Roy (Josh Brolin) ist erfolgloser Schriftsteller mit Schreibblockade, der sich nach der schönen, rotgekleideten Nachbarin sehnt. Seine Frau Sally (Naomi Watts) will Familie, ist frustriert und verliebt sich in ihren Chef (Antonio Banderas). Ihr Vater Alfie (Anthony Hopkins), sehnt sich nach seiner Jugend und heiratet eine Nutte, was seine Exfrau Helena (Gemma Jones) trostsuchend zu einer Wahrsagerin treibt. Roys Roman wird abgelehnt, und kurzerhand stiehlt er das Manuskript eines verstorbenen Freundes, das er als sein eigenes ausgibt; Sally trennt sich von Roy und steht nun allein und ohne Geld da; Alfie verliert sich in Schulden und in Eifersucht, weil seine junge Frau ihn betrügt; und Helena folgt den Ratschlägen der Wahrsagerin und begibt sich auf die Suche nach einer neuen Liebe.
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| FILMKRITIK
In rascher Folge stellt Allen, nein: sein Voice-Over-Erzähler und das Personal seines neuen Ensemblestückes vor: Helena, von Ehemann Mann Alfie verlassen wurde und Zuflucht bei einer Wahrsagerin sucht; Alfie, der wieder jung sein will und mit den ca. 70 Jahren, die A. Hopkins auf dem Buckel hat, in einer Art Endlife-Crisis steckt, der die jungendliche Kraft der 30jährigen sucht; Helenas Tochter Sally, die frustriert ist wegen fehlendem Familienglück und wegen Ehemann Roy, dem erfolglosen Möchtegernschriftsteller, der nichts auf die Reihe kriegt und sehnsüchtig durchs Fenster auf die schöne Nachbarin im roten Kleid starrt. In lockerer Szenenfolge und versehen mit einem die Verhältnisse analysierenden Kommentar lernen wir sie kennen; und allmählich wächst man hinein in ihre Welt. Eine Welt, die so ganz normal ist, mit ganz normalen Problemen; und eigentlich sind auch alle sympathisch. Oder zumindest psychologisch fundiert, plausibel und verständlich.
OK: Hopkins als Alfie macht sich lächerlich, wenn er sich mit den Insignien der Jugend umgibt, mit Sportwagen und Fitnessclubmitgliedschaft; wenn er eine junge Nutte heiratet, um mit ihr endlich den lang ersehnten Sohn haben zu können. Und Helena, seine Ex-Frau, ohnehin eine verhuschte, neurotische Maus, verfällt immer mehr der Spinnerei, wenn sie die offensichtlichen Betrügereien einer Wahrsagerin als Leitfaaden fürs Leben nimmt, obwohl die ihr nur die utopischen Hoffnungen einflüstert, die sie gerne hören möchte. Doch Allen macht sich nicht über sie lustig, im Gegenteil: geradezu mitfühlend beschreibt er ihre Sorgen und die Mittel, die sie dagegen ergreifen; Mittel, die unangemessen sind, unnötig und unvernünftig. Mittel, die in diesem Film jeder ergreift, ohne es zu merken: die Nutte Charmaine Foxx, die Wahrsagerin Chrystal, die bildschöne Nachbarin Dia oder Sallys Arbeitgeber, der attraktive Kunstgalleriebesitzer Greg, in den sie sich verliebt: sie sind alle reine Projektionsflächen von Wünschen, die sich nicht erfüllen werden.
Jeder schätzt sich selbst als Zuviel oder Zuwenig ein – doch nicht in der gekünstelten Form einer Versuchsanordnung, sondern mit Blick auf das wirkliche, unspektakuläre Leben ist das erzählt. Das ergibt eine seltsame Spannung, wie sie nur im Kino entstehen kann: Stars spielen eine Geschichte, die dezidiert einen bestimmten Sinn, eine bestimmte Botschaft transportieren soll; und zugleich werden sie ganz alltäglich porträtiert, ohne große Dramatik, ohne übergroße Stilisierung.
Wahrscheinlich steckt eine Menge Shakespeare in diesem Film; ihm verdankt er sein Motto, aus „Macbeth“, dass das Leben eine Geschichte voll Klang und Wut sei, und ohne Bedeutung. Doch die große Tragödie – in der Allen ein Meister ist – ist hier heruntergebrochen auf die kleinen Geschichten des Lebens, das sich wie unter Säureeinfluss selbst auffrisst. Und wenn man dann glaubt, dass es nicht schlimmer werden kann, schlägt das Schicksal erbarmungslos noch härter zu…
Ein wenig fehlt dem Film vielleicht die Zwangsläufigkeit, die anderen jüngeren tragischen Meisterwerken wie „Matchpoint“ oder „Cassandras Traum“ anhaftet; andererseits ist es auch keine göttliche Macht, die in unerfindlicher Ironie das Leben durcheinanderwirft. Nein: Die Ironie der Tragik, die Tragik der Ironie kommt aus den Figuren selbst, aus ihrem inadäquaten Streben, eine Ironie, die sich ganz heftig auswinken wird; für den einen mehr, für den anderen weniger. Eine Ironie, die dem Film auch selbst anhaftet: der große dunkle Fremde des Originaltitels meint den Tod, dem wir alle dereinst begegnen; und der große dunkle Fremde im Film ist Greg, Antonio Banderas, der vermutlich auch ein verkorkstes Leben führt, aber am wenigsten tut und am meisten mit sich selbst im Reinen ist. Und wenn der Film dann ausläuft, seine Figuren auf sich selbst zurückgeworfen alleine lässt, gibt es sogar ein Happy End, ausgerechnet für die, die sich am meisten vom Leben, von der Realität abgewandt hat.
| FAZIT
Im tragischen Zusammenfügen von Lebensfäden ist Woody Allen ein Meister; und in der zutiefst ironischen Erzählweise, mit der er seine psychologisch genaue, stargespickte Geschichte präsentiert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung