Flapman| Wieder ein solider Eatswood-Film trotz kleiner Schwächen
Mal wieder ein großartiger Eastwood-Film, aaaaber: zu lang, zu viele wahllose, den Flow der Story störende Zeitsprünge und ein IMHO leicht fehlbesetzter Adam Beach, der mir in seiner weinerlichen Rolle doch ein wenig auf die Nerven ging. Dennoch hat der Film zahlreiche wirklich gute Momente, die mich sehr bewegt haben.
Ein Film, der so passend wie selten zuvor die US-amerikanische Gegenwart anhand eines historischen Ereignissses beleuchtet: die Frage, wie Helden gemacht werden; wie die Medienindustrie Schlagzeilen ohne ethische Bedenken verkauft; wie Hoffnungen von Müttern, im Tod ihres Sohnes doch noch einen Sinn zu sehen, zwangsweise erfüllt werden; wie Vergangenes auf den Druck von außen verdrängt wurde, doch im Unterbewußtsein stark verwurzelt bleibt; und was Flagge und Veteranen bedeuten, wurde so intensiv und mit der Gegenwart verwoben noch nie dargestellt. Sicher kennen wir alle die Filme von Pabst, "Westfront 1918" oder auch Milestones "Im Westen nichts neues", King Vidors "Die große Parade" oder "Paths of Glory" von Kubrick, aber erst Eastwood hat es geschafft, aus allen diesen zeitlosen Themen ein Psychogramm der gegenwärtigen amerikanischen Nation zu weben. Und sein Mut, das historische Geschehen in zwei Filmen aus den Blickwinkeln der jeweiligen Nationen mit ihren Wertvorstellungen zu zeigen, verdient höchste Anerkennung in Zeiten, wo immer noch mit der Dämonisierung von Staaten und geballter Medienmacht scheinbar ausreichend Kriegsgründe geliefert werden, um tradierte "Werte" und die "Nation" zu verteidigen. Viele Mütter, die ihre Söhne heute aus dem Irak im Sack nach Hause kommen sehen, finden sich in ähnlichen Fragestellungen wieder. Man zweifelt wieder, und man beginnt, kritisch vermeintlich wahre "News" zu reflektieren. Wenn dieser Film dieses eigene Denken und Hinterfragen etwas anregen und die simple Konsumierung fertiger Meinungen etwas abschwächen könnte, hat er Großes bewirkt. Ich sage es nicht gerne, aber auch wenn ich gerne Remake-Marty den Oscar zugesprochen hätte, dieses Jahr müßte es eindeutig Eastwood werden, der hier wirklich ein unglaubliches Projekt zur rechten Zeit gestemmt hat. Respekt!