Anita und Fred sind schon seit vielen Jahren verheiratet; da entdeckt Anita, dass ihr Mann heimlich eine Zweitwohnung in der Stadt angemietet hat. Es kommt zum Streit. Dadurch erfahren die Kinder, dass Fred an Prostatakrebs erkrankt ist und sich nicht behandeln lassen will: das Risiko einer Operation und seine normale Lebenserwartung heben sich gegenseitig auf.
Die Hochzeit der Tochter steht an, und noch einmal ist die ganze Familie versammelt. Doch danach zieht Anita in eine Seniorenresidenz, sie versteht Fred nicht mehr. Er bittet sie, zurückzukehren, und noch einmal lassen sie das Glück ihrer Liebe aufflammen…
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| FILMKRITIK
Sophie Heldmans "Satte Farben vor Schwarz" ist Schauspielerkino par excellence. Senta Berger und Bruno Ganz spielen ein altes Ehepaar, das merkt, dass es irgendwie in verschiedene Richtungen unterwegs ist. Sie leben seit Jahrzehnten zusammen, haben vieles gemeinsam überstanden; und nun merkt Senta Berger als Anita, dass Bruno Ganz als Fred ihr fremd geworden ist. Dass sie ihn nicht mehr versteht: er hat ein Appartement in der Stadt gemietet, für sich allein. Hat er eine Geliebte? Und wenn nein, wenn es stimmt, dass er Raum und Zeit zum Nachdenken braucht: Warum kann er das nicht bei ihr tun, so, wie all die Jahre zuvor? Und er ist verschlossen, der Prostatakrebs nagt an ihm, er stellt sich Fragen über das Leben und den Tod, über Krankheit und Genesung, die er nicht besprechen kann.
Elegant, ruhig, ordentlich, gediegen ist ihre Welt, entsprechend auch die Inszenierung des ruhigen Umgangs der Eheleute, auch ihrer großen, stets aufgeräumten, nicht protzigen Villa – das wirkt mitunter etwas bieder, ist aber natürlich durch den Inhalt gerechtfertigt. Wenn sich die beiden voneinander entfremden, geht es nicht um das Niederreißen von Fassaden, hinter denen der Abgrund lauert, nicht um den Ausbruch all des Frustes, der jahrzehntelang in sich hineingefressen wurde; nicht um den großen angestauten Konflikt also, der plötzlich ausbricht. Sondern um die Routine von Liebe und Ehe, die langsam verändert werden muss. Ein Anpassungsprozess, der die sprachlos gewordenen Eheleute wieder zueinanderführt - das ist durchaus gut inszeniert und gespielt; wohl auch deshalb, weil Ganz und Berger sich sichtlich nicht bemühen zu Schauspielern, sondern das spielen, was sie sind: alte Leute.
Am Ende finden sie sich wieder. Und dann kippt der Film, in seinen letzten Minuten, und wahrscheinlich hat Heldman, Jahrgang 1973, das gar nicht beabsichtigt, dass nun einer lebensfeindlichen, lebensnihilistischen, lebensverachtenden Philosophie das Wort geredet wird: denn in diesem Moment des höchsten Glückes als Ehe- und Liebespaar suchen die beiden das Ende. Das ist kein Krankheits- und Sterbehilfedrama wie zuletzt etwa in „Ob ihr wollt oder nicht!“, ebenfalls mit Senta Berger; kein philosophischer Subtext um Selbstbestimmung von Leben und Tod, sondern schlicht und einfach die Bebilderung eines der doofsten Sprichwörter überhaupt: dass man aufhören soll, wenn´s am Schönsten ist. So kann aber eine Auseinandersetzung mit Alter, Ehe, Liebe und Sterben nicht aussehen, und auch nicht ausgehen.
| FAZIT
Gediegen-schönes Schauspielerkino, das um Glück und Liebe, Alter und Sterben kreist; und am Ende ungewollt in Lebensverachtung umschlägt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung