wo Gekko früher „Greed is good“ pries, setzt er nun ein Fragezeichen hinter seinen einstigen Leitspruch, der gleichzeitig auf dem Titel seines neuen Buchs prangert. Nun trägt der abgeklärte Finanzmagnat legerere Kleidung, fährt mit der Metro und schwört scheinbar dem raschen Geldverdienen ab. Vielmehr sei Zeit das wertvollste Gut, weshalb er wieder Kontakt zu seiner abweisenden Tochter sucht. Jetzt trifft es sich bestens, dass Jake Moore nicht nur von plötzlichen Schulden geplagt wird, sondern auch eine Vaterfigur in Person seines Mentors Louis Zabel (Frank Langella) verlor. Zweifelhafte Gerüchte brachten Keller Zabel einen schlechtem Ruf und den finanziellen Ruin ein, weshalb die Firma unter Wert übernommen wurde und Zabel im Selbstmord den einzigen Ausweg sah.

        Im Zigarre rauchenden Investmentbanker Bretton James bauen Stone und seine Autoren einen aalglatten Gegenspieler auf, der zunächst den smarten Jake ebenfalls auf seine Seite bringen will. Doch der junge Mann wird weiterhin wie von Zabels Geist verfolgt und sucht eine Allianz zu Gekko, an dessen ehrenwerten Motiven zunächst kaum zu zweifeln ist. Stone lässt allerdings keinen Zweifel, dass die Zeit der Finanzgenies alten Schlages unweigerlich vorüber ist. Heute regieren Macht und Gier der Banken das Geschehen, die dem Markt ihre gnadenlosen Bedingungen diktieren.

        Erneut entwickelt Oliver Stone eine höchst moralische Geschichte, die auf positive Werte baut, wobei der Familienkonflikt im Fokus steht. Doch sein Protagonist Jake Moore erweist sich als zu braver Charakter, der zwar manches Geschick bei Verhandlungen beweist, dem aber Ecken und Kanten der „bad guys“ fehlen. Da der angehende Banker als Identifikationsfigur für ein junges Publikum dienen soll, muss er den lockenden fleischlichen Versuchungen widerstehen und darf im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bud Fox keine dunklen Seiten erkennen lassen. Als dieser absolviert Charlie Sheen einen Gastauftritt auf einem Wohltätigkeitsball, wo er dem charismatischen Michael Douglas augenzwinkernd rät, jeden Ärger zu meiden.

        Mit solchen Auftritten und Anspielungen spickt Stone seinen Kommentar zur aktuellen Banken- und Wirtschaftskrise. Selbst absolviert er gleich zwei Cameo-Auftritte, ein Foto von Michael Douglas Vater Kirk kommt ins Bild, oder auf Jakes Handy ertönt Ennio Morricones „The Good, the Bad and the Ugly“ als Rufton – einen Hinweis auf Altstar Eli Wallach, der hier eine graue Bankeneminenz verkörpert. Als Klammer zu Teil eins dienen die Songs von David Byrne und Brian Eno („Tiny Apocalypse“), welche die Handlung voran treiben und kommentieren.

        Mittels Ein-, Überblendungen und Splitscreen-Einsatz schreitet die dialoglastige Story um Geld und Moral rasant voran, wobei einige der Einfälle wie die Aktienkurse vor der New Yorker Skyline recht originell ausfallen. Wenn Jake nach dem Selbstmord seines Gönners gewissermaßen hinter Gittern platziert wird, erscheint solcher Symbolismus dagegen eher aufgesetzt. Hier stellt Stone seine cineastischen Fähigkeiten etwas zu deutlich aus. Doch immerhin gehört „Wall Street 2“ zu jenen seltenen Beispielen, die endlich wieder einen einfallsreichen Nachspann zu bieten haben.
      • | FAZIT

      • Weitgehend gelungene Mischung aus Kapitalismus-Kritik und Familiendrama mit einem blassen Helden und gelegentlich zu aufdringlicher Symbolik.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 6.3/10 (20 votes)

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