Montag | 28. Mai 2012 | 13:54 Uhr
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  • FILM REVIEW | Morning Glory
  • Morning Glory

    Komödie | USA 2010
  • | INHALTSANGABE

  • Es lief wahrlich schonmal besser im Leben der jungen TV-Produzentin Becky Fuller (Rachel McAdams): ihr Liebesleben leidet, weil sie schon beim ersten Date durch penetrantes Handyklingeln als Workaholic geoutet wird, und dann verliert sie auch noch ihren Job bei einem kleinen Sender in New Jersey. Eigentlich hatte sie mit einer Beförderung gerechnet, immerhin steht sie Nacht für Nacht zu einer Zeit auf, zu der andere gerade ins Bett gehen, um eine lokale Morgenshow vorzubereiten. Sie macht ihre Arbeit ambitionierter und mit mehr Ehrgeiz als jeder andere Mitarbeiter. Doch der Sender muss sparen und ihre Stelle wird einfach wegrationalisiert.

    Als sie nach mehreren gescheiterten Bewerbungen ein Vorstellungsgespräch für den Posten des Executive Producers der Frühstücksfernsehsendung „Daybreak“ beim New Yorker Sender IBS hat, drängt Becky sich dem Programmchef Jerry Barnes (Jeff Goldblum) geradezu auf. Niemand, so versichert sie, würde härter arbeiten, sie sei morgens die Erste und abends die Letzte im Büro – für ein gelungenes Job-Interview wirkt alles, was sie sagt, ein bisschen zu verzweifelt. Doch auch Barnes ist verzweifelt, denn die Show liegt im Sterben und kann mit den Quoten der erfolgreichen Konkurrenz nicht annähernd mithalten. Also bekommt Becky ihre Chance: sie soll „Daybreak“ retten.

    Voller Tatendrang macht sie sich an die Arbeit – und lernt schnell einige der Gründe, warum die Sendung so schlecht läuft, persönlich kennen. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen feuert sie den ebenso selbstverliebten wie inkompetenten Komoderator der Show, während dessen Kollegin Colleen Peck (Diane Keaton), die Diva am Set von „Daybreak“, Becky von Anfang an zu verstehen gibt, dass sie nur eine von zahlreichen Executive Producers sei, die die Sendung im Laufe der Jahre verschlissen habe.

    Doch Becky ist fest entschlossen, den neuen Job zu behalten. Schnell verdient sie sich den Respekt ihrer Mitarbeiter und heuert sogar einen neuen Anchor für die Show an: Mike Pomeroy (Harrison Ford), einer der ganz Großen der Branche, Nachrichtensprecher der ersten Stunde, Pulitzer-Preis-Gewinner, eine Legende – und ein ausgesprochener Stinkstiefel, der Becky von der ersten Minute zu verstehen gibt, dass er nichts von ihr, seinen neuen Kollegen und schon gar nicht von der Morgenshow hält, die sie produzieren. Er verabscheut die banalen Themen, über die in der Sendung berichtet wird, weigert sich, Kochtipps zu geben oder Beiträge über putzige Tierbabys anzumoderieren, und blickt mit Verachtung auf alles, was auch nur annähern an Unterhaltung erinnert. Sein Geschäft sind – oder besser: waren – harte News. Denn inzwischen ist Mike im Vorruhestand, er ist zwar noch bei IBS angestellt und bekommt ein ansehnliches Gehalt, aber eine eigene Sendung hat er nicht mehr. Allerdings ist er vertraglich verpflichtet, anfallende Aufgaben zu übernehmen, weshalb er widerwillig zustimmt, neben Colleen am Moderatorenpult von „Daybreak“ Platz zu nehmen.

    Einfacher wird Beckys Aufgabe dadurch jedoch nicht, im Gegenteil. Als sie auch noch erfährt, dass die Senderchefs beschlossen haben, „Daybreak“ abzusetzen, und ihr nur noch wenig Zeit bleibt, die Quoten auf Vordermann zu bringen, muss Becky ihr ganzes Können in die Waagschale werfen, um die Show doch noch zu retten.
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      • | FILMKRITIK

      • Das Drehbuch zu „Morning Glory“ stammt aus der Feder von Aline Brosh McKenna, die schon den Bestseller „Der Teufel trägt Prada“ für die Leinwand adaptiert hat. Parallelen zwischen beiden Filmen sind durchaus vorhanden: wie zuvor Anne Hathaway spielt Rachel McAdams eine junge, talentierte Frau, die unbeirrbar und aller Schwierigkeiten zum Trotz ihren Weg in ihrem Job geht.

        Und wie immer ist Rachel McAdams einfach wunderbar. Die junge Schauspielerin, an die schon Eric Bana als Zeitreisender wider Willer sein Herz verloren hat und der selbst der große Sherlock Holmes verfallen war, muss in ihrem neuen Film ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Das macht sie richtig gut: Becky Fuller ist eine charmante, kluge Frau, aber sie ist auch immer ein wenig schusselig und tollpatschig. Zudem ein wenig zu motiviert, eine Spur zu enthusiastisch, wenn sie in ihrem Job aufgeht – was ihr nach einem flammenden Plädoyer für eine ihrer Ideen schon mal die Frage einbringt, ob sie jetzt gleich singen wolle.

        Das genaue Gegenteil im Bezug auf Enthusiasmus im Job ist Beckys unfreiwilliger Kollege Mike Pomeroy. Harrison Ford spielt den Nachrichtenmann ganz hervorragend arrogant und herablassend, er macht mit jedem Blick und in jedem Wort deutlich, wie wenig er von seinem neuen Job hält. Seine kongeniale Partnerin am Set sowohl von „Daybreak“ als auch „Morning Glory“ ist Diane Keaton als Colleen Peck. Sie steht voll hinter der Show, und daraus und aus Pomeroys Ablehnung entsteht eine sehr reizvolle Spannung. Die beiden Moderatoren bekriegen sich ganz dezent, sowohl hinter als auch vor der Kamera. Schade ist allerdings, dass der Konflikt zwischen den beiden alten Hasen im Film ein wenig zu kurz kommt – ein bisschen mehr Ford vs. Keaton wäre bestimmt sehr unterhaltsam gewesen. Stattdessen steht das Verhältnis zwischen Becky und Mike im Mittelpunkt des Films, es geht fast schon um familienbildende Maßnahmen, wenn Becky versucht, ihr ungleiches Team unter einen Hut zu bringen.

        „Morning Glory“ lebt von seinen Darstellern, von den großen Namen der Hauptrollen bis hin zu den Nebendarstellern. Matt Molloy etwa, der den Wettermann Ernie spielt, hat einige zum Brüllen komische Auftritte, nachdem Becky beschließt, eine Prise Action in das „Daybreak“-Wetter zu bringen.

        Durch den Fokus auf Menschliches und Zwischenmenschliches – selbstverständlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, wie sich das für eine romantische Komödie gehört – kommt allerdings das Setting ein wenig zu kurz. Die Arbeitsbedingungen in der „Daybreak“-Redaktion, die Macken und Marotten der TV-Macher und vor allem der Quotenwahnsinn, dem im Business alles untergeordnet wird, dienen lediglich als Rahmen, in dem sich die Beziehungen zwischen Becky und Mike oder Mike und Colleen entwickeln. Einen wirklichen Einblick in die Welt von NBC, CNN und Co. bekommt man kaum, eigentlich wäre die Branche, in der Becky arbeitet, austauschbar.

        Ein wenig glamourös oder zumindest exzentrisch ist diese Branche natürlich schon, und weil sie in den USA hauptsächlich in Manhattan angesiedelt ist, konnten die Macher um Regisseur Roger Michell und Produzent J.J. Abrams immerhin auf die Skyline der Metropole als Kulisse zurückgreifen. Wer etwa an der Fernsehserie „30 Rock“ gefallen findet, wird vermutlich auch „Morning Glory“ mögen. Und einen missmutigeren Harrison Ford gab es noch nie auf der Leinwand zu bewundern.
      • | FAZIT

      • Kurzweilige Komödie über die TV-Branche, mit einer bezaubernden Rachel McAdams und Harrison Ford als wundervollem Stinkstiefel.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Alexander Praxl

      • | Userwertung

      Wertung: 4.3/10 (12 votes)

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