FILM REVIEW | Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
Abenteuer,
Komödie,
Romanze
| USA 2010
| INHALTSANGABE
Scott Pilgrim (Michael Cera) spielt Bass in der Nachwuchsband Sex Bob-Omb, lebt in einer WG mit seinem schwulen Freund Wallace Wells (Kieran Culkin) und trifft seit kurzem das chinesische Schulmädchen Knives Chau (Ellen Wong). Doch als der versponnene Teenager in seinen Träumen Ramona Flowers (Mary Elisabeth Winstead) erblickt, ist es um ihn geschehen. Tatsächlich geht die ungewöhnliche Schönheit auf die Einladung zu einem Date ein, worauf hin sich sein Leben komplett ändert. Vor allem erhält Scott nun ständig Drohungen und Kampfansagen von Ramonas Exfreunden. Sets lauern ihm die teuflischen Ex-Lover auf und fordern ihn zu unerbitterten Duellen. Die endlosen Attacken komplizieren nicht nur Scotts Alltag, sondern beeinträchtigen zudem die Chancen seiner Band im anstehenden Rock-Nachwuchswettbewerb.
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| FILMKRITIK
Mit seinen drastischen Genre-Parodien/-Hommagen „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ entwickelte sich der britische Regisseur Edgar Wright zum Shooting Star unter den jungen angesagten Regisseuren. Obwohl ihm zwischenzeitig Projekte wie „Drag me to Hell“ oder „The Green Hornet“ angeboten wurden, wählte er für sein erstes US-Projekt die Verfilmung des sechsteiligen Comic Books „Scott Pilgrim“ von Bryan Lee O Malley. Dessen schwarzweiße Serie erinnert vom Charakterdesign zwar an klassische Cartoons, vom Aufbau und Konzept her dagegen weitaus stärker an aktuelle Mangas.
Entsprechend setzt Wright die Abenteuer des kanadischen Slackers und Nachwuchsmusikers Scott Pilgrim, benannt nach einem Song der Band Plumtree, wie ein Live-Animationsfilm in Szene. Das Spektakel beginnt mit einem Vorspann, der wie nachträglich verfremdetes Zelluloid-Material erscheint (etwa von Experimental-Pionier Stan Brakhage), um danach mit nahtlos ineinander über gleitenden Szenen und Inserts, Trickfilm-Einlagen, Formatänderungen, Onomatopöie bis hin zu überhöhten Zweikämpfen in Videospiel-Manier zu arbeiten. Scotts Leben wirkt wie aus klassischen „Batman“-Fernsehfolgen inclusive Soundwords und Actionlinien im Bild entsprungen, während die Dialoge in Sitcom-Manier auf den Zuschauer prasseln. Zu einer (bewusst witzlosen) Stelle tönen dazu sogar Lacher und Applaus vom Band.
Wenn im Hintergrund einer frühen Einstellung die Inschrift „Fight Club“ und auf einem von Scotts ständig wechselnden T-Shirts der Manga-Klassiker „Astro Boy“ auftaucht, sind nur zwei der Pole festgezurrt, zwischen denen Wrights schräge Graphic Novel-Adaption pendelt. Stets liefert die postmoderne Teeniekomödie dazu Verweise auf Insignien der Popkultur. So lauten die Namen von Scotts frustrierten Bandkollegen etwa Young Neil und Stephen Stills, während seine Shirt-Aufdrucke an Formationen oder Musiker wie Beck Hansen erinnern, die den Soundtrack verantworten. Unter anderem werden Scotts Gegenspieler von „Superman“ Brandon Routh oder „Captain America“/“Fantastic Four“-Mitglied Chris Evans verkörpert, die hier ihr Macho-Image genüsslich durch den Kakao ziehen.
In den Hauptrollen trifft man angesagte Jungdarstellern wie Michael Cera, der schon in „Nick & Nora – Soundtrack einer Nacht“ einen linkischen Nachwuchsrocker spielte, Anna Kendrick („Twilight“) als seine überhebliche jüngere Schwester (in Wahrheit ist sie älter) oder Mary Elisabeth Winstead als Scotts mysteriöses Love Interest mit ständig wechselnder Haarfarbe. Thomas Jane („Punisher“) und Clifton Collins jr. („Star Trek“) geben Gastauftritte als Veganer-Polizisten. Neben Zeichen(-trick)einsprengsel von Schöpfer Bryan Lee O Malley bietet die schräge Anime-Hommage besonders Seitenhiebe auf legendäre Videospiele der Sega- und Nintendo-Generation. Deshalb verwandeln sich Scotts Gegner nach ihrer Niederlage in Münzen wie in den „Super Mario“-Games, ohne dass dies eine der umstehenden Personen irgendwie stören oder interessieren würde – ein Beleg dafür, dass die Schlachten eher in der Traumwelt des Protagonisten anzusiedeln sind.
Bei Testvorführungen und Previews hieß es für einen Teil des Publikums spätestens während des ersten surrealen Kampfs, der sich in eine Bollywood-Performance verwandelt: Game over. Daher sollte man beim Kinobesuch schon ein Faible für die Auswüchse der Game-, Musik- und Comickultur mitbringen, um das schrille Spektakel goutieren zu können. Allerdings geht es dem Betrachter wie nach fünf „Batman“-Folgen oder der Lektüre aller sechs „Scott Pilgrim“-Bände am Stück, dass nach einiger Zeit ein Sättigungsgefühl eintritt: Zu viele Genüsse verderben den Appetit. Trotzdem gehört Edgar Wrights zitatenreiche, virtuose Teenie-/Superhelden-/Musikkomödie zu den interessantesten Blockbustern – für den Massengeschmack ist sie aber zu schrill.
| FAZIT
Überdrehte, einfallsreiche Comicverfilmung mit einer Vielzahl von Anspielungen auf Popkultur-Strömungen, aber dem Hang zum visuellen Overkill.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung