Montag | 28. Mai 2012 | 18:35 Uhr
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  • FILM REVIEW | Umständlich verliebt
  • Umständlich verliebt

    Komödie, Romanze | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Wally ist verliebt in Kassie, seit Jahren schon, aber für sie ist er einfach der beste Freund. Nun bekommt Kassie Torschlusspanik, sie will Mutter werden, auch ohne Mann. Deshalb sucht sie einen Samenspender, schmeißt zum großen Ereignis der Befruchtung natürlich eine Ichwerdeschwanger-Party. Wally ist auch da, im Bad findet er die nachwuchsgenerierenden Zutaten des edlen Spenders und vertauscht sie gegen seine eigenen…
    Sieben Jahre später: Kassie hat einen Sohn, Sebastian, und sie hat Kontakt zum damaligen vermeintlichen Samenspender Roland, in den sie sich verliebt. Was Wally ganz aus der Fassung bringt, zumal er Sebastian kennenlernt, sich hervorragend mit ihm versteht und bemerkt, wie ähnlich der ihm ist… Er muss Kassie sagen, dass eigentlich er der wirkliche Vater ist. Aber er traut sich nicht: würde er sie und Sebastian durch das Geständnis der Wahrheit nicht vollends verlieren?
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      • | FILMKRITIK

      • Wie gut, dass irgendjemand mal das dramaturgische Konstrukt des „Besten Freundes“ erfunden hat. Eine ganze Filmindustrie lebt davon, eine ganze Kategorie des romantic-comedy-Genres könnte ohne nicht auskommen: Ohne diesen Diskurs um die Frage, ob es Freundschaft zwischen Mann und Frau geben könnte, bei der der Sex außen vor bleibt. Immer sind dabei die Männer die Untergebutterten, die eigentlich mehr wollen, immer ist klar, dass der Mann Marke „Bester Freund“ damit auch recht hat, immer geht es darum, dass die Frau das doch endlich auch erkennt; zumindest, nachdem der Mann ein paar Entwicklungsschritte durchgemacht hat.

        „Sie hat dich als besten Freund abgelegt, vor Jahren schon, da kommst du nicht raus“: dieser Satz aus dem Munde von Jeff Goldblum als Leonard trifft das Dilemma von Jason Bateman als Wally genau, der mehr will von seiner verehrten Kassie als Gespräche und Zuneigung. Damit benennt der Satz den Konflikt, um den sich „Umständlich verliebt“ wie auch viele andere Filme drehen. Der Satz zeigt auch das zweite wichtige Konstrukt: Jedem Partner des Traumpaares, das sich finden muss, ist je ein gleichgeschlechtlicher Freund zum Reden beigeordnet (was im Übrigen oft noch gesteigert wird zum Typus „schwuler Nachbar“, der sich in den 90ern als Standard etabliert hat): Der Freund des besten Freundes hat keine sexuelle Funktion und ist auch niemals Nebenbuhler; eher der Mülleimer, in den die Hauptfigur ihren Frust abladen kann.

        Wie ein Mülleimer sieht Jeff Goldblum denn auch tatsächlich manchmal aus, das hagere, faltige, verbrauchte Gesicht: er ist perfekt für diese Rolle. Wie auch Juliette Lewis als beste Freundin von Kassie, die direkt dem White Trash entnommen ist. Jennifer Aniston als Kassie ist Jennifer Aniston wie in jeder Rolle: hübsch und auf der Suche nach Liebe, womit sie sich in komplizierte Beziehungsnöte verstrickt. Soweit geht der Film in seiner Formel völlig auf. Das Problem ist Jason Bateman, besser gesagt: Wally. Der soll nämlich eine Stadtneurotikerfigur sein, und getreulich sind alle Zutaten eingebaut: Hypochondrie, Weltzweifel, Weltschmerz, fehlendes Selbstbewusstsein, Existenzangst. Aber: Das ist alles nur Behauptung, denn mit Bateman wird die Figur des zagenden Denkers zum antriebslosen Langweiler, der an allem rumnörgelt.

        Wodurch der ganze schöne Plan des Films in sich zusammenfällt: Weil der „Beste-Freund“-Typ lahm ist; weil man nicht weiß, warum Kassie ihn überhaupt jemals als Freund anerkannt haben sollte. Und weil man als Zuschauer schnell merkt, dass diese Figur sehr mangelhaft konzipiert ist. Andererseits, und das ist das Dilemma des Films: ohne eine solche Figur funktioniert der Plot nicht, weil kein normaler Mensch seine Spermien gegen die eines offiziellen Samenspenders einzutauschen die Fähigkeit noch überhaupt die Möglichkeit hätte. Womit der Film in sich selbst krankt: Die nötige Normalität, Plausibilität der Figuren kann er nicht bieten, weil sonst sein Plot unglaubwürdig wäre. Und zugleich ist der Plot eigentlich angewiesen auf sympathische, glaubwürdige Charaktere, die dann aber wieder den Film ins Abseits stellen.

        Diese Zwickmühle nun könnte man mit Witz auffangen, mit einem gewissen absurden Humor, wie ihn die beiden Regisseure in ihrem Vorgänger „Die Eisprinzen“ mit Will Ferrell und Jon Heder durchaus bewiesen haben. Doch auch das misslingt: Wo eigentlich Komik sein könnte (und auch sein sollte), verbleibt der Film im unverbindlich Heiteren; Pointen oder gar Gags gibt es nicht, nur ab und an provoziert der Film so etwas wie ein Schmunzeln.

        Immerhin kann er eine schöne Vater-Sohn-Geschichte aufbieten, und dafür ist Bateman wiederum wie geschaffen, zusammen mit Thomas Robinson als sein inoffizieller leiblicher Sohn bildet er ein gutes Team: Wie sich beide immer wieder gleich bewegen, gleiche Angewohnheiten haben, gleiche Ängste und Sorgen. Wie beide beim Essen wohlig brummen.
      • | FAZIT

      • Romantische Komödie um den Mann, der vom besten Freund zum Liebhaber aufsteigen will: Doch diese Formel geht nicht auf.

      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 6.0/10 (4 votes)

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