Montag | 28. Mai 2012 | 18:46 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | 22 Bullets
  • 22 Bullets

    Thriller, Action | Frankreich 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Mit seiner Vergangenheit als Mafia-Pate von Marseille schloss Charly Mattei (Jean Reno) schon vor Jahren ab und widmete sich ganz dem Familienleben mit Ehefrau und zwei Kindern. Doch die Vergangenheit holt ihn in Form eines achtköpfigen Killerkommandos ein, das ihn eines Morgens in einem Parkhaus am Hafen auflauert und mit 22 Kugeln niederstreckt. Doch so schnell lässt sich der hart gesottene Ex-Kriminelle nicht unterkriegen. Schwer verletzt überlebt er den brutalen Anschlag. Kaum genesen, macht sich Charly auf, die maskierten Angreifer unter seinen Ex-Kumpanen zu identifizieren und unschädlich zu machen. Sein früherer Freund und Nachfolger Tony Zacchia (Kad Merad) stellt ihm dabei keine große Hilfe dar. Bei seinem Rachfeldzug wird der „Auferstandene“ von der hartnäckigen Kommissarin Marie Goldman (Marina Fois) observiert, die eigene Interessen verfolgt, nachdem ihr Mann der Mafia zum Opfer fiel.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Immer wieder liefert die Hafenstadt Marseille den pittoresken Hintergrund für düstere Gangsterepen wie Jacques Derays Klassiker „Borsalino“ mit Belmondo und Delon oder Jean-Claude Izzos überschätzte, larmoyante „Marseille“-Trilogie, die Alain Delon als TV-Mehrteiler glättete. Zu den Vorzügen von Richard Berrys hartem Gangsterdrama „22 Bullets“ gehört daher die greifbare Atmosphäre einer sonnig-mediterranen Stadt, hinter deren heimeligen Milieu sich Abgründe aus Korruption und Verbrechen auftun. Berrys Recherchen mögen dazu beigetragen haben, dass die auf wahrer Ausgangssituation basierende, aber im Verlauf weitgehend fiktionale Romanadaption durch teils realistisch wirkende Typen aufgewertet wird.

        Mit Jean Reno in der Titelrolle als abgeklärter-desillusionierter Ex-Pate, der seinem schmutzigen Geschäft den Rücken kehrt und vom einträgeigen Drogenhandel die Finger lässt, stellt sich unweigerlich eine Assoziation zu Luc Bessons „Leon – Der Profi“ ein. Zwar tritt Besson bei „22 Bullets“ nicht direkt als Produzent auf, doch das von seiner Firma Europa vertriebene Werk trägt sichtbar seine Signatur. Wo Besson reichlich zur Etablierung europäischer Genrefilme beitrug, wirken doch viele Arbeiten aus seiner Schmiede glatt, gelackt und stark an Oberflächenreizen interessiert, wozu Berrys vierte Regiearbeit keine Ausnahme darstellt.

        Beim „Unsterblichen“ des Originaltitels handelt es sich um den schweigsamen, verurteilten Gangster Jacky Imbert, der einen ähnlichen Mordversuch durch ehemalige Komplizen schwer verletzt überlebte. Weitaus schneller überwindet Jean Reno als Charly Mattei den feigen Anschlag eines maskierten Killerkommandos. Als der verbitterte Aussteiger schon kurze Zeit später die versammelten Schuldigen stellt, erschießt er nur einen der Verschwörer und kündigt dem Rest seine unaufhaltsame Vergeltung an. Ansonsten fände sein düsterer Rachfeldzug wohl schon zu früh sein Ende. Gleichsam dient der etwas unverständliche Schachzug zur Spannungssteigerung, denn natürlich warten Charlys Gegner nicht auf ihr Ende, sondern schlagen gnadenlos zurück, ermorden einen Freund und bedrohen Familie Mattei.

        Trotz rasanter Actioneinlagen und spannend inszenierter Duelle lässt Achtziger-Kassenmagnet Richard Berry („Waffenbrüder“) kein Gangsterklischee von zerbrechender Männerfreundschaft über den allwissenden Off-Kommentar bis zur Alkohol abhängigen, allein erziehenden Kommissarin aus. Die Rückblenden in Charlys Kindheit über seine Kameradschaft mit Tony Zacchia (später: Kad Merad als hypochondrischer Boss) und Martin Beaudrinard (später: Jean-Pierre Darroussin als Anwalt zwischen den Gräben) dienen zur Etablierung eines romantischen Kriminellenbilds („Freunde bis in den Tod“). Als Protagonist muss Reno natürlich sympathische Seiten zeigen, wenn das Familienoberhaupt mit Katzen spielt und mitunter an seinen finsteren Plänen hadert. Zuvor verdiente er allerdings wenig skrupulös seinen Unterhalt mit krummen Machenschaften.

        Das Geschehen übergießt Ex-Frankfurter Klaus Badelt mit einer dicken, pathetischen Musiksauce, die alle Zwischentöne zukleistert. Dabei überzeugte der Hans Zimmer-Schüler zuletzt gerade mit Soundtracks zu französischen Produktionen wie dem Trickfilm „Die Drachenjäger“ oder der kommenden Komödie „Der Auftragslover“. Trotz einer mitunter spannenden Inszenierung hinterlässt die Hommage an ein mythisches Gangsterbild durch Richard Berry, der natürlich auch einen Gastauftritt als Politiker absolviert, einen letztlich zwiespältigen Eindruck.
      • | FAZIT

      • Eine Ansammlung bewährter Mafia-Stereotypen mit einigen fesselnden Sequenzen und reichlich Pathos.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 5.9/10 (16 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN