Drama,
Romanze,
Gay/Lesbian
| Deutschland / Luxemburg 2009
| INHALTSANGABE
Frank geht im Jahr 1984 in Luxemburg noch zur Schule, als er sein Coming-Out hat. Vor der Enge seines Elternhauses flieht er nach Amsterdam. Dort kann er seine Sexualität und seine Jugend in vollen Zügen genießen. In einem schwulen Nachtclub mit dem Namen House of Boys findet er ein neues Zuhause. Er teilt sich ein Zimmer mit dem Gogo-Tänzer Jake, in den er sich verliebt. Doch Jake ist hetero, hat eine Freundin und spart Geld, um den Club, in dem er Männern auch käufliche Liebe anbietet, zu verlassen. Frank darf nach einer Zeit an der Bar ebenfalls als Tänzer auf die Bühne, wo er großen Erfolg hat.
Nachdem Jake von seiner Freundin verlassen wird, bekommt Frank seine Chance. Jake verliebt sich tatsächlich in den Freund. Das Glück der jungen Männer wird jedoch jäh zerstört, als Jake erfährt, dass er an Aids erkrankt ist. Die damals in Europa noch weitgehend unbekannte Krankheit endet für ihn nach einem Leidensweg im Krankenhaus, wo ihm Frank nicht von der Seite weicht, tödlich.
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| FILMKRITIK
Der luxemburgische Produzent Jean-Claude Schlim gibt mit „House of Boys“ sein Regiedebüt. Er kehrt darin zu den Anfängen von Aids in die achtziger Jahre zurück, um im jetzigen dritten Jahrzehnt der Immunschwäche-Krankheit bei der jüngeren Generation das Bewusstsein für die Gefahr zu schärfen. Mit den verbesserten Therapiemöglichkeiten hat nämlich das öffentliche Interesse an Aids nachgelassen. Allein in diesem Jahr sollen sich weltweit vier Millionen Menschen neu mit dem Virus infiziert haben, ohne dass bislang eine Heilungsmethode existiert. „House of Boys“ hat einen Zwittercharakter: Zunächst entführt der Film in die rauschenden Nächte der Amsterdamer Schwulenszene Mitte der achtziger Jahre, dann folgt der Leidensweg Franks an der Seite seines sterbenskranken Freundes.
Für den schwulen Schüler Frank aus Luxemburg ist die Fahrt nach Amsterdam der Beginn eines selbstbestimmten Lebens. Zum ersten Mal fort aus dem Elternhaus, genießt er die neue Freiheit, indem er nächtelang in Discos tanzt und seine Sexualität unbeschwert auslebt. Als seine Bekannte, bei der er wohnt, die Stadt verlässt, steht er auf der Straße. Im Schaufenster des Nachtclubs House of Boys sieht er eine Annonce, dass Tänzer gesucht werden. Der Stripperclub mit reichem Bühnenprogramm wird von Madame geleitet, wie sich der von Udo Kier gespielte Chef nennt. Madame nimmt Frank auf, der an der Bar arbeiten soll und sich ein Zimmer mit dem Tänzer Jake teilen darf.
Frank freundet sich auch mit den anderen Tänzern des Clubs an, dem mädchenhaften Angelo, dem Punker Dean, sowie mit Emma, der guten Seele des Hauses und einzigen Frau dort. Jeden Abend bewundert er die Tänzer während ihrer individuellen Bühnenshow und sieht eines Tages auch, wie Jake sich mit einem Kunden zurückzieht. Frank versteht nicht, wieso der attraktive Amerikaner nicht auch privat schwul sein will, sondern mit Carol zusammen ist. Erst als Carol sich gegen eine Zukunft mit Jake entscheidet, sieht Frank seine Chance gekommen. Es folgt eine rauschende Partyzeit, im Zenit ihres neuen Glücks als Paar aber bricht bei Jake Aids aus.
Der Regisseur unterteilt seinen Film in einen Prolog in Luxemburg, drei Akte in Amsterdam und einen Epilog in Marokko. Die Zeit im House of Boys ist das Herzstück, der mitreißende Entdeckungstrip Franks in der Schwulenszene. Zu den Klängen leidenschaftlicher Musikstücke aus den Achtzigern tanzen Jake, Angelo, Dean und später auch Frank auf der Bühne, singen Transvestiten und hat sogar Madame ihre schillernden Auftritte unter den begehrenden Blicken aus dem Publikum. Die Erotik der Männer, wenn sie ihre schönen Körper präsentieren und mit ihren Reizen spielen, entfaltet eine starke Wirkung. Die lustbetonte Inszenierung kann man nur als gelungen bezeichnen, als ästhetisch und als kraftvolle Reverenz an die Lebenslust jener Jahre. Die jungen Schauspieler stellen jeweils einen individuellen Typ dar, wobei vor allem Benn Northover als Jake und Steven Webb als Angelo überzeugen. Frank, gespielt von Layke Anderson, hat seine besten Momente, wenn er auf der Bühne tanzt. Udo Kier spielt seine Rolle als Chef mit Geschäftskalkül und künstlerischer Empfindsamkeit faszinierend.
Das Aids-Siechtum im zweiten Teil der Geschichte kontrastiert extrem mit diesen Bildern der Fülle. Jake liegt schon bald stumm und mit geschlossenen Augen im Krankenhaus, wo Frank an seinem Bett sitzt. Während sich Jake unschönen Erinnerungen an die Kindheit hingibt, die der Film zeigt, sind die Farben im Krankenhaus matt und die Stimmung gedrückt. Im Abspann werden schließlich noch einige erschreckende Zahlen über die Krankheit aufgelistet. Insgesamt überzeugt der ungewöhnliche Film mit seinem authentischen Charakter, mit seiner Botschaft und als stimmungsvolle Inszenierung einer Zeit des Aufbruchs im ersten Teil.
| FAZIT
Packender Film über ein Paar in der Amsterdamer Schwulenszene Mitte der achtziger Jahre, dessen rauschhafte Lebenslust durch Aids zerstört wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung